Bundesbank: Hochfrequenzhandel mit „Augenmaß“ regulieren

Bundesbank
Hochfrequenzhandel mit „Augenmaß“ regulieren

Die Experten der Bundesbank stimmen dem Gesetzesentwurf zur Regulierung von Hochfrequenzhandels zu - mahnt aber einzelne Änderungen an. Gebühren für die übermäßige Nutzung von Börsensystemen seien allzu weitreichend.
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BerlinDie Bundesbank hat bei der geplanten Eindämmung des umstrittenen Hochfrequenzhandels an den Börsen vor einer Überregulierung gewarnt. In einer Reuters am Freitag vorliegenden Stellungnahme für den Bundestags-Finanzausschuss stellt sich die Zentralbank zwar grundsätzlich hinter einen Gesetzentwurf der Koalition. Zugleich mahnen die Bundesbank-Experten aber bei einzelnen Regelungen Änderungen an. So sei es zu weitreichend, den Betreibern für die übermäßige Nutzung der Börsensysteme separate Gebühren aufzuerlegen. An dieser Stelle reichten die bestehenden Vorschriften aus. Eine auch in Teilen der Koalition diskutierte Mindesthaltedauer für Orders lehnt die Bundesbank strikt ab.

Das Gesetz zur Eindämmung des Hochfrequenzhandels (HFT) ist Teil einer Regulierungswelle, mit der die Bundesregierung die Börsen sicherer machen will. Mit superschnellen IT-Systemen schlagen die Betreiber aus minimalen Kursdifferenzen Profit, indem sie binnen Millisekunden zahllose Handelsaufträge an die Börse abfeuern. Experten zufolge macht der HFT in Deutschland 40 Prozent, in den USA 70 Prozent der Umsätze aus. Als Beispiel für seine Risiken gilt der "Flash-Crash" im Mai 2010: Damals hatte der Dow Jones-Index binnen Minuten 1000 Punkte verloren.

Um solche Probleme hierzulande auszuschließen, setzt die Koalition an drei Hebeln an: Die Betreiber und Dritte, die sich ihrer bedienen, müssen sich registrieren lassen und der Aufsicht die Algorithmen offenlegen. HFT-Orders werden außerdem markiert. Zudem muss zwischen bloßen Orderanfragen und ausgeführten Orders ein angemessenes Verhältnis bestehen (order-to-trade-ratio). Außerdem wird die Zahl der Nachkommastellen bei den Kursen von Finanzprodukten beschränkt. Andere Praktiken wie "Scalping" werden als Missbrauch eingestuft. Dabei wird versucht, durch irreführende Marktsignale die Kurse zu beeinflussen. Auf eine Mindesthaltedauer wird bisher in dem Gesetzentwurf verzichtet.

Die Bundesbank schreibt in ihrer Stellungnahme für eine Anhörung im Finanzausschuss am kommenden Mittwoch, generell sollten Marktmacher (Skontroführer) von bestimmten Regelungen ausgenommen werden, um ihre Tätigkeit als Liquiditätssteller nicht zu beeinträchtigen. Zudem empfiehlt die Bundesbank die Einführung eines "Not-Aus-Schalters", mit dem fehlerhafte oder marktschädigende Algorithmen ausgeschaltet werden könnten. Handelsunterbrechungen dürften aber nur das letzte Mittel sein, weil sie das Risiko enthielten, dass Händler offene Position nicht schließen könnten. Eine Mindesthaltedauer für Handelsaufträge lehnen die Bundesbank-Experten ab, weil sie zu einem substantiellen Liquiditätsrückgang führen könnte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundesbank: Hochfrequenzhandel mit „Augenmaß“ regulieren"

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  • Der Hochfrequenzhandel widerspricht den Prinzipien des fairen Handels. Die Profite, die diese Systeme ergaunern, werden von den ehrlichen Aktienhändlern bezahlt, denn diese haben keine Chance gegen die extrem schnellen Kaufs-/Verkaufsorder anzukommen. Letztendlich bekommen sie schlechtere Kauf- bzw. Verkaufskurse, ohne dass sie es merken.

    Wenn der Hochfrequenzhandel dieselben Ordergebühren bezahlen müsste wie der normale Händler, würde er sich nicht mehr lohnen. Mindesthaltezeiten wären dann gar nicht mehr nötig.

    Aber die Politik kuscht wie immer vor der Finanzbranche. Eine Mini-Regulierung wird den Bürgern dann als der große Wurf verkauft.

    Folgender Artikel ist sehr empfehlenswert:

    http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boersen_und_maerkte/hochfrequenzhaendler-sorgen-fuer-albtraeume-1.17541592

  • @ min_halte_dauer: sollte variable im gesetz stehen. so lässt sich zügiger reagieren.

    @ not_aus: super!!! wird nich nur an der klassischen manuellen drehmaschin "gliedmassen" schützen. DENNE de itterativen rechenvorschriften - algo...- und deren komplexes zusammenspiel könne ja per definition zu "deterministischen chaotischen systemantworten" führen. mehr wird die erfahrung in der zukunft zeigen.

    gut das es beim HTF Gesetz vorwärts geht!

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