Chinesische Börse
„China muss die Märkte beruhigen“

Das von China angekündigte 460 Mrd. Euro schwere Konjunkturprogramm schürt an den Börsen neue Hoffnungen auf einen stabilisierenden Einfluss der chinesischen Wirtschaft auf die Weltkonjunktur. Aber welche Rolle kann die Volksrepublik in der globalen Finanzkrise wirklich spielen und wie wichtig ist Kontrolle der Finanzmärkte in Krisenzeiten? Das Handelsblatt sprach darüber mit Ronald Arculli, dem Vorstandschef der Börse Hongkong.

China hat ein massives Konjunkturprogramm angekündigt. Ist das die richtige "chinesische" Medizin?

China versucht seit Jahren den heimischen Verbrauch zu verstärken, um so internes Wachstum zu schaffen und sich weniger von den Exporten abhängig zu machen. Das war bislang insofern erfolgreich, da noch vor knapp zwei Jahren die große Sorge der Welt war, dass Chinas Wachstum wegen der boomenden Exporte viel zu schnell geht.

Wie kann China der Welt denn aus der Krise helfen?

Es gibt sicherlich die Erwartung, dass Länder wie China, also mit hohen Sparraten und hohen Währungsreserven, sich bewegen sollten, um Europa und Amerika zu unterstützen. Aber das dürfte auch auf dem Weltfinanzgipfel am 14. November in Washington ein schwieriges Thema sein, denn viele Regierungen in Asien haben große Sorgen um ihre eigene Wirtschaft. Die realen Folgen der Krise auf die asiatischen Länder sind noch immer sehr schwer abzusehen.

Was erwarten Sie vom Weltfinanzgipfel?

Eine zentrale Rolle wird spielen, dass die USA nun einen neuen Präsidenten haben, der aber dann noch nicht im Amt ist. Viele Leute glauben, dass die US-Politik sich unter Präsident Obama nicht wirklich grundlegend ändern wird. Aber gerade in Asien gibt es große Sorge über einen neuen Protektionismus, der durch die Demokraten und den neuen Präsidenten verstärkt werden könnte. Man kann nur hoffen, dass der Weltfinanzgipfel ein Treffen wird, bei dem die Führer der Welt einen gemeinsamen Weg finden.

Hat die Welt bislang ausreichend reagiert?

Die Regierungen der großen Industrienationen und auch die Führungen der asiatischen Staaten haben in verantwortlicher Weise reagiert. Sie haben Liquidität für die Geldmärkte gesichert und viel Kapital in die etablierten Banken gepumpt, das war der beste Weg, um die Märkte insgesamt zu stabilisieren. Ich glaube aber, dass es in den kommenden Monaten möglicherweise weitere Probleme geben wird und wir können nur hoffen, dass es nicht zu viele schlechte Nachrichten à la Lehman Brothers gibt. Doch die Krise wird den Weg in die Realwirtschaft finden, wenn dies nicht bereits geschehen ist.

Sollten Länder wie China mehr Mitsprache im globalen Finanzsystem bekommen?

Zum Glück hat Hongkong einen ziemlich gut entwickelten Finanzmarkt. Viele glauben, das wir es durchaus mit London und New York aufnehmen können. Aber mit Blick auf ganz Asien sieht das schon anders aus. Die Kontrollsysteme und der Rechtsrahmen bei den Finanzmärkten sind doch sehr unterschiedlich, wie auch zwischen Europa und Amerika. Das unter einen Hut zu bringen, ist nicht ganz einfach. Sicher, momentan wird viel über Marktreformen und neue Machtverteilung gesprochen. Sicherlich wird Asien da mehr Mitsprache bekommen. Aber mein Gefühl ist auch, dass die Erwartungen vielleicht doch etwas zu hoch sind.

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