Brasilien-Investments
Warum „obszön” hohe Zinsen wenig Gutes tun

Der brasilianische Leitzins ist so hoch wie in keinem anderen Land der Welt. Internationale Investoren wittern Gewinnmöglichkeiten. Doch die wahren Zinsprofiteure leben im Land selbst. Das hat auch Nachteile.

DüsseldorfDer brasilianische Hedgefonds-Manager Luiz Fernando Figueiredo findet gerne deutliche Worte. Als im vergangenen Jahr internationale Investoren Brasilien den Rücken zuwandten, sagte er, die Angst um eine Finanzkrise des Landes sei übertrieben, der Markt werde sich wieder erholen.

Das ist nun ein Jahr her, und in manchen Branchen – etwa bei Rohstoffwerten – gab es steigende Kurse. Gewinne will Figueiredo aber noch nicht mitnehmen, im Gegenteil. Er glaubt, dass jetzt, wo der amtierende Präsident Michel Temer eine Reihe marktfreundlicher Reformen angekündigt hat, internationale Investoren in Brasilien richtig Geld machen könnten: „Da sich das Land in die richtige Richtung bewegt, ist es nahezu unmöglich, dass ein Land mit obszön hohen Zinsen keine großen Kapitalzuflüsse erfährt”, so Figueiredo, der früher als Notenbank-Direktor arbeitete, bevor er den Hedgefonds Maua Capital in Sao Paulo gründete.

Mit 14,25 Prozent hat Brasilien den höchsten Leitzins weltweit, gefolgt von Russland, dessen Leitzins bei 10,5 Prozent liegt und der Türkei mit einem Zins von 7,5 Prozent. Das zeigt sich auch auf dem Anleihenmarkt. Eine zehnjährige brasilianische Anleihe ist momentan mit 11,8 Prozent verzinst. Vergleichbare US-Papiere bringen knapp 1,6 Prozent, deutsche Bundesanleihen sind mit Minus 0,04 Prozent sogar negativ verzinst.

Brasilianische Papiere haben – anders als die deutschen und die amerikanischen – ein erhebliches Währungsrisiko. Doch das Risiko der Währungsabwertung wird Figueiredo zufolge kleiner, weil der Real aufwertet. Im bisherigen Jahresverlauf kletterte der Real um 20 Prozent nach oben, nachdem er im vergangenen Jahr gut ein Drittel seines Wertes eingebüßt hatte. Wenn es nach dem Hedgefonds-Manager geht, steigt die Währung bis Jahresende um weitere neun Prozent. Dann würden auf je einen Dollar drei Real kommen. Die Inflation im Land betrug im Juni dieses Jahres 8,8 Prozent, im Mai noch 9,3 Prozent.

Doch warum bietet Brasilien Investoren so „obszön” hohe Zinsen und zwar schon seit Jahren? Bereits seit den 1990er Jahren sind die Leitzinsen in dem Land so hoch, dass selbst mit Berücksichtigung der Inflation Investoren überdurchschnittliche Renditen erzielen.

Die Frage ist unter Ökonomen umstritten. Eine Erklärung könnte Figueiredos Optimismus ein wenig dämpfen. Ihr zufolge sind die hohen Zinsen der speziellen Struktur der brasilianischen Anleihenmärkte geschuldet. Denn noch immer ist er zum größten Teil von einheimischen Investoren dominiert. Daten des brasilianischen Finanzministeriums zufolge kommen gerade einmal 16,4 Prozent der Besitzer von Schuldentiteln dem Ausland. Zu ihnen gehören Banken, Pensionsfonds, aber auch Teile der brasilianischen Mittelschicht.

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Die meisten Schulden liegen in den Händen einheimischer Anleger

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