Britische Wettbewerbshüter wollen den Fall selbst untersuchen - Bieterkampf beschleunigt sich
EU bleibt bei Börsenfusion außen vor

Britische Kartellwächter entscheiden über die Vorherrschaft im europäischen Aktienhandel. Die Kartellbehörde Office of Fair Trading (OFT) teilte am Mittwoch mit, sie werde die wettbewerbsrechtliche Prüfung der Übernahme der Londoner Börse nicht an die EU-Kommission abtreten.

fs/pot FRANKFURT/LONDON. Damit entscheidet sich in London, ob und welche Bedingungen die Bewerber Euronext und Deutsche Börse für eine Übernahme erfüllen müssen. Beide Kaufinteressenten versprachen sich Vorteile von dieser Entscheidung.

Beobachter zeigten sich von dieser Entscheidung überrascht. „Ich habe allein wegen der Größe und Komplexität des Deals erwartet, dass Europa eingeschaltet wird“, sagte Justin Bates, Analyst bei Numis Securities. Deutsche Börse und Euronext kämpfen derzeit um den größten Kassamarkt in Europa. Zwar kann die Übernahme der LSE wegen des geringen Marktvolumens auch auf nationaler Ebene entschieden werden. Sie wirft jedoch eine Reihe grundsätzlicher Fragen auf. So könnte der Verlierer des Kampfes langfristig erheblich an Bedeutung verlieren; auch spielen strukturelle Unterschiede der Börsenmodelle eine Rolle. Die EU-Kommission hatte bereits ihre Bereitschaft erklärt, das Verfahren anzunehmen.

Mit einem Satz machte das OFT diese Erwartung zunichte: Es beschloss, „die Untersuchung der Angebote der Deutschen Börse und der Euronext nicht der Europäischen Kommission zu übergeben“. Einig sind sich Beobachter, dass der Bieterkampf ohne Brüsseler Beteiligung schneller über die Bühne gehen kann. Ansonsten sahen sich beide Bewerber gestern als Nutznießer der Entscheidung. Im Umkreis der Euronext hieß es, man habe gute Erfahrungen mit dem OFT gemacht. Das britische Kartellamt habe auch die Übernahme der Terminbörse und heutigen Euronext-Tochter Liffe durchgewinkt und die Fusion der Abrechner LCH und Clearnet begleitet, an dem die Franzosen ebenfalls beteiligt sind.

In Frankfurter Finanzkreisen wurde die Entscheidung der britischen Kartellbehörden als Punktsieg für die Deutsche Börse eingestuft. Das OFT habe deutlich gemacht, dass es sich um eine normale Firmenübernahme handele. Der Versuch britischer Finanzkreise, die Übernahme mit der Frage über die Zukunft der europäischen Börsenabwicklung zu verknüpfen, sei gescheitert. Viele angelsächsische Investmentbanken stören sich am Geschäftsmodell der Frankfurter, das Handel, Abwicklung und Abrechnung vereint. Die Deutsche Börse sagte lediglich, die Börse werde weiterhin mit der OFT und dem Bundeskartellamt zusammenarbeiten.

Auch die Briten verweisen auf die enge Kooperation mit Brüssel und der deutschen Seite. Die Kartellbehörde in Bonn hat angekündigt, die Übernahme im Zuge der so genannten zweiten Phase intensiver zu untersuchen. Dies kann sich bis Mitte Mai hinziehen. Eine Weitergabe des Verfahrens an Brüssel durch das deutsche Kartellamt ist nicht mehr möglich. Die Frist ist verstrichen. Die Entscheidung, den Fall nicht nach Brüssel zu verweisen, begründete ein Sprecher damit, dass zwei nationale Märkte betroffen seien.

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller warnte die Deutsche Börse gestern vor einer zu kostspieligen Übernahme der London Stock Exchange. Diese sollte nicht um jeden Preis betrieben werden. Zugleich wird in Frankfurt darauf verwiesen, dass Euronext in der Übernahmeschlacht unter Druck gerate, einen Kaufpreis für die LSE zu nennen. Dies hatte Euronext bisher mit Verweis auf die Entscheidung der Wettbewerbsbehörden verweigert.

Quelle: Handelsblatt

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