Britischer Leitindex
Fusionsfieber treibt Kurse in London

Vergleiche mit dem Jahr 2001 lassen Anleger wenig Gutes erahnen. Zu präsent sind die Erfahrungen des damaligen Kurssturzes auch heute noch. Am britischen Markt drängen sich zurzeit allerdings einige Parallelen zu damals auf.

LONDON. Der britische FTSE-100-Index kämpft aktuell mit der Marke von 6 000 Punkten. Zwar schloss er gestern noch einmal leicht darunter. Doch selbst bei den 599x Punkten, die er zum Handelsende erreichte, liegt er auf dem höchsten Stand seit – genau: seit 2001.

Damals hatte die Internet-Blase den „Footsie“ auf diesen Wert gehoben – so wie die meisten anderen Aktienbörsen in Europa und der Welt auch. Und vor fünf Jahren führte der Weg langsam, aber stetig nach unten. Diesmal heizt eine beispiellose Anzahl von Fusionen und Spekulationen die Kurse an und versetzt die Märkte weltweit erneut in Euphorie. Der Deutsche Aktienindex liegt knapp unter 6 000 Punkten auf dem höchsten Stand seit mehr als vier Jahren, in den USA knackte der S&P-500-Index soeben die Fünfjahres-Bestmarke. Für Besorgnis sieht Charles de Boissezon, Stratege der Deutschen Bank, diesmal aber keinen Grund: „Die Firmen haben gute Ergebnisse vorgelegt, und sie können billig Schulden aufnehmen.“

In Großbritannien zieht sich das Fusionsfieber durch alle Branchen: Es reicht vom Flughafenbetreiber BAA zum Stahlkonzern Corus, von der Bank Lloyds TSB zum Gasanbieter Centrica. Auch Schwergewichte geraten in die Gerüchteküche. Der Festnetzanbieter BT, mit einem Anteil von 1,45 Prozent am Footsie immerhin einer der 20 größten Werte, soll ins Visier eines Private Equity-Konsortiums geraten sein. Sogar tendenziell langweilige Aktien jahrhundertelang etablierter Firmen steigen über Nacht zweistellig. Als bekannt wurde, dass der Versicherer Aviva seinen Konkurrenten Prudential umwirbt, legten die Aktien der „Pru“ um fast 13 Prozent zu.

So viel Aktivität lockt die Privatanleger an die Börse – genau jene, die sich seit dem Platzen der Internet-Blase zurückgehalten haben. Die Banken tun das Nötige, um die Euphorie zu schüren. Die US-Bank Goldman Sachs spricht davon, dass europäische Firmen noch mehr als 630 Mrd. Euro in ihren Übernahmekassen haben. Für Darren Winder von der UBS sehen die Bewertungen für britische Unternehmen, die beim 13fachen der erwarteten Einnahmen des kommen Jahres liegen, „nach wie vor günstig aus“. Er erwartet, dass der FTSE-100 demnächst komfortabel über 6 000 Punkte steigt. „Kurzfristig sehen wir Überraschungen nach oben“, sagt Winder. In zwölf Monaten sieht er den Index bei 6 300 Punkten.

So viel Optimismus war zuletzt selten. Genau genommen muss man in das Jahr 2001 zurückgehen, als Analysten davon ausgingen, dass sich der Rückgang von damals – allerdings auf noch höherem Niveau – schon bald umkehren werde.

So kopflos wie damals scheint im Jahr 2006 allerdings niemand mehr vorzugehen. Zumindest schlagen sogar die Optimisten vorsichtige Töne an. Das größte Risiko liege in den USA, sagt de Boissezon. „Steigende Zinsen und eine harte Landung“ seien Faktoren, die dem Markt die Lust am Aktienkauf verhageln können. Die US-Bank Morgan Stanley warnt sogar, eine Korrektur sei mittlerweile nötig, ohne dass sie große Risikofaktoren ausgemacht hätte. Analyst Graham Secker sieht ein Warnsignal darin, dass der FTSE schon über drei Jahre ohne Korrektur steigt. Auch seien die Bewertungen bis auf die Bereiche Banken und Öl nicht mehr billig. Secker geht davon aus, dass der Footsie bald um bis zu zehn Prozent fällt. Im Vergleich zu fünf Jahren wäre das aber ein sehr moderates Minus.

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