Bundesrat-Abstimmung
Turbo-Börsenhandel wird gebremst

Das Gesetz zu schärferen Regeln für den schnellen Computerhandel an den Börsen wird am Freitag voraussichtlich den Bundesrat passieren. Die rot-grüne Mehrheit wird sich wohl nicht dagegen sperren.
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BerlinDie vom Bundestag beschlossenen schärferen Regeln für den Turbo-Computerhandel an den Börsen nehmen am Freitag voraussichtlich im Bundesrat die letzte Hürde. Die rot-grüne Mehrheit werde das Gesetz nicht aufhalten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus Kreisen SPD-regierter Länder.

Die von SPD und Grünen gemeinsam regierten Länder mit Börsenstandorten wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hätten sich durchgesetzt. Die SPD werde daher im Bundesrat ihre Forderung, in das Gesetz eine Mindesthaltedauer von einer halben Sekunde einzufügen, vorerst nicht weiterverfolgen.

Der Bundestag hatte die Regulierung des Hochfrequenzhandels Ende Februar mit der Mehrheit von Union und FDP verabschiedet. Betreiber der IT-Systeme werden demnach künftig von der Börsenaufsichtsbehörde BaFin überwacht.

In Deutschland gehen rund 40 Prozent der Börsenumsätze auf die Turbo-Händler zurück, in den USA etwa 70 Prozent. Die neue Form des Handels war nach spektakulären Pannen in den USA ins Visier des Gesetzgebers gekommen. So hatte der Dow-Jones-Index beim sogenannten „Flash Crash“ im Mai 2010 binnen Minuten 1000 Punkte verloren. Die Ursache war ein fehlerhafter Handels-Auftrag, dessen Effekte die Computer verstärkten.

Mit dem deutschen Regulierungsgesetz werden vor allem die Auskunfts- und Eingriffsrechte der BaFin erweitert. Bestimmte Handelspraktiken werden verboten. Beispielsweise wird dabei versucht, durch irreführende Marktsignale Kurse zu beeinflussen. Außerdem werden die Computer-Orders markiert, um den Verursacher einer Panne zügig finden zu können. Bei hohen Preisschwankungen soll der Handel ferner unterbrochen werden können. Zudem muss zwischen Anfragen und ausgeführten Aufträgen ein angemessenes Verhältnis bestehen (order-to-trade-ratio). Vorgesehen ist auch, die Nachkommastellen der Börsenkurse zu reduzieren.

Finanz-Staatssekretär Hartmut Koschyk hatte in der Debatte gesagt, das Gesetz sei ein weitere Baustein in der Brandmauer gegen Gefahren aus dem Finanzsektor, die die Bundesregierung errichtet habe. SPD und Grüne warfen der Koalition dagegen vor, eine effektive Kontrolle zu verhindern. Der SPD-Finanzexperte Carsten Sieling sagte, ein wirkungsvolles Instrument wäre eine Mindesthaltedauer von 500 Millisekunden gewesen, wie sie auch das Europäische Parlament gefordert hatte. Der Grünen-Abgeordnete Gerhard Schick kritisierte zudem, dass die Händler selbst ihre Computermodelle testen sollten und nicht die BaFin.

Mit dem Gesetz prescht die Bundesregierung in der EU voran, wo mit Überarbeitung der Finanzmarktrichtlinie MiFID ebenfalls an einer Kontrolle des Turbo-Handels gearbeitet wird. Allerdings dürfte es mindestens noch zwei Jahre dauern, bis die EU-Gesetzgebung abgeschlossen ist. Der Bundesrat, wo Union und FDP keine Mehrheit haben, muss dem deutschen Gesetz nicht zustimmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist gut, dass Kursmanipulationen verboten sind, doch was ist eine Kursmanipulation nach den Richtlinien der Börsen??

  • Dazu kommt noch das "Front Running" das sind die Geschäfte, die man als normaler Händler gar nicht handeln kann. Heute sind die Maschinen in 50 Millisekunden gehandelt, die offizielle XETRA Kiste 250 Millisekunden, was ist denn damit meine lieben Politiker und Bafin, Börsenaufsicht..denke keiner soll einen Vorteil haben an der Börse? Einige sind eben gleicher wie andere.

  • Bin selber in dem Bereich tätig und muß sagen, das dies ein Gesetz ist um den kleinen HFT Händlern das Leben schwer zu machen. Bei den großen mit schon vorhandener BaFin Zulassung geht es weiter wie bisher, nur daß die kleinen nicht mehr so sehr das Geschäft stören.

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