Briten wollen die Zentrale auch bei einer Fusion mit Frankfurt oder mit der Euronext behalten
Streit um Sitz der Londoner Börse

Im Übernahmekampf um die Londoner Börse ist eine Debatte um das künftige Hauptquartier entbrannt. „Ich gehe davon aus, dass der Sitz der Börse in London bleibt“, sagte an Montag Angela Knight, Vorstand des Verbandes der britischen Privatbroker Apcims.

ali/fs/pot LONDON. Die Forderung steht im Gegensatz zu Aussagen von Deutsche-Börse-Vorstand Werner Seifert, der sich gerade um die Übernahme der London Stock Exchange (LSE) bewirbt. Ihm zufolge soll der Sitz des kombinierten Instituts in Frankfurt bleiben. Aus Finanzkreisen heißt es aber, dass bei einem erfolgreichen Gebot das Management der weltgrößten Terminbörse Eurex an die Themse wandere. Zudem solle der Kassahandel, also das Aktiengeschäft, künftig von London aus geleitet werden.

Die Deutsche Börse bemüht sich seit der vergangenen Woche um eine Übernahme der LSE. Das erste Barangebot von 5,30 Pfund je Aktie oder insgesamt 1,3 Mrd. Pfund (knapp zwei Mrd. Euro) lehnte die LSE als zu niedrig ab. Sie bot der deutschen Seite aber Gespräche an. Seit gestern mischt auch die in Paris ansässige Vierländerbörse Euronext mit. Sie suchte ebenfalls das Gespräch mit der LSE, um „ein mögliches Angebot“ zu diskutieren. Wie zuvor die Deutsche Börse deutete sie an, dass eine formale Offerte nicht zwangsläufig erfolgen muss.

Der Brokerverband Apcims repräsentiert einen Teil der Kunden der LSE. Der erste Fusionsversuch der Londoner mit der Deutschen Börse im Jahr 2000 war am Widerstand der Apcims gescheitert. Der Verband ist aber lange nicht mehr so machtvoll, da die LSE selbst börsennotiert ist und Banken und Investmentfonds die größten Aktionäre sind. Das Londoner Management bekräftigte jedoch, dass es Kunden wie Aktionäre zufrieden stellen will.

Wie es in Finanzkreisen heißt, treffen heute sowohl Euronext-Chef Jean-Francois Theodore als auch Deutsche-Börse-Vorstand Seifert unabhängig voneinander mit LSE-Chefin Clara Furse in London zusammen. Die Gespräche befänden sich in einem frühen Stadium. Mit einem Angebot für die LSE von der einen oder anderen Seite wird nicht vor Ende des Jahres gerechnet. Die Aktie von Euronext reagierte mit Kursabschlägen von rund drei Prozent auf die Nachricht des Einstiegs in den Bieterwettbewerb. Auch die Aktie der Deutschen Börse gab nach, die LSE-Aktie legte zu.

Analysten in Frankreich fragen nach dem Sinn, die Deutsche Börse zu überbieten. Schon der aus Frankfurt gebotene Preis gilt als hoch. „Wenn Euronext das auch noch überbietet, muss das Unternehmen dem Markt erst einmal zusätzliche Synergien zeigen“, heißt es etwa bei Kepler Equities. Nach Berechnungen von Rabo Securities hat die Deutsche Börse beim Bieterpoker die größte Feuerkraft. Sie könne bis zu 3,4 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Euronext dagegen kann nur rund zwei Milliarden Euro mobilisieren, ohne einen Kredit oder eine Kapitalerhöhung vorzunehmen.

Die Euronext steckt in einem Dilemma: Das Unternehmen muss sich entweder auf einen Bieterwettbewerb mit der finanzstärkeren Deutschen Börse einlassen, der sie finanziell überfordern könnte. Andererseits könnte der Betreiber der Handelsplätze in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon von einer Übernahme der LSE durch die Deutschen an den Rand gedrängt werden. Die Deutsche Börse muss dagegen aufpassen, dass sie nicht von der Euronext dazu verleitet wird, einen zu hohen Preis für London zu zahlen. Auch könnte ihr der Besitz der eigenen Abwicklungs- und Abrechnungsplattform Probleme bereiten. Das Londoner Modell funktioniert unterschiedlich. Die Kunden dort scheinen nicht bereit zu sein, von diesem Modell abzurücken.

Die LSE selbst verhielt sich gestern ebenfalls nicht still. Die Umworbene betrieb Werbung in eigener Sache. Mit 275 Börsengängen im Jahr 2004 habe der Marktplatz vier Fünftel aller Debütanten in Westeuropa nach London geholt, teilte das Institut mit.

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