Börsianer warten ab
Dax-Ausblick: Im Bann der Zinsen

Zinsen, Inflationsängste und Öl – darum dreht sich derzeit das Börsengeschehen. Auch der deutsche Aktienmarkt wird in der kommenden Woche vor allem von einer neuerlichen Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed beeinflusst – und davon, ob sie ihre künftige Zinspolitik erklären kann.

HB FRANKFURT. Das ist in den kommenden Tagen das Top-Thema auf dem Parkett. Gebannt erwarten Anleger am Donnerstag die voraussichtlich 17. Zinserhöhung in den USA in Folge. Marktbeobachter gehen davon, dass sich die Anleger bis dahin eher zurückhalten werden. „Das unsichere Zinsumfeld wird wohl dazu führen, dass die Investoren die Füße still halten“, sagt zum Beispiel Christian Schmidt, Marktstratege von der Helaba Trust. „Die alten Themen werden die neuen sein: Zinsen, Inflationsängste und Öl“, fasst Oliver Opgen-Rhein, Aktienhändler bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, die Stimmung der Börsianer zusammen. Wegen der Aussicht auf weiter steigende Zinsen ist der Dax seit Mitte Mai auf Talfahrt, hatte sich aber in der vergangenen Woche wieder erholt. Am Freitag notierte der Leitindex bei 5 500 Punkten, ein Wochenplus von knapp drei Prozent.

Von Unternehmensseite her sind in der kommenden Woche kaum kursbewegende Neuigkeiten zu erwarten. „Die Umsätze werden dünn ausfallen. Man merkt, dass langsam die Sommerferien anfangen“, sagt Opgen-Rhein. Zumindest die Konjunktur bekommt aber derzeit positive Impulse. Das WM-Fieber in Deutschland schlägt nach Einschätzung der Experten der Helaba allmählich auch auf die monatlichen Konjunkturindikatoren durch. Zwar werde die gute Stimmung nicht ausreichen, um dem Ifo-Geschäftsklimaindex einen weiteren Zuwachs im Juni zu bescheren, schrieben die Analysten in einer Kurzstudie. Profitiert haben dürfte allerdings der Arbeitsmarkt. „Das WM-Hoch der Deutschen sollte sich darüber hinaus in einer spürbaren Stimmungsaufhellung im GfK-Konsumklima im Juni niederschlagen“, hoffen die Experten. Die Bankgesellschaft Berlin rechnet beim Ifo-Index mit einem leichten Rückgang auf 105,3 Prozent nach zuvor 105,6 Prozent. Die Beurteilung der Lage sollte sich stabilisieren, allerdings werde für die Geschäftserwartung mit einem weiteren Rückgang gerechnet.

Der Ifo-Index wird am Dienstag veröffentlicht, der GfK-Index am Mittwoch. Für Freitag stehen mit den Persönlichen Ausgaben im Mai, dem Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan sowie mit dem Einkaufsmanagerindex aus Chicago gleich eine ganze Reihe von US-Daten zur Veröffentlichung an.

Uneinigkeit über künftige Entwicklung

Gespalten zeigt sich momentan die Meinung der Marktteilnehmer über die zukünftige Kursentwicklung am Deutschen Aktienmarkt – vor allem, aber nicht nur wegen der Zinsentwicklung. Während die Bären die zuletzt gesehene Aufwärtsbewegung nur als kurzfristige Etappe auf dem weiteren Weg nach unten einstufen, weisen die Bullen unter den Marktteilnehmern auf das inzwischen erreichte attraktive Bewertungsniveau im Dax hin. Die Bären kontern das Argument mit einem Hinweis auf konjunkturell allgemein eher negative Impulse. Sie erhöhten die die Wahrscheinlichkeit für negative Gewinnrevisionen.

Die Marktstrategen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erwarten, dass die bald einsetzende Berichtssaison zum zweiten Quartal und eine deutliche Entspannung bei der zuletzt stark gestiegenen Volatilität den Dax nach oben treiben könnten. Die Experten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger glauben, dass der kurzfristige starke Anstieg des deutschen Leitindex nicht von Dauer sein werde. In ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart" schreiben die Aktienstrategen: „Wir gehen deshalb unverändert davon aus, dass wir auch in den nächsten Wochen noch mit einer starken Schwankungsbreite der Indices zu rechnen haben.“ Auf längere Sicht zählen sie indes eher zu den Optimisten mit ihrer „Aussage, dass durchaus Licht am Ende des Tunnels vorhanden ist und zum Jahresende ein Dax-Stand von 6 000 Punkten wieder ein mögliches Ziel ist“. Die Marktexperten meinen weiter: „Rein aus Bewertungsgesichtspunkten sind die Aktien, und hier insbesondere die Blue-Chips, günstig bewertet. Die Bilanzen sehen gut aus und es ist von einem weiteren Einnahmezuwachs auszugehen.“

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