Briten wollen in Amsterdam Marktanteile gewinnen – Analysten und Investoren sind skeptisch
Londoner Börse greift Euronext an

Erstmals greift der Platzhalter des größten europäischen Aktienmarktes die Konkurrentin Euronext auf einem ihrer Heimatmärkte an.

LONDON. Clara Furse sendet eine klare Botschaft. Dreimal ist die Chefin der Londoner Börse im vergangenen Monat beruflich nach Amsterdam gereist. Auch am kommenden Montag wird sie die niederländische Börse besuchen. Denn an diesem Tag startet die London Stock Exchange (LSE) in Amsterdam ihren Handel in knapp 50 niederländischen Aktien.

Mit ihrer Anwesenheit zeigt die Chefin, wie wichtig sie das gesamte Projekt nimmt. Erstmals greift hier der Platzhalter des größten europäischen Aktienmarktes die Konkurrentin Euronext auf einem ihrer Heimatmärkte an. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Tatsächlich kämpft Furse auch um ihre eigene Zukunft. Scheitert die LSE, könnten die eigenen Investoren bald den Daumen über das Management senken.

Die LSE lässt keinen Zweifel daran, dass sie es ernst meint: „Wir sind langfristig hier“, sagt der für die Initiative zuständige Direktor Martin Graham. Bis zum Ende des Jahres will er mindestens 20 % oder besser noch ein Drittel des Handels abgreifen. Rechnen würden sich bereits zehn Prozent, doch als Angreifer legt man die Messlatte eben etwas höher. Erreicht die LSE tatsächlich 20 %, brächte ihr das nach Schätzungen aus der City rund 2,5 Mill. Pfund an Einnahmen.

Ihren Optimismus gründen die Londoner auf eine Reihe von Faktoren: Das Management hofft, dass Banken und Broker die von ihnen in der Vergangenheit stets vehement geforderte Konkurrenz zwischen den Handelsplätzen unterstützen. Zudem beschweren sich niederländische Kunden seit Jahren über teure Preise und schlechten Service der Euronext. Sie hatten die LSE zum Angriff ermuntert.

Auch verfügt die LSE über eine ähnliche Infrastruktur wie die Euronext. Abwicklung und Abrechnung der Aktien erfolgt über die gleichen Systeme. Wer wechseln will, muss daher keine großen Investitionen tätigen. Wie wichtig dieser Faktor ist, zeigt der Vorstoß der Deutschen Börse. Sie ist ebenfalls seit einigen Monaten mit einem Angebot im niederländischen Kassahandel. Im Februar jedoch erreichte sie nicht einmal einen Marktanteil von 2 % – auch weil die Wechselkosten wegen der verschiedenen Clearing- und Settlement-Systeme für Kunden zu hoch ausfallen. Die Londoner brüsten sich damit, dass „praktisch alle Marktteilnehmer“ das LSE-System installiert haben – auch wenn das freilich nicht bedeutet, dass sie alle gleich darüber ordern.

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