Bundesbank-Bericht
Dax großteils in ausländischer Hand

Knapp 64 Prozent der Dax-Aktien sind in ausländischer Hand. Deutsche Privatanleger machen tendenziell einen Bogen um die Beteiligung an ihrer Wirtschaft und setzen lieber auf renditeschwache Anlagen – ein Fehler.
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Frankfurt/MainDie 30 wichtigsten deutschen Aktien im Leitindex Dax sind mehrheitlich in den Händen ausländischer Investoren. Wie die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht für September mitteilte, entfallen fast zwei Drittel – 63,7 Prozent – der Marktkapitalisierung des Dax auf Halter aus dem Ausland. Deren Anteil stieg im zurückliegenden Jahrzehnt um fast acht Prozentpunkte, nur kurz unterbrochen durch die Finanzkrise. Damals engagierten sich weltweit Anleger kurzzeitig stärker in Aktien aus ihren Heimatländern.

Beim Dax lag der Anteil deutscher Investoren 2008 – auf dem Höhepunkt der Krise – bei fast 44 Prozent, während sie im Frühjahr 2014 nur 36,3 Prozent der Marktkapitalisierung des Leitindizes der Frankfurter Börse hielten.

Betrachtet man alle deutschen Aktiengesellschaften ergibt sich ein ähnliches Bild wie beim Dax. Laut Bundesbank befanden sich zuletzt 57 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung in den Händen ausländischer Investoren. Inländische Anleger hielten knapp 43 Prozent. Der Löwenanteil davon entfiel wie beim Dax auf institutionelle Investoren, also vor allem Investmentfonds, Banken, Versicherungen und Pensionskassen. Banken reduzierten seit Ausbruch der Krise ihre Aktivität am Kapitalmarkt in der Tendenz allerdings. In die Lücke stießen jedoch andere Profi-Anleger wie etwa Beteiligungsgesellschaften.

Der Anteil privater Aktionäre lag bei fast zwölf Prozent und damit – für Deutschland typisch – im internationalen Vergleich recht niedrig. Unter den ausländischen Investoren kam der weitaus größte Teil aus anderen EU-Ländern, gefolgt von den USA und der Schweiz. Während ausländische Investoren sich vor allem an großen Unternehmen über Aktien beteiligten, bevorzugten viele Privatanleger eher kleinere, regionale Aktiengesellschaften.

Damit entgehen den deutschen Sparern satte Gewinne. Gemessen am Leitindex Dax habe sich der Wert deutscher Aktien seit 1988 bis Ende August 2014 insgesamt knapp verzehnfacht, betonte die Bundesbank. Allein 2013 legte der Dax um gut 25 Prozent zu.

Hinter dem starken Engagement ausländischer Anleger am deutschen Aktienmarkt und im Dax vermutet die Bundesbank unter anderem den hohen, teils weltweiten Bekanntheitsgrad vieler in dem Index gelisteter deutscher Traditionsfirmen. Zum anderen ist es für Ausländer wegen der engmaschigen Beobachtung der Firmen durch Analysten und Medien hierzulande vergleichsweise einfach, Informationen über die Firmen zu bekommen. Zudem weisen die Papiere vor allem im Dax eine hohe Liquidität auf, sie können also einfach und schnell gekauft, aber auch wieder verkauft werden.

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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • In vielen Ländern sind Kursgewinne generell steuerfrei(z.B in der Schweiz-siehe Fall Hoeneß).Im "sauberen" Griechenland fallen sogar nur pauschal 10% für Zinsen aus Kapitalerträgen an Steuern an.Kursgewinne und Dividenden werden dort niemals besteuert.Vielleicht liegt´s ja daran?
    Übrigens,nur ein kleines Beispiel :Vor 21 Jahren waren Kursgewinne, nach einem halbem Jahr Haltedauer,in Deutschland immer steuerfrei und der Sparerfreibetrag,wichtig für Dividenden ,lag bei 6000/bzw 12000 DM.Inflationsbereinigt also 5000 bzw.10000 Euro.Ich bin sicher,hätten wir wieder diese Bedingungen,wäre das Engagement der deutschen Anleger, in deutsche Aktien auch wieder höher.Das andere Punkt, der hier angeführt wurde,der zur Rendite,hängt doch sehr vom Geschick des Anlegers ab oder wenn er in klassiche Fonds geht,vom wann,also vom Zeitpunkt des Einstiegs.Denn,die Anleger,die zu den Hochs der Blase, im März 2000 in solche Fonds investierten,warten heute noch auf ihren Einstand.Nach 14,5 Jahren,nun ja,also eine saubere Rendite sieht anders aus.Zumal damals der Leitzins bei über 4% lag.Für langlaufende,risikolose Anleihen gab es also zwischen 4-6% pro Jahr.Das alles gehört zusammen.Und ob ein Fondsanleger,wenn er zu 10050 rein ging,wie im Januar 2014,so bald seinen Einstand wiedersieht,das möchte ich doch stark bezweifeln.Schließlich kommen Ausgabeaufschlag(5-7%),Management- und Depotgebühren(1,5%-2,5%) noch dazu.Also muss der DAX bis Jahresende mindestens 10700 Punkte machen,nun dann viel Glück,die können es gebrauchen.

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