Börsenweisheit: Was Stilettos und Aktienkurse gemeinsam haben

Börsenweisheit
Was Stilettos und Aktienkurse gemeinsam haben

Die Märkte notieren noch nahe ihrer Allzeithochs. Eine Weisheit besagt, Börsenkurse seien wie Stöckelschuhe und die könnten nie zu hoch sein. Oder doch? Wann übertreiben die Märkte und wann kommt die Korrektur?
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DüsseldorfBörsianer im Höhenrausch – Dax, Dow Jones und andere Indizes notieren nahe ihrer Allzeithochs. Die Rally scheint auch im neuen Jahr munter weiterzugehen. Doch wie lange noch? Von jeher stellen sich Börsianer die Fragen nach Rekorden und Rückschlägen, nach Kurszielen und fairen Bewertungen. Vor allem in Hausse-Zeiten wächst irgendwann die Skepsis, ob die Aktien vielleicht schon zu teuer geworden, also zu hoch gestiegen sind.

Dabei lautet eine alte Börsenweisheit: „Börsenkurse sind wie Stöckelschuhe, je höher desto besser.“ Zugegeben, diese Regel klingt mehr nach Kalenderspruch als nach Weisheit. Für Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, fällt der Spruch auch eher in die Kategorie Witz denn Börsenweisheit. Trotzdem können Experten dem Stöckelschuh-Vergleich einiges abgewinnen. Stimmt die Aussage also? „Vermutlich antworten darauf insbesondere viele Männer gerne mit einem klaren Ja“, sagt Anja Welz, Vorstand von Laureus Privat Finanz mit einem Augenzwinkern. „Und natürlich stimmt es: Generell sind hohe Kurse stets erfreulich.“

Das sehen wohl die meisten langfristig investierenden Börsianer so, die sich aktuell über satte Kursgewinne freuen. Doch Stilettos können auch zu hoch, das weiß jede Frau, die auf hohen Absätzen schon einmal ins Straucheln gekommen ist. Mit Blick auf die Börse ergänzt Christoph Leichtweiß, Geschäftsführer bei Ypos Consulting, es werde immer dann gefährlich, wenn Aktienkurse ohne jede wirtschaftliche Basis steigen Unternehmen also beispielsweise ohne Gewinnzuwächse massive Kurssteigerungen verzeichnen würden.

„Das wäre dann in etwa so, als würde der Stöckelschuh eine Höhe erreichen, auf der die ihn tragende Frau beim besten Willen nicht mehr laufen kann“, erklärt er. „Das Ergebnis ist bei Aktie wie Frau dasselbe: der Sturz.“ Anders als bei den Stöckelschuhen gibt es allerdings keine bestimmte Höhe, bei der es unweigerlich zum Crash kommt. „Bei Aktienkursen sollte daher auch nicht die absolute Zahl, sondern ein System verschiedene Kennzahlen betrachtet werden“, ergänzt Leichtweiß.

Oliver Heidecker hingegen glaubt nicht, dass Anleger sich über die richtige Absatzhöhe Gedanken machen müssen: „Wer Aktien langfristig kauft, weil er von Unternehmen und ihren Geschäftsmodellen überzeugt ist und daher nicht nach oben wie nach unten spekuliert, der braucht keine Höhenangst zu haben“, sagt der Aktienexperte von AMF Capital. „Dass Kurse ab einer gewissen Höhe kippelig werden können, ist normal – bei einem solide wirtschaftenden Unternehmen ist ein totaler Absturz jedoch eher unwahrscheinlich.“

Die Notierungen an den Märkten spiegeln immer die erwarteten Unternehmensgewinne wieder. Und natürlich können Börsen heiß laufen, wenn Erwartungen eingepreist sind, die nicht mehr erfüllt werden können. „Es ist zwingend erforderlich, dass Kurssteigerungen immer einen realwirtschaftlichen Bezug haben und damit auch fundamental gerechtfertigt sind, sonst ist die Freude an den Kursgewinnen meist von kurzer Dauer“, warnt deshalb Vermögensverwalter Markus Zschaber. „Sofern sich die Börsenkurse über einen gewissen Zeitraum von der Realwirtschaft abkoppeln, entstehen Blasen, die unvermeidlich irgendwann korrigiert werden müssen.“

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  • Du kannst die Wellen nicht anhalten, aber Du kannst lernen, auf ihnen zu reiten. (•‿-) Joseph Goldstein

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