CO2-Emissionshandel
„Versteckte Vermögenswerte in der Bilanz finden “

Der Handel mit CO2-Emission blüht. Immer neue Börsen werden gegründet und immer mehr Banken engagieren sich. Über das Geschäft mit dem Abgas spricht das Handelsblatt mit Richard Sandor, der zwei der neuen Handelsplätze ins Leben gerufen hat.

Dr. Sandor, Sie wurden vor rund drei Jahren bei der Gründung der Chicago Climate Exchange und später bei der Schaffung der European Climate Exchange von einigen Beobachtern belächelt. Hat sich Ihr Engagement ausgezahlt?

Wir sind sehr erfreut über die Entwicklung. Die CCX zählt heute 200 Mitglieder aus allen Bereichen der Wirtschaft. Wir erhalten breite Anerkennung in der Industrie, auf akademischer Ebene, bei Regierungen und auch im Finanzsektor. Die Umsätze im Emissionshandel sind auch wegen unserer internationalen Präsenz mit Mitgliedern von allen fünf Kontinenten kräftig gestiegen. Im übrigen haben wir auch Börsenmitglieder aus China. Die ECX ist die bei weitem erfolgreichste Emissionsbörse, die eine globale Leitfunktion innehat.

An der Chicago Climate Exchange agieren die Börsenmitglieder allesamt auf freiwilliger Basis. Ist das ein Weg, um die USA näher an die Mechanismen des Kyoto-Protokolls heranzuführen?

Ja, wir sind davon überzeugt. Ein Beispiel: Ein CCX-Mitglied, nämlich Baxter Healthcare, hat kürzlich europäische Emissionsrechte in das CCX-Register übertragen. So haben wir den Beweis geführt, dass die Verbindung zwischen beiden Systemen funktioniert und Modell für weitere Kooperationen sein kann. Derzeit entwickeln wir mit der Börse in Montreal die Montreal Climate Exchange, die den kanadischen Teil des Kyoto-Protokolls abdecken soll. Zudem erhalten wir jede Woche Anfragen von Regierungen aus aller Welt und von politischen Vertretern einzelner Provinzen und Bundesstaaten, die an marktwirtschaftlichen Lösungen des Klimaproblems interessiert sind. Wir verfügen in Chicago und Amsterdam über eine große Erfahrung, so dass viele Dinge anderswo übernommen und nicht neu erfunden werden müssen.

Sind die Chancen und Risiken im Emissionshandel für die Unternehmen der Wirtschaft eigentlich ausbalanciert?

Ein Unternehmen, das in der Frage der Reduzierung von Treibhausgasen nicht aktiv wird, sieht sich des hohen Risikos „versteckter Kosten“ ausgesetzt. Unternehmen, die ihr Emissionsrisiko nicht fachmännisch steuern, laufen Gefahr, dass ihnen Anleger keine ausreichenden Kenntnisse in wichtigen Fragen des Energie-Einsatzes oder im Umgang mit den zunehmend wichtigern Umweltfragen zutrauen. Solchen Unternehmen wird von ihren Anteilseignern möglicherweise auch eine klare Strategie und Verantwortungsbewusstsein in Sachen Klimawandel abgesprochen. Daraus wiederum könnten Anleger Gefahren von bislang nicht erkennbaren Verpflichtungen und Kosten im Klimaschutz ableiten.

Unternehmen, die ihre Kohlendioxid-Risiken aktiv managen, müssten bei Anlegern also gut angesehen sein – oder?

Ja, in der Tat. Unternehmen, die ihren CO2-Ausstoß aktiv kontrollieren und mit Hilfe der existierenden Finanzinstrumente steuern und reduzieren, werden schon per Definition besser wirtschaften. Sie werden nämlich Möglichkeiten finden, den Kohlendioxidpreis als Orientierung für kluge Investitionsentscheidungen zu nutzen, effizienter zu produzieren und Geld zu sparen. So lassen sich versteckte Vermögenswerte in der Bilanz finden und der Shareholder-Value – der Wert eines Unternehmens – steigern. Und nicht zuletzt werden die Unternehmen direkt und indirekt auch dadurch ethisch und moralisch gestärkt, dass sie ihren Teil zur Lösung des Problems der globalen Erwärmung beitragen.

Was müssen Anleger im Hinblick auf die Gefahren des Treibhauseffektes und des Emissionshandels beachten?

Eine Welt mit einem geringeren Kohlendioxid-Ausstoß birgt zahlreiche Gelegenheiten – allerdings auch Risiken. Die Risiken des Klimawandels bringen von Unternehmen zu Unternehmen und von Region zu Region unterschiedliche Herausforderungen mit sich. So entstehen neue physische, politische und rechtliche Anforderungen. Zudem treten neue Wettbewerbs- und Reputationsrisiken auf. Grundsätzlich gilt, dass ein sinnvoller Umgang mit dem Problem des Treibhausgas-Ausstoßes über den finanziellen Wert entscheidet. Immer mehr Analysten und Anleger beobachten die Umwelt- und Klimaschutzaktivitäten von Unternehmen mit großer Aufmerksamkeit.

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