China im Abschwung: Kapitalabflüsse im Billionen-Takt

China im Abschwung
Kapitalabflüsse im Billionen-Takt

China verliert für ausländisches Kapital an Attraktivität. Als ein Grund für die Entwicklung gelten Kommunikationspannen der chinesischen Notenbank. Die Abflüsse haben ein atemberaubendes Tempo.

Peking/DüsseldorfAusländer ziehen in rasantem Tempo Kapital aus China ab. Im Jahr 2015 dürften Schätzungen zufolge mehr als eine Billion Dollar an Mitteln (925 Milliarden Euro) abgeflossen sein. Im Dezember hatte sich die Entwicklung sprunghaft verschärft. Das zeigt die Ausmaße der Herausforderung für das Land, den Wechselkurs des Yuans zu stützen in einer Phase schrumpfenden Wirtschaftswachstums und tendenziell fallender Aktienmärkte.

„Kapitalabflüsse bereiten China derzeit am meisten Kopfzerbrechen“, sagte Frédéric Leroux, renommierter Fondsmanager beim französischen Vermögensverwalter Carmignac, am Montag auf einer Veranstaltung.

Laut einer Schätzung von Bloomberg Intelligence flossen im Dezember 158 Milliarden Dollar aus China ab, das ist mehr als im gesamten Jahr 2014 als die Abflüsse 134 Milliarden Dollar betrugen.

Im Dezember flossen damit 50 Milliarden Dollar mehr ab als im Vormonat. Ein Grund: Die chinesische Zentralbank hatte angekündigt, den Yuan-Kurs künftig eher an einem Währungskorb als nur dem US-Dollar zu orientieren. Zusätzlich zu den Abflüssen kommt der Trend, dass chinesische Exporteure mehr Bargeld in Dollar halten und davor zurückschrecken, die Mitteln in Yuan zu tauschen.

„Der unmittelbare Auslöser für das Anziehen der Kapitalausflüsse am Jahresende war die schlechte Kommunikation der chinesischen Zentralbank zum Wechsel in der Währungspolitik“, sagt Mark Williams, Asien-Ökonom bei Capital Economics in London. Da die Notenwächter Vertrauen zerstört hätten, dürfte der Kapitalfluss weiter anhalten, meint Williams.

Die chinesische Währungsbehörde hatte am vergangene Woche mitgeteilt, dass die Währungsreserven des Landes groß seien und die grenzüberschreitende Kapitalflüsse daher kontrollierbar und größere Schocks vermeidbar. Die Reserven dürften in diesem Jahr um 300 Milliarden Dollar auf drei Billionen Dollar fallen.

Zuletzt hatte die chinesische Notenbank im großen Stil Devisenbestände aufgelöst, um Schwankungen des Yuan-Wechselkurses zu verhindern. Im vergangenen Jahr waren die Reserven daher sogar um mehr als 500 Milliarden Dollar zurückgegangen.

Martin Dowideit, Ressortleiter Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.
Martin Dowideit
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