Chicago Climate Exchange
In Kanada entsteht neue Klimabörse

In Montreal haben die Chicago Climate Exchange (CCX) und die Montreal Exchange (MX) eine Vereinbarung zur Gründung der Montreal Climate Exchange unterzeichnet.

HB FRANKFURT. Der Standort, den die Beteiligten für die in dieser Woche beschlossene grenzüberschreitende Kooperation gewählt haben, hätte nicht besser sein können. In Montreal – dem Tagungsort des jüngsten Weltklimagipfels – haben die Chicago Climate Exchange (CCX) und die Montreal Exchange (MX) eine Vereinbarung zur Gründung der Montreal Climate Exchange unterzeichnet. Richard Sandor, Gründer der CCX und einer der geistigen Väter des Handels von Emissionszertifikaten, hatte die Zusammenarbeit mit der MX vorangetrieben, nachdem er bereits in den vergangenen Monaten zahlreiche Kooperationen mit anderen internationalen Börsen abgeschlossen hatte.

Damit erhält der globale Klimaschutz einen weiteren Eckpfeiler in Nordamerika. Kritiker hatten zuletzt die zögernde Haltung der USA in der Frage des globalen Klimaschutzes angeprangert. Dieser brauche weltweites Engagement, hieß es zum Beispiel aus der deutschen Energiewirtschaft. Auf politischer Ebene müsse dafür Sorge getragen werden, dass sich mehr Länder an dem bisher nur europaweit eingeführten Handel mit Emissionszertifikaten beteiligen.

Wichtige Länder wie die USA, China und Indien, die rund die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen verursachen, haben sich dem Abkommen von Kyoto zur Reduzierung von Treibhausgasen nicht angeschlossen. Andere Länder wie Japan werden ihre zugesagten Minderungsziele voraussichtlich verfehlen. Dagegen hat Deutschland sein selbst gestecktes Minderungsziel von 21 Prozent bis zum Jahr 2012 schon jetzt fast erreicht. Die Kohlendioxid-Emissionen liegen bereits um 19 Prozent niedriger als im Jahr 1990. „Solange aber nur Europa die Kyoto-Instrumente umsetzt, ist keine weltweite Klimawende zu erzielen“, kritisiert Eberhard Meller vom Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) in Berlin.

Der Emissionshandel geht auf eine alte Idee im Umweltschutz zurück: Die Nutzung natürlicher Ressourcen – sowohl für die Versorgung mit Gütern als auch für die Aufnahme der nicht benötigten Abfallprodukte – soll über den Handel von Emissionsrechten in Form von Zertifikaten einen Preis erhalten. Der Ausstoß von Treibhausgasen, die für den Treibhauseffekt ursächlich sind, stellt aus der Sicht der Verfechter des Klimaschutzes einen solchen Verbrauch natürlicher Ressourcen dar. Wer z.B. klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausstößt, muss nach diesem Konzept über entsprechende Berechtigungen verfügen. Stehen ihm nicht ausreichend Emissionsrechte zur Verfügung, kann er seinen Ausstoß durch den Einbau klimafreundlicher Technologien verringern oder am Markt (Börse oder Freiverkehr) zusätzliche Berechtigungen kaufen.

Durch internationale und völkerrechtlich bindende Vereinbarungen wird die Gesamtmenge der Berechtigungen begrenzt. Beim Rechte-Zukauf wird an anderer Stelle der Ausstoß von CO2 vermindert. Für den globalen Klimaschutz ist es also unerheblich, wo Treibhausgase abgebaut werden – entscheidend ist, dass ihr Ausstoß überhaupt reduziert wird.

Unter den Börsen, die sich mit dem Handel von Emissionsrechten beschäftigen, nimmt bislang die European Climate Exchange (ECX) in Amsterdam – eine Tochter der CCX – eindeutig die führende Rolle ein. Die ECX kooperiert unter anderem mit der Energiebörse International Petroleum Exchange (IPE) in London und der Klimabörse in Paris, einer Tochtergesellschaft der Mehrländerbörse Euronext. Neben der ECX hat sich die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig einen größeren Marktanteil gesichert.

In der neuen Klimabörse in Montreal sehen sowohl Richard Sandor als auch MX-Präsident Luc Bertrand einen weiteren Meilenstein in Richtung einer internationalen Expansion und Integration der Emissionsmärkte. Welchen Marktanteil die beiden mit der neuen Börse anstreben, ist nicht bekannt. Und auch über die Produkte, die in Montreal gehandelt werden sollen, wird derzeit noch diskutiert.

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