Brasilien-Investments

Warum „obszön” hohe Zinsen wenig Gutes tun

Der brasilianische Leitzins ist so hoch wie in keinem anderen Land der Welt. Internationale Investoren wittern Gewinnmöglichkeiten. Doch die wahren Zinsprofiteure leben im Land selbst. Das hat auch Nachteile.
Brasilien-Investments bringen Investoren ordentlich Zinsen. Doch die Zinsen machen auch Probleme. Quelle: dpa
Rio De Janeiro

Brasilien-Investments bringen Investoren ordentlich Zinsen. Doch die Zinsen machen auch Probleme.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer brasilianische Hedgefonds-Manager Luiz Fernando Figueiredo findet gerne deutliche Worte. Als im vergangenen Jahr internationale Investoren Brasilien den Rücken zuwandten, sagte er, die Angst um eine Finanzkrise des Landes sei übertrieben, der Markt werde sich wieder erholen.

Das ist nun ein Jahr her, und in manchen Branchen – etwa bei Rohstoffwerten – gab es steigende Kurse. Gewinne will Figueiredo aber noch nicht mitnehmen, im Gegenteil. Er glaubt, dass jetzt, wo der amtierende Präsident Michel Temer eine Reihe marktfreundlicher Reformen angekündigt hat, internationale Investoren in Brasilien richtig Geld machen könnten: „Da sich das Land in die richtige Richtung bewegt, ist es nahezu unmöglich, dass ein Land mit obszön hohen Zinsen keine großen Kapitalzuflüsse erfährt”, so Figueiredo, der früher als Notenbank-Direktor arbeitete, bevor er den Hedgefonds Maua Capital in Sao Paulo gründete.

Die Tops und Flops im Juli

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
Xetra

+0,30 +0,17%
+180,98€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
Volkswagen
1 von 30

Volkswagen kann den Abgasskandal dank robuster Verkaufszahlen sowie Einsparungen zunehmend besser verkraften. Dafür sprechen die Ende Juli veröffentlichten Quartalszahlen. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen kletterte im zweiten Quartal um ein Fünftel auf 4,4 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Sondereinflüsse und Rückstellungen eingerechnet, halbierte sich das Ergebnis jedoch auf 1,9 Milliarden Euro. Für VW-Aktionäre ist das jedoch ein Hoffnungsschimmer. Die Aktie gehört zu den drei Gewinnern im Dax.

Kursänderung zum 29. Juli: +16,1 Prozent

SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007164600
Börse
Xetra

+0,49 +0,54%
+90,95€
Chart von SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.
SAP
2 von 30

Ebenfalls an die Dax-Spitze ging es für den Software-Hersteller SAP. Das Unternehmen hatte mehr als erwartet verdient und die Analysten überrascht. Die Lizenzerlöse des Softwarekonzerns hätten die Erwartungen übertroffen und die Cloud-Umsätze sähen ordentlich aus, schrieb beispielsweise Analyst Frederick Grieb des japanischen Finanzdienstleisters Nomura.

Kursänderung zum 29. Juli: +16,7 Prozent

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
Xetra

+1,09 +1,18%
+93,42€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN
BMW
3 von 30

Größter Dax-Gewinner war jedoch der Automobilhersteller BMW. Das Unternehmen hat wie die Konkurrenz auch den Absatz im Juni kräftig gesteigert. Weltweit wurden 227.849 Fahrzeuge der drei Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft, wie die Münchner mitteilten. Das sind 9,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Kursänderung zum 29. Juli: +17,1 Prozent

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
Xetra

+1,40 +0,73%
+191,90€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Munich Re
4 von 30

Zu den Dax-Flops zählt der Rückversicherer Munich Re. Dieser hat am drittschlechtesten unter den größten börsennotierten Konzernen Deutschlands abgeschnitten. Wie Commerzbank-Analyst Michael Haid in einer Studie feststellt, belastet das Niedrigzinsumfeld den Versicherer.

