Dax-Absturz

Dax gibt Rätsel auf: Ausverkauf auf Raten

Der Dax gibt Anlegern Rätsel auf. Fast täglich bricht der Index nachmittags ein – und zwar deutlich stärker als fast alle anderen Weltbörsen. Warum wenden sich die Investoren von Deutschland ab?
68 Kommentare
Börse Frankfurt: Der Absturz kommt am Nachmittag. Quelle: dpa

Börse Frankfurt: Der Absturz kommt am Nachmittag.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDen Anlegern ist ordentlich der Schreck in die Glieder gefahren. Innerhalb von einer wenigen Minuten rutscht der Dax am Nachmittag plötzlich ab, um vier Prozent, vorher lag er noch komfortabel im Plus. Das Ganze passiert kurz vor Handelschluss. „So etwas habe ich noch nicht oft erlebt“, sagt Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank.

Sofort spekulieren die selbsternannten Experten über die Gründe für den plötzlichen Schwächeanfall. Gerüchte machen die Runde. Angeblich plant eine führende Ratingagentur, Deutschland herabzustufen - wegen der Hilfen, die die Bundesrepublik für die Euro-Rettung aufbringen muss. Doch die Bonitätswächter dementieren umgehend: eine Herunterstufung der Kreditwürdigkeit steht nicht unmittelbar bevor, sagen sie.

War etwa die Technik oder der Fehler eines Einzelnen schuld am plötzlich Einbruch, so wie beim sogenannten „Flash Crash“ an den US-Börsen im Mai? Damals war der Leitindex für amerikanische Aktien, der S&P 500, innerhalb von sechs Minuten um sechs Prozent gefallen, konnte sich danach aber schnell wieder erholen. Ein Händler hatte sich um mehrere Nullen vertan und soll damit versehentlich die Lawine an Verkäufen ausgelöst haben. Auch das kann für den Dax diesmal ausgeschlossen werden. Die Deutsche Börse erklärt, sie habe keine Hinweise auf derartige Probleme. Was bleibt also?

„Es muss eine große Verkaufsorder gewesen sein“, sagt Carsten Klude, Chefstratege von M.M. Warburg. Ähnlich argumentiert Lex van Dam, Fondsmanager bei Hampstead Capital, im Gespräch mit Bloomberg News: „Jeder versucht, den Ausverkauf mit Gerüchten um eine Abstufung der deutschen Bonitätsnote, ein Verbot von Leerverkäufen oder gar einer Verschiebung der EFSF wegen des Papstbesuches in Deutschland zu erklären. Ich glaube, der wahre Grund steht in Verbindung mit einer riesigen Verkaufsorder für Dax-Futures.“

Kein Versehen, keine technische Panne, sondern einfach das, was passiert, wenn viele Investoren zur selben Zeit verkaufen wollen. Auch das klingt zunächst wenig befriedigend, es entspricht aber dem Muster der vergangenen Wochen. Seit Wochen sackt der Dax immer wieder ab, immer am späten Nachmittag.

US-Investoren verkaufen den Dax
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

68 Kommentare zu "Dax-Absturz: Ausverkauf auf Raten"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die BRD ist auch nur eine "zivile Verwaltungsgesellschaft" und kein Staat und immer noch abhängig von den Siegermächten (trotz 2+4 Gespräche), denn wir haben immernoch keinen Friedensvertrag mit den USA.
    Dafür wird das "deutsche Reich" wieder als Staatsmacht auferstehen, (nicht das Nazi-Reich) sondern das deutsche Reich von 1919 ! Mehr und Mehr BÜrger wissen sowieso Bescheid, das die BRD ein künstiches Konstrukt ist ähnlich wie die DDR

  • Die Börse IST (!) nur noch ein Spielcasion ! Schon lange

  • Ich habe jetzt fast ein Jahr ein Abo genutzt, mit dem
    täglich Trades mit Einstieg, Ziel und Stop Loss benannt
    werden (inzwischen gekündigt).

    Ich zitiere aus dem 4. Zürich-Axiom (Max Gunther):
    "In der Welt des Geldes, die von menschlichem Verhalten geformt wird, hat niemand die blasseste Ahnung, was in Zukunft geschehem wird. Beachten Sie dieses Wort: niemand."

    mein Fazit: geschäftstüchtige Narzissten, die den sehr
    nachvollziehbaren Wunsch nach Hilfe durch selbst ernannte "Profis" ausschlachten...

    dort heißt es, nächste Woche werden die Kurse einige
    Hundert Indexpunkte anziehen.
    Ich erkläre ausdrücklich, kein Profi zu sein...

