Börsenweisheit: Gefährliche Schnäppchenjagd

Börsenweisheit
Gefährliche Schnäppchenjagd

Die Schnäppchenjagd an der Börse hat ihre Tücken. Vermögensverwalter Gottfried Heller zieht gar den Vergleich zu einem Stück Sahnetorte, das mit gesunder Ernährung schließlich auch wenig zu tun hat.
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DüsseldorfGute Aktien günstig zu kaufen, ist der Traum jedes Börsianers. Zu Tiefstkursen einzusteigen und am besten auch noch zum Höchstpreis zu verkaufen, das wäre die perfekte Börsenwelt. Gelingen tut das in den wenigsten Fällen und schon gar nicht dauerhaft. Die Schnäppchenjagd an der Börse kann ein teures Abenteuer sein, vor allem wenn sich vermeintliche Super-Geschäfte als Rohrkrepierer erweisen oder – schlimmer noch – die betreffende Aktie weiter fällt. Dann macht der Börsianer Bekanntschaft mit dem sprichwörtlichen „fallenden Messer“, in das Anleger nicht greifen sollten. Zu erkennen, wann das Messer am Boden liegt, der Tiefstpreis erreicht ist und ein echtes Schnäppchen lockt, ist schwierig.

Und selbst wenn es nicht um gefallene Börsenstars geht sondern schlichtweg um unterbewertete und damit verlockend günstige Papiere, ist der Kursgewinn keinesfalls programmiert. Im Gegenteil: Die Jagd nach günstigen Angeboten kann leicht schiefgehen. Vermögensverwalter Gottfried Heller warnt: „Ein Schnäppchen mit Aktien verhält sich zur Geldanlage wie ein Stück Sahnetorte zur gesunden Ernährung.“

Experten können der Börsenweisheit viel abgewinnen. Sie stimme grundsätzlich, meint beispielsweise Matthias Kelm vom Luxemburger Vermögensverwalter Tareno. Der Anlage-Experte  ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Aber das Tortenstückchen schmeckt zumindest immer gut, das Aktienschnäppchen dagegen nur, wenn man recht hatte und mit Gewinn verkaufen kann. Sonst kann der Nachgeschmack ziemlich bitter werden.“

Was sich nach einem lustigen Sprüchlein anhört, beschreibt den Kern der Vermögensverwaltung, die bekanntlich Hellers Geschäft ist. Es geht um Diversifikation, also die Risikostreuung über viele Anlageklassen und Einzelanlagen, und um die Ausgewogenheit eines Portfolios. Und das beschreibt die Börsenweisheit trefflich: „Einer Hausfrau würde es nicht in den Sinn kommen, ihrer Familie Tag für Tag nur Kuchen und Sahnetorten zu servieren“, sagt Heller. „Sie weiß, dass zu einer gesunden Ernährung eine ausgewogene und vielseitige Kost gehört, die den Körper mit ausreichend Kalorien, Vitaminen und Ballaststoffen versorgt.“

Das Gleiche gilt auch für die finanzielle Gesundheit. „Dazu gehören nicht nur Geldwerte, wie Sparbuch, Festgeld und Festverzinsliche, sondern auch Sachwerte in Form von Aktien und Immobilien“, ergänzt der langjährige Partner von André Kostolany. Doch die Mehrzahl der Deutschen würden bei ihren Geldanlagen finanziell ungesund leben, weil sie sich einseitig mit Magerkost in Form von Zinsanlagen versorgen würde. Diejenigen, die doch auf Aktien setzen, jagen nur all zu oft vermeintlichen Schnäppchen hinterher – und das ist oft noch ungesünder.

Kommentare zu " Börsenweisheit: Gefährliche Schnäppchenjagd"

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  • Lasst Bilder und Meldungen sprechen

    Bild 1 der gebrellte (Kleinanleger)
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/devisen/interview-zu-bitcoin-wo-ist-unser-geld-/9539984.html
    Bild 2 die Verbrecher (Vorstände, AG’s, Politer und Justiz gesschmiert)
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/ukrainische-verschwendung-der-oligarch-in-saus-und-braus/9533332.html

  • .........warum denn immer dieses Mißt....trauen? Et gibt kein Kresch mehr, verstanden? Alle Auguren sin sich einig, niemals mehr nach unde.
    Et jet schnurstraks Richtung 10 und de Woch danach auf 20-dusend. Also wat wollt Ihr denn noch. En Altar vor de Haustür bauen we nich auf. Et heiß jez, investieren, investieren un nix aneres mehr....Schwachköppe.........

  • Ihr Kommentar entbehrt jedweder Logik und hat vor allem keinerlei Bezug zum Artikel. Hauptsache ein bissel rummotzen! Was haben Prokon, AWD, Schiffsfonds mit Aktien zu tun? Richtig, gar nichts! Und mit Sicherheit werden nicht tausende Aktien gehandelt um anschließend "gepflegt" in die Insolvenz zu gehen. IVG ist sicherlich ein Negativbeispiel, dafür kann ich ihnen aber gerne zwei dutzend Beispiele bringen bei denen Anleger in den letzten Jahren einen ziemlich guten Schnitt gemacht haben. Und Prokon dient ja wohl gerade als Beispiel dafür, dass die Aktie weitaus sicherer ist als sie es hier darzustellen versuchen. Prokon=grauer Kapitalmarkt=intransparent
    DAX Titel=Börsengehandelt=transparent
    Mal davon abgesehen ist die Aktienkultur in D. ziemlich schwach ausgeprägt, die Schäden wie im Falle IVG dürften sich also für die Kleinanleger in Grenzen halten.

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