Cynk-Aktie
Der pure Wahnsinn

In den USA sorgt ein spektakulärer Fall von mutmaßlichem Anlagebetrug für Schlagzeilen: Eine Internetaktie steigt erst um 36.000 Prozent, jetzt bricht sie ein. Ein Lehrstück über eine alte Masche in der neuen Börsenwelt.
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DüsseldorfEigentlich ist es erstaunlich, dass sie überhaupt noch etwas wert ist. Die Aktie von Cynk Technology war von der US-Börsenaufsicht SEC für zehn Tage vom Handel ausgesetzt worden. Eine Art Schutzsperre. Nachdem der Handel mit dem Papier wieder möglich war, brach der Kurs sofort ein.

Am Freitag fiel die Aktie um 85 Prozent. Ein Anteilsschein kostet jetzt 2,10 Dollar – und das ist wohl immer noch ein Vielfaches dessen, was angemessen wäre. Cynk weist keinen Umsatz aus und hat nur einen Mitarbeiter. Es handelt sich um ein Online-Netzwerk, das anscheinend keine echten Mitglieder hat, und das bis vor kurzem kaum einer kannte. Jetzt hat die Firma zweifelhafte Berühmtheit erlangt. „Bei dieser Sache ließ sich wahrscheinlich eine Menge Geld machen und verlieren“, sagt Michael Block, Chefstratege bei Rhino Trading Partners.

Noch Anfang Juni kostete die Cynk-Aktie wie monatelang davor lediglich zehn US-Cent. Dann explodierte der Kurs. Allein am 17. Juni legte die Aktie um 3.650 Prozent zu. Doch das war erst der Anfang. Binnen drei Tagen sprang der Kurs von fünf auf zeitweise mehr als 20 Dollar. Innerhalb von zwei Monaten hatte die Aktie nämlich ein Kursplus von mehr als 36.000 Prozent. Das Unternehmen war zwischenzeitlich mehr als sechs Milliarden Dollar wert. Die Finanzblogger von „Zero Hedge“ fanden den richtigen Ausdruck dafür: „Purer Wahnsinn“.

Auf seiner Webseite theintrobiz.com bezeichnet sich Cynk als „Social Marketplace“ und verspricht unter anderem Zugang zu Kontaktdaten von Prominenten gegen Bezahlung. Als Geschäftsidee wird angegeben, dass Menschen für das Knüpfen sinnvoller Kontakte bereit seien, Geld zu bezahlen. Der Kontakt zu Angelina Jolie soll demnach 50 Dollar kosten. Die gelieferten Daten enthielten Telefonnummer, Mail-Adresse sowie Namen von Agenten und Anwälten der Promis, so jedenfalls das Versprechen.

Die Webseite wurde über einen Proxy-Server registriert – damit der Anmelder anonym bleiben kann. Die Firma hatte laut Börsenunterlagen seit 2008 vier Chefs. Aktuell ist ein gewisser Marlon Sanchez Vorstandschef, Finanzchef und Sekretär in Personalunion.

Gegenüber der SEC gab das Unternehmen an, der Firmensitz befinde sich in einem Bürogebäude im mittelamerikanischen Belize City. Doch dort kennt niemand die Firma. Nach Informationen von Bloomberg erklärte der Hausmeister, die Firma habe dort nie Büros unterhalten. Die Börsenaufseher zogen daraufhin die Notbremse und stoppten den Handel mit der Aktie. Sie verwiesen auf „Sorgen in Bezug auf Richtigkeit und Angemessenheit von Informationen und potenziell manipulativen Transaktionen“.

Kommentare zu " Cynk-Aktie: Der pure Wahnsinn"

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  • Herr Netshadow,
    Sie müssen ja eine richtige Ahnung haben von den Märkten und könnten sich bei der Deutschen Bank als Aktienanalyst bewerben. Facebook mit 800 Mio. Quartialsgewinn mit CYNK zu vergleichen, das ist schon ganz große Analysekunst.

    Auch ich halte FB momentan für etwas überbewertet, aber das war auch bei Google der Fall, als sie 20% des heutigen Wertes hatten. Mein Tipp: Wenn man vom Geschäftsmodell nichts versteht: Klappe halten!

    Bei Internetversendern schafft Google einen echten Werbe-Mehrwert, so dass Google hier die Messlatte für alle anderen Konkurrenten ist. Mit Hilfe von Google-Maps und der GPS Funktion und der Handyidentifikation können Konsumentendaten gesammelt werden, die von unschätzbarem Wert sind, solange das Sammeln von der Politik nicht verboten wird. Dieses Geschäftsmodell funzt!

    Seit es Aktiengesellschaften gibt, spiegeln sich im Aktienkurs die zukünftigen Gewinnerwartungen wider. Da gehört es auch zum Geschäft, dass man sich verschätzen kann, bzw. eine Idee doch nicht so zukunftsweisend ist. Es ist auch niemand gezwungen, Aktien von GOOG oder FB zu kaufen.

    In jedem Fall kann jemand 64 Jahre lang vor einer Finanzkatastrophe warnen und irgendwann wird er damit auch recht haben oder er erlebt seinen Triumpf nicht, weil er eine eigene ultimative Katastrophe (Tod) hatte.

  • Erinnert irgendwie an den Wolf of Wallstreet! Interessant dass die Masche durch die sozialen Netzwerke noch besser funktioniert.
    Ich bin mal gespannt ob sich herausstellt, dass Bitcoin die nächste große Internet-Farce ist?

  • Ich kann jeden nur warnen, nie, nie, nie Pennystocks oder andere Werte zu kaufen, die völlig unbekannt sind und in Werbemails empfohlen werden.

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