Kursänderung zum 29. Juli: -0,7 Prozent

Beiersdorf

WKN
ISIN
Börse

Chart von Beiersdorf
Beiersdorf
5 von 30

Ebenfalls im Minus: Aktien von Beiersdorf. Ein rückläufiger Umsatz und gesenkte Ziele für die Klebstoff-Tochter Tesa haben dem Hamburger „Nivea”-Hersteller zu schaffen gemacht. Wegen negativer Währungseffekte schrumpfte der Umsatz von Beiersdorf im ersten Quartal um 1,9 Prozent.

Kursänderung zum 29. Juli: -1,1 Prozent

DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005140008
Börse
Xetra

+0,15 +1,01%
+15,25€
Chart von DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Bank
6 von 30

Die Deutsche-Bank-Anleger müssten sich inzwischen daran gewöhnt haben, dass die Aktie ständig Achterbahn fährt. Je nach Nachrichtenlage waren die Papiere des größten deutschen Bankhauses häufig entweder Tagesgewinner oder Verlierer im Index. Besonders der Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zerrte zuletzt an den Nerven der Anleger. Die Bank befand sich unter den zehn am schlechtesten für den Krisenfall gerüsteten Banken Europas, wenn es nach der Kernkapitalquote geht.

Kursänderung zum 29. Juli: -2,4 Prozent

SALZGITTER AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006202005
Börse
Xetra

-0,06 -0,12%
+50,08€
Chart von SALZGITTER AG INHABER-AKTIEN O.N.
Salzgitter
7 von 30

Auch unter den mittleren Werten ging es trotz der Ferienzeit hoch her. So auch bei Salzgitter. Der Wunsch der EU-Gesetzgeber, einheimische Metallhersteller vor chinesischen Billigstahl-Importen zu schützen, spielt dem MDax-Wert in die Karten. Zusätzlichen Schub verliehen den Aktien Spekulationen auf eines möglichen Zusammenschlusses des europäischen Stahlgeschäfts von Thyssen und der indischen Tata Steel.

Kursänderung zum 29. Juli: +17,7 Prozent

Mit 14,25 Prozent hat Brasilien den höchsten Leitzins weltweit, gefolgt von Russland, dessen Leitzins bei 10,5 Prozent liegt und der Türkei mit einem Zins von 7,5 Prozent. Das zeigt sich auch auf dem Anleihenmarkt. Eine zehnjährige brasilianische Anleihe ist momentan mit 11,8 Prozent verzinst. Vergleichbare US-Papiere bringen knapp 1,6 Prozent, deutsche Bundesanleihen sind mit Minus 0,04 Prozent sogar negativ verzinst.

Brasilianische Papiere haben – anders als die deutschen und die amerikanischen – ein erhebliches Währungsrisiko. Doch das Risiko der Währungsabwertung wird Figueiredo zufolge kleiner, weil der Real aufwertet. Im bisherigen Jahresverlauf kletterte der Real um 20 Prozent nach oben, nachdem er im vergangenen Jahr gut ein Drittel seines Wertes eingebüßt hatte. Wenn es nach dem Hedgefonds-Manager geht, steigt die Währung bis Jahresende um weitere neun Prozent. Dann würden auf je einen Dollar drei Real kommen. Die Inflation im Land betrug im Juni dieses Jahres 8,8 Prozent, im Mai noch 9,3 Prozent.

Doch warum bietet Brasilien Investoren so „obszön” hohe Zinsen und zwar schon seit Jahren? Bereits seit den 1990er Jahren sind die Leitzinsen in dem Land so hoch, dass selbst mit Berücksichtigung der Inflation Investoren überdurchschnittliche Renditen erzielen.

Die Frage ist unter Ökonomen umstritten. Eine Erklärung könnte Figueiredos Optimismus ein wenig dämpfen. Ihr zufolge sind die hohen Zinsen der speziellen Struktur der brasilianischen Anleihenmärkte geschuldet. Denn noch immer ist er zum größten Teil von einheimischen Investoren dominiert. Daten des brasilianischen Finanzministeriums zufolge kommen gerade einmal 16,4 Prozent der Besitzer von Schuldentiteln dem Ausland. Zu ihnen gehören Banken, Pensionsfonds, aber auch Teile der brasilianischen Mittelschicht.

Die meisten Schulden liegen in den Händen einheimischer Anleger
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