Buch-Kritik
Soros: Meisterspekulant auf großer Mission

Ratschläge vom Investment-Guru: George Soros hat seinem 2008 erschienen Buch „The New Paradigm for Financial Markets“ vier neue Kapitel hinzugefügt. Darin wirft der Großinvestor einen detaillierten Blick auf China, Indien sowie Russland und rät den Mächtigen der Welt zu koordinierter Zusammenarbeit, wenn die Krise noch dieses Jahr beendet werden soll.

DÜSSELDORF. 6,1 Prozent im ersten Quartal und 7,9 Prozent im zweiten – die neuen Wachstumsraten aus China bleiben zwar unter der magischen Zahl acht, sie geben Ökonomen, Politikern und Bankern aber weltweit Hoffnung, dass ein Ende der Finanzkrise abzusehen ist. China ist wichtig, ebenso wichtig wie die USA, meint auch George Soros. In seinem neuen Buch schreibt der Investment-Guru, das Riesenreich habe zu früh zu große Macht erlangt, jetzt aber komme es bei der Überwindung der Krise auf eine „konstruktive Partnerschaft“ an, für die beide Seiten Zugeständnisse machen müssten – und das sei für keine Seite einfach.

Die ebenso kurzen wie prägnanten Überlegungen zu China und dessen Verhältnis zu den USA gehören zu den vier neuen Kapiteln, mit denen Soros sein Buch „The New Paradigm for Financial Markets“ (Das Ende der Finanzmärkte – und deren Zukunft) vom Mai 2008 ergänzt hat. Er musste es tun, schließlich lag der Mai vier Monate vor dem schwarzen Septembertag, als Lehman Brothers in New York pleiteging. „Ich habe das Ausmaß der Finanzkrise gewaltig unterschätzt“, schreibt der 78-Jährige selbstkritisch. Darunter hätten auch seine eigenen Investitionen gelitten, denn es sei ihn teuer zu stehen gekommen, nicht gesehen zu haben, dass es in der Krise keine Entkopplung zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern gab. Anfang April dieses Jahres erschien das neue Buch bei Public Affairs in New York und jetzt im Juli in der deutschen Übersetzung.

Soros, reich geworden durch seinen Quantum Fund und berühmt durch zahlreiche philanthropische Stiftungen, heute Vorsitzender von Soros Fund Management, kann es sich erlauben, in der Ich-Form über Geschäfte und Krisenbewältigung zu schreiben. Interessant und eigenwillig sind seine Betrachtungen immer – und in diesem Fall deutlich kürzer und besser lesbar als seine theoretischen Abhandlungen über die von ihm so definierte „Reflexivität der Märkte“.

Detailliert schaut er nicht nur auf China, sondern auch auf Indien und Russland, denn auch deren Entwicklung werde über Armut und Wohlstand auf der Welt entscheiden. Für Indien sieht er günstige makroökonomische Aussichten, aber politische Probleme, Stichwort Pakistan. Russlands geopolitisches Machtstreben müsse besonders die Sorge der Europäer sein, meint Soros. Er schlägt eine einheitliche Energiepolitik mit einer europaweiten Regulierungsbehörde vor und eine europaweite Netzinfrastruktur, denn dann könne Russland nicht mehr ein Land gegen das andere ausspielen.

Das Platzen der Spekulationsblase am Ölmarkt sagte Soros im vergangenen Sommer vor dem Handelsausschuss des US-Senats richtig voraus. Warum sollte seine Vorhersage für 2009 nicht eintreffen? Soros plädiert für eine Reform des internationalen Finanzsystems, denn „es ist ungerecht“ und zum Schaden der Länder an der Peripherie. Die Krise könne schon in diesem Jahr enden, dafür müsse aber die Zusammenarbeit der Staaten verbessert werden: „Ohne einen koordinierten Ansatz wird der Niedergang noch wesentlich länger anhalten und in ein wirtschaftliches und politisches Chaos münden.“

US-Präsident Barack Obama und Fed-Chef Ben Bernanke schreibt er ins Stammbuch, dass er glaubt, dass eine Inflation unausweichlich ist: „Man entgeht einer völlig aus dem Gleichgewicht geratenen Situation mit Deflation und Depression nur, indem man zunächst Inflation auslöst und dann wieder gegensteuert.“

GEORGE SOROS: Die Analyse der Finanzkrise ... und was sie bedeutet – weltweit
Finanzbuch, München 2009, 144 Seiten, 14,90 Euro

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