Börsenweisheit: Herzlich Willkommen im Börsentheater!

Börsenweisheit
Herzlich Willkommen im Börsentheater!

Die Muster scheinen sich immer zu wiederholen. Nach dem Crash ist vor der Rally, nach der Rally vor dem Crash. Wird an der Börse etwa frei nach André Kostolany immer das gleiche Stück unter wechselnden Titeln gespielt?
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DüsseldorfDieses Gefühl kennt wohl jeder Anleger: Schon wieder eine Chance verpasst. Dabei war doch eigentlich klar, dass die Märkte sich erholen oder zumindest dieser eine abgestürzte Superstar die Wende schafft. Ist doch eigentlich immer so. Die Muster wiederholen sich, man muss sie nur erkennen. Eigentlich. Aber ist es wirklich so einfach?

Erfahrene Investoren müssten es wissen. Einer, der Jahre lang „zur Börse ging“, wie er es immer formulierte,  war André Kostolany. Der Börsenaltmeister sagte einst: „Die Börse ist wie ein Theater, unter verschiedenen Titeln wird aber immer das gleiche Stück gespielt.“

Ganz uneingeschränkt stimmt das aber wohl heute nicht mehr. „Man könnte meinen, dass immer das gleiche Stück gespielt wird“, sagt Heike Fürpaß-Peter vom Indexfonds-Anbieter Lyxor ETF. „Dann hätte sich jedoch die Dramaturgie der immer gleichen Stücke stark verändert.“ Schließlich würden die Einschläge an den Finanzmärkten heute in immer kürzeren Abständen mit immer heftigeren Reaktionen erfolgen. „Ich sehe wenig wiederkehrende Muster an den Börsen“, sagt sie. „Die vergangenen Jahre haben einmal mehr gezeigt, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann.“

Auch Börsenprofi und Bestseller-Autor Max Otte sieht diese Weisheit eher skeptisch: „Die Börse folgt so lange wiederkehrenden Mustern, bis sie es einmal nicht tut”, sagt er. Mit anderen Worten: Ja, es gibt Muster und Dynamiken, die Anleger erkennen können. „Diese zu nutzen, ist aber schwierig, da sie in Form, Tempo und Dauer variieren und irgendwann auch einmal unvorhergesehen brechen“, so Otte. „Dann ist oft der ganze Gewinn, denn man vorher aus dem Erkennen eines Musters gezogen hat, weg.“ Deswegen funktioniere auch die Chartanalyse nicht.

Also kein Börsentheater mit immer dem gleichen Stück unter neuem Titel? Andreas Feiden kann dieser Börsenweisheit sehr wohl einiges abgewinnen: „Steigen die Kurse, kommen die Privatanleger, fallen die Kurse, gehen die Privatanleger“, sagt der Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity. „Das ist in der Tat immer dasselbe Theater.“ Er erinnert an die kräftigen Turbulenzen nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Damals stießen 1,4 Millionen Deutsche ihre Aktien- oder Mischfonds ab.

Kommentare zu " Börsenweisheit: Herzlich Willkommen im Börsentheater!"

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  • Ich sehe in der Vermeidung bei der Realisierung von Verlusten die größte Blockade um erfolgreich zu handeln.Ich habe den Willen meine Srategie zu erhalten und danach zu handeln,welche lautet: Gewinne laufen lassen und Verluste zu minimieren und zu realiseren. Thomas Zemter

  • André Kostolany war weder ein guter Börsenanalyst noch ein guter Ratgeber und sein Kollege Heller ebenfalls nicht. Dampfplauderer, mehr nicht.

  • Zitat: „Bei der Geldanlage steht jedoch die Psyche, genauer unsere Verlustaversion, diesem grundsätzlich richtigen Impuls im Weg.“

    Das ist so nicht korrekt & empirisch nicht belegt. Im Gegenteil. Kahneman und Tversky haben ja schon vor längerer Zeit auf das irrationale Handeln des Menschen (nicht nur an der Börse, sondern generell) hingewiesen.

    Diesem liegt zu Grund, dass der Mensch - trotz gleich hoher Wahrscheinlichkeit - bei Gewinnen eher risikoavers handelt (nach dem Mott: Gewinne sichern oder der besagte Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach) und bei Verlusten zu einer höheren Risikotoleranz neigt. Ist seit dem in der Sozialpsychologie und Konsumforschung etliche Male über Studien und Versuche repliziert worden.

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