Chef der New York Stock Exchange hat weit reichende Pläne, um Anlegern den Handel zu erleichtern
US-Börse schaltet auf Computer um

Geht es nach John Thain, dann wird sich für Anleger und Händler an der New Yorker Börse bald so einiges ändern. Der Chef der New York Stock Exchange (Nyse) hat, wie das Wall Street Journal aus Unternehmenskreisen erfuhr, seine Pläne für den elektronischen Handel mit Wertpapieren weit vorangetrieben.

NEW YORK. Bei seinem Versuch, den ältesten Aktienmarkt der Welt zu modernisieren, will der ehemalige Präsident von Goldman Sachs nicht nur den elektronischen Handel einführen, sondern diesen auch für komplizierte Orders zulassen.

Sein ursprünglicher Vorschlag für die Einführung des elektronischen Handels sieht vor, dass computergestützte Aktienkäufe und -verkäufe „bestens und billigst“ („best price“) abgewickelt werden. Das bedeutet, Kauforders werden automatisch zum billigsten Kurs und Verkaufsorders beim höchsten Nachfragekurs ausgeführt. Damit nimmt Thain den Kursmaklern, die an der Nyse praktisch alle Orders abwickeln, bereits einen Großteil ihres Geschäfts.

Nun aber will er außerdem das so genannte „Sweeping“ für den elektronischen Handel zulassen. Dies sind Kauf- und Verkaufsaufträge, mit denen Investoren große Aktienpakete mit einer einzigen Order kaufen oder verkaufen wollen. Hierbei nehmen sie in Kauf, dass die Order wegen ihrer Größe aufgeteilt wird und bei einigen Teilen der Kaufkurs oder Verkaufserlös leicht vom best price abweicht.

Ein Beispiel: Ein Anleger will ein Paket von 1 000 Aktien verkaufen. 250 der Papiere können zum aktuell besten Verkaufspreis verkauft werden. 500 Papiere können nur zu einem Kurs verkauft werden, der um einen Cent niedriger liegt, und die restlichen 250 sogar nur mit 1,5 Cent Preisnachlass. Diese Abweichungen vom „Best Price“ nimmt der Auftraggeber in Kauf, um das gesamte Aktienpaket in einer einzigen Order zu verkaufen. Das Orderbuch auskehren („sweeping the order book“), sagen die Profis. Erlaubt werden sollen Abweichungen von bis zu fünf Cent vom Kauf oder Verkaufskurs.

An elektronischen Börsen wie der ArcaEx in Chicago nehmen bereits Computer solche Orders für Aktienpakete entgegen. Sie machen sich dann auf eine ausgedehnte Suche, wie die Order in mehreren Teilen zu verschiedenen Kursen ausgeführt werden kann. Dazu durchkämmen sie die Orderbücher anderer Börsen nach den besten verfügbaren Notierungen. Nyse-Chef Thain will mit der Einführung des „sweepings“ verhindern, dass die Börse weitere Anteile an andere elektronischen Börsen verliert. Vor allem institutionelle Anleger fordern die Einführung des „Kehraus“-Systems an der Nyse. Doch die Nyse-Parketthändler und Kursmakler fürchten um ihr Geschäft, wenn nach dem Routinehandel auch das „Sweeping“ vom Computer erledigt wird.

Zwischen beiden Lagern steht Thain. Er ist im Januar angetreten, um der Traditionsbörse ein völlig neues Gesicht zu geben. In unzähligen Gesprächen hörte er die Klagen der Institutionellen, der Handel sei zu langsam und die Spezialisten auf dem Parkett nicht vertrauenswürdig. Von den Parketthändlern und Spezialisten ließ er sich die Bedeutung der „menschlichen Komponente“ für das Zustandekommen fairer Kurse und funktionierende Märkte erklären. Das Ergebnis: Thain will die menschliche Erfahrung der Broker nutzen, „um die Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage auszutarieren“. Routinetransaktionen aber sollen elektronisch abgewickelt werden.

Der erste Vorstoß zur Einführung des elektronischen Handels für „best price“ Orders wird zurzeit von der US-Börsenaufsicht geprüft, und die Nyse-Management ist zuversichtlich, dass er durchkommt. Danach soll im zweiten Schritt das elektronische „Sweeping“ kommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%