Buchrezension Der Crashkurs des „Mister Dax“

Dirk Müller ist "Mister Dax". Der Händler auf dem Parkett der Frankfurter Börse gibt Deutschlands Aktienwesen ein Gesicht. Nun hat Dirk Müller ein Buch geschrieben. Der Titel "Crashkurs" verrät, dass hier kein Optimismus gepredigt wird.
Dirk Müller gibt der Dax-Kurve ein Gesicht: Foto: dpa Quelle: dpa

Dirk Müller gibt der Dax-Kurve ein Gesicht: Foto: dpa

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. An Dirk Müllers Gesichtszügen spiegelt sich seit vielen Jahren die Gefühlslage der Börse. Mal gibt er sich nachdenklich, mal nervös, mal jubelt er, mal schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen. Die Dax-Tafel im Frankfurter Handelssaal ist Kult - keine andere Börse weltweit kann den Stand seines wichtigsten Index so deutlich machen. Aber ohne ein menschliches Gesicht davor wäre sie nur die Hälfte wert.

Dirk Müller ist dieses Gesicht. Eine kanadische Zeitung nannte ihn "Mister Dax". Der Skontro-Führer gibt gern Interviews, meistens mit dem Nachrichtensender n-tv, inzwischen aber auch vor dem Massenpublikum bei den Öffentlich-Rechtlichen. Seine Aussagen sind deutlich, gehen allerdings nicht allzu weit ins Detail.

Aber Müller hat einen großen Vorteil: Auch Börsenlaien verstehen, was er sagen will. Und das ist auch der große Vorteil seines ersten Buches "Crashkurs". Die Sprache ist verständlich und doch präzise. Der Leser kann auch die manchmal komplizierten Hintergründe des Börsengeschehens nachvollziehen. Es gelingt Müller anschaulich zu erklären, wie es zu dieser Krise gekommen ist. Das gilt besonders für die Darstellung der Geschehnisse in den USA. An den Institutionen in Übersee lässt er ohnehin kein gutes Haar.

Müller warnt den Leser vor "Nebelkerzen". Das bedeutet: Die Menschen werden von all den Institutionen, die etwas mit dem Kapitalmarkt zu tun haben, hinters Licht geführt. Die Inflationsrate sei nicht real, Indikatoren wir der Ifo-Index würden in die Irre führen, Analysteneinschätzungen dürfe man nicht trauen, die Arbeitsmarktstatistik sei geschönt und die Finanzwelt erzeuge eine überflüssige Zahlenflut. Einiges davon ist zweifellos wahr, anderes übertrieben oder einseitig dargestellt.

Streitbar sind auch so manche Verschwörungstheorien. Die Rolle der US-Börsenaufsicht SEC, die Abhängigkeiten der Ratingagenturen und eine "Machthydra". Manches davon scheint nachvollziehbar, anderes weit hergeholt und vieles wird nur gestreift anstatt näher belegt.

Vielleicht wäre "Crashkurs" ohne das letzte Kapitel, den Ausblick, noch runder gewesen. Hier wagt Müller einen diskutablen, aber interessanten Blick in die Zukunft, die seiner Ansicht nach von China dominiert wird. Er lobt das "geniale" Volk mit seinen Vorzügen und stellt die "satte" westliche Gesellschaft dagegen. Dem Leser wird nicht so recht klar, was Teile des Kapitels mit dem Rest des Buches zu tun haben. Einige Ideen kommen eher aus der Kategorie "Was ich schon immer mal sagen wollte".

Wie es Untertitel des Buches, "Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen", verspricht, gibt Müller auch konkrete Handlungsanweisungen für Privatanleger. Der große Vorteil: Er gibt nicht vor zu wissen, wohin sich die Zukunft entwickelt. Es gäbe zwei Szenarien, eine positive und eine negative Variante. Beide führt er eingehend aus und zeichnet vorsichtig Wahrscheinlichkeiten. Grundsätzlich rät Müller dem Privatanleger derzeit vom Aktienkauf ab, obwohl er dadurch durchaus sein eigenes Geschäft ein wenig schädigen könnte.

Das Buch profitiert von Müllers Unabhängigkeit. Er hat als langjähriger Skontro-Führer reichlich Erfahrung über die Finanzwelt. Allerdings ist er weder ein Volkswirt noch großer Kenner der Bankeninterna. Dafür kann Müller sagen, was er denkt, was in der Branche nicht immer der Fall ist. Nicht zuletzt kann man auf seine zahlreichen TV-Interviews verweisen. Zu Hochzeiten der Krise stellte sich Müller vor die Mikrofone und sagte jedem, der es hören wollte: "Ich weiß nicht, was passieren wird." So ehrlich waren in dieser Phase nur sehr Wenige.

"Crashkurs" ist lehrreich für Börsenneulinge und interessant für Börsenexperten. Aber an manchen Stellen sollte man auf den Rat des Autos hören und ihn nicht zu ernst nehmen.

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