Corporate-Governance-Kodex als „Papiertiger“ bezeichnet
SdK fordert besseren Schutz für Anleger

Aktienfonds sollen nach einer Forderung der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) gesetzlich verpflichtet werden, die Interessen der Anleger künftig besser wahrzunehmen.

dpa/rtr/vwd FRANKFURT. "Sie sollen unter anderem einen sachverständigen Kandidaten für den Aufsichtsrat vorschlagen, der im Interesse der Eigentümer handelt“, sagte SdK-Vorstandsmitglied Willi Bender am Dienstag in Frankfurt. Der Verband forderte zudem die konkrete Umsetzung eines geplanten 10- Punkte-Programms der Bundesregierung zum Anlegerschutz.

Corporate-Governance-Kodex als „Papiertiger“ bezeichnet

Weiterhin hat SdK am Dienstag Kritik am deutschen Corporate-Governance-Kodex geübt. Der Kodex in seiner jetzigen Gestalt sei ein „Papiertiger“, der Missstände eher verdecke statt bereinige, hieß es. Die Aufstellung der Corporater-Governance-Grundsätze sowie die Kontrolle des Unternehmens müsse einzig und alleine von den Investoren ausgehen, forderte die Schutzvereinigung. Dazu sei allerdings eine Veränderung der Strukturen von Aufsichtsrat und Hauptversammlung notwendig.

Nach Ansicht der SDK sollen Fonds künftig zur Ausübung ihrer Stimmrechte gesetzlich verpflichtet werden. Zudem sollen sie eine Begründung für ihr Stimmverhalten abliefern. Institute, die Wertpapierdepots anbieten, sollen künftig „Stimmrechtsausübung im Interesse der Kunden“ anbieten müssen. Mit Blick auf den Aufsichtsrat bezeichnete die SdK es als „besonderen Verstoß gegen die Aktienkultur“, wenn Vorstandsvorsitzende im Anschluss an ihre Tätigkeit den Vorsitz im Aufsichtsgremium übernehmen. Die Kontrolle der Eigentümer auf den Hauptversammlungen müsse wiederhergestellt werden, forderte die Aktionärsvereinigung.

Auch die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder wurde bemängelt. Die SdK schlug hier ein „ansehliches Fixum“ vor, um die dividendenabhängige Vergütung abschaffen zu können. Hinsichtlich des „10-Punkte-Programms zur Vebesserung der Unternehmensintegrität und des Anlegerschutzes“ der Bundesregierung mahnte die SdK eine Konkretisierung an. So soll die Haftung von Vorständen und Aufsichtsrat ausgedehnt und die Klagemöglichleiten für Aktionäre erweitert werden.

Mehr Rechte für Vorzugsaktionäre

„Erhalten die Stammaktionäre einen bestimmten Aufschlag auf den Börsenkurs, so ist auch den Vorzugsaktien derselbe Aufschlag auf ihren Kurs zu gewähren“, forderte SdK-Vorstand Harald Petersen am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz des Aktionärsverbandes. Dadurch solle eine Benachteiligung der Kleinaktionäre bei einer Übernahme vermieden werden.

Traditionell sind Stammaktien im Besitz von Gründerfamilien und Großaktionären. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien, die bei der Dividendenzahlungen durch höhere Ausschüttungen bevorzugt werden, sind indes meist im Besitz von kleinen und mittelgroßen Anlegern.

Hintergrund ist die Übernahme des Kosmetikkonzerns Wella durch den US-Konkurrenten Procter & Gamble, bei dem den Besitzern der stimmrechtslosen Vorzugsaktien - zumeist Kleinanleger - ein deutlich geringeres Angebot unterbreitet wurde. Während den Inhabern der Stammaktien 92,25 € gezahlt wurden, lag die Offerte für die Inhaber der Vorzugsaktien bei 65 €. Der Aufschlag auf den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis war bei den Stämmen deutlich höher als bei den Vorzügen.

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