  • Man muss immer das kaufen, was andere nicht haben wollen d.h. in 2-3 Monaten Aktien, wenn der Aktienmarkt komplett zusammengebrochen ist. Wenn man beim Aktienkauf nicht gleich plant wann man wieder aussteigen wird, dann stürzt man halt irgendwann mit ab, so ist es schon seit Jahrzehnten. Die Dummen werden dann bis zum nächsten Crash warten und wieder mit abstürzen, lach.

  • Genauso funktioniert die Welt! 2-3 % Kursschwankungen am Tag sind optimal. Jetzt brauche ich nur noch die genauen Daten für die nächste Woche! Wer kann mir da helfen? Wie geht es am Montag weiter?

  • Ich beobachte zunehmend Kursbewegungen, die den Eindruck erwecken, dass Großinvestoren Computerprogramme und hohes Kapital einsetzen, um gewünschte Tageshochs und -tiefs mit extremen Abständen zu erzeugen.
    Natürlich lässt sich zeitnah nicht Ross und Reiter benennen; ans Tageslicht kommt es erst, wenn eine dieser
    Investmentbanken sich nach Einsatz von Hunderte Millionen
    bis mehrere Milliarden doch einmal verzockt hat und über
    die Klinge springt.

    Doch nach Gründen muss also weniger in Konjunktur und Politik gesucht werden. Meldungen von dort werden gern für obige Zwecke als Anlass genutzt und dann verstärkt und wenn keine vorhanden sind, werden welche per Gerücht erzeugt.

    Der wahre Grund ist viel einfacher: die skupellose Gier nach dem Geld der großen Masse, die nicht über die erwähnten Möglichkeiten verfügen.

    Wie ist nun der größte Gewinn erreichbar?
    1. z.B. den DAX per Futures möglichst weit nach unten zu
    prügeln und dann am Minimum innerhalb von Minuten Aktien
    von deutschen Unternehmen kaufen und danach die Kurse hoch
    treiben.
    2. extrem volatile Bewegungen innerhalb eines Tages oder einiger Tage erzeugen und sie nutzen.
    3: das schönste Geschenk macht den Akteuren, wer
    mit Derivaten handelt. Die Summen sind für die Akteure ja
    einsehbar. Nun müssen die Kurse nur noch über die Verlustschwellen getrieben werden...

    Fazit 1: wer Kurse wie den Stier am Nasenring herumführen
    kann, wird sein Ziel erreichen
    Fazit 2: wer die Politiker an der Nase herumführen kann,
    wird sein Tun nicht aufgeben sondern verstärken.


  • die Beendigung dieser unglaublichen Volatilität wäre denkbar einfach - nur müßte man sich dann mit dem angloamerikanischen Finanzestblishment anlegen - dazu haben unsere Politiker weder Verstand noch Mut.
    Mein Vorschlag: starke Einschränkung des DAX Future Handels - und vorbei ist der Spuk.

  • Ist ja echt interessant, wo die €- und EU-Beführworter sitzen.

    http://www.abgeordneten-check.de/antworten/view/69.html
    wenn man sich mal durchliest, was die so zu sagen haben kann ich nur feststellen, dass die einzigen Abgeordneten, die noch denken dürfen, sich in der FDP / CDU befinden.

    Gerade SPD und Grüne machen sich stark für die Entmündigung des Bürgers durch die EU.

  • Deutschland ist nicht das Lieblingswundermärchenland für den Rest der Welt. Die BRD ist wirtschaftlich ein Konkurrent, sozial ein Imigrationsland, politisch ein Mitläufer und finanziell bietet es die gleiche Spielwiese wie andere Länder auch. Wenn sich in Deutschland die Aktienkurse in 2,5 Jahren fast verdoppeln, ist doch klar, daß man da sein verdoppeltes Geld wieder abholt. Daß US-Spekulanten die die reichsten der Welt sind, ist auch nicht neu. Daß wir in einem kapitalistischen System leben und das sozialistische Gesellschaftssysteme nicht funktionieren, ist auch bekannt. Etwas neues ist die deutschlandspezifische nationalgrünistische Massenbewegung, zu der sich immer mehr Menschen hingezogen fühlen. Aber auch hier ist es so, daß immer diejenigen den größten Massenzulauf hatten, die am stärksten die vollendete Glückseeligkeit auf Erden versprechen: Religionen, Ideologien. Vielleicht ist aber auch das schon immer so gewollt, Gläubige lassen sich besser führen?!
    Schlußfolgerung: Die Welt ist heute so, wie sie schon immer war und sie wird nicht untergehen!

  • irgendwann ist der august vorbei, dann kühlen sich die gemüter wieder ein wenig ab. in 20 jahren zahle ich noch immer mit euros, selbst in serbien und bulgarien, während der dax die 20000er-marke durchbricht.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%