Börsenweisheit
„Spekuliere nie gegen die Notenbank!“

Die US-Notenbank tagt und die Börsen halten den Atem an. Was werden die Notenbanker entscheiden, was verkünden, wie begründen? Eine alte Weisheit mahnt, nie gegen die Fed zu spekulieren. Warum sie mehr stimmt denn je.
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DüsseldorfIrgendwann ist Schluss mit der gigantischen Liquiditätsschwemme. Der scheidende US-Notenbank-Chef Ben Bernanke hat bereits im Dezember den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes eingeleitet und die monatlichen Bondkäufe gekappt. Seit Beginn des Jahres fließen nicht mehr 85 sondern „nur“ noch 75 Milliarden Dollar in den Markt. Monat für Monat soll das Volumen der Bondkäufe nun um weitere zehn Milliarden schrumpfen. Soweit der Plan. Der letzte – überraschend schwache – US-Arbeitsmarktbericht hatte kurzzeitig Zweifel aufkommen lassen.

Ob sich die Anleger auf eine weitere Reduzierung der milliardenschweren Anleihenkäufe einstellen müssen, zeigt sich zum Abschluss des zweitägigen Treffens der Fed. Auch wenn die meisten Experten davon ausgehen, dass sich die Notenbanker nicht von ihrem Kurs abbringen lassen und das Volumen weiter reduzieren werden, sind die geldpolitischen Entscheidungen in den USA seit Tagen das wichtigste Thema an den Märkten.

Wie mächtig die Notenbanken sind und wie wichtig ihre Entscheidungen für die Märkte sind, zeigt auch eine alte amerikanische Börsenweisheit: Spekuliere nie gegen die Notenbank! Philipp Dobbert ist überzeugt, dass diese Börsenweisheit fast immer stimmt. „Gerade im heutigen Börsenumfeld sollte jeder Anleger vermeiden, sich gegen den Wind zu lehnen, der dem Markt aus der Chefetage der Zentralbanken entgegenweht“, sagt der Chefvolkswirt der Quirin Bank.

Das heutige Börsenumfeld sei in viel größerem Maße als die Vorkrisenjahre oder gar die 1990er-Jahre durch die Eingriffe aller großen Notenbanken der Welt geprägt. „Denn die Zentralbankpolitik von heute besteht, ganz platt gesprochen, vor allem im Drucken‘ von immer mehr Geld“, sagt Dobbert.

Dieses Geld wird wie in den USA in Staatsanleihen investiert oder wie in der Euro-Zone dem Bankensektor zur Verfügung gestellt. Und die so geschaffene zusätzliche Liquidität im Finanzsystem sucht dann nach Anlagemöglichkeiten. In den vergangenen Jahren führte das zu deutlichen Kursbewegungen an den Aktienmärkten.

Viele Leitindizes wie etwa Dow Jones, S&P 500 oder auch der Dax notieren nahe ihrer Allzeithoch. Die Aktienmärkte profitierten von der Politik des billigen Geldes der Notenbanken. „Sich gegen diese Politik zu stellen ist deshalb so gefährlich, weil die Notenbanken diese theoretisch unbegrenzt betreiben können“, ist Dobbert überzeugt. „Ihr Atem ist länger als der der Anleger.“

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  • Bloß nicht, das gibt wieder einen kurzzeitigen Exitus eines amerikanischen Präsidenten.

  • Die unverantwortliche Inflationspolitik der US Notenbank geht also mit fast ungebremsten Tempo weiter - flankiert von einer Nullzinspolitik, die weiterhin zu enormen Fehlallokationen von Investitionskapital führt.

    Die Notenbanken haben dabei aber schon die Kontrolle über die Zinsen verloren. Die Renditen der US Staatsanleihen mit mittleren und langen Laufzeiten steigen schon seit Monaten und haben einen Aufwärtstrend etabliert. Somit ist die Notenbank nun gezwungen die realwirtschaftlich wirkungslosen Geldspritzen zu reduzieren, um nicht das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit zu verlieren. Der Anleihemarkt treibt die FED nun vor sich her. Die Notenbanker haben 2012/2013 ihr letztes Pulver verschossen und sind nun machtlos. Wirtschaftliche Stagnation und Inflation werden die kommenden Jahre prägen.

  • die Dokumentation über die US Fed und das Geldsystem ist auf Youtube unter 'Money Masters' zu finden.
    Die Privatbank US Federal Reserve hatte am 23. Dezember 2013 hundertjähriges Jubiläum. Wo bleibt die grosse Party?
    Die Rufe aus der amerikanischen Bevölkerung, die US Fed aus privater Hand zu nehmen, werden immer lauter.

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