Dax-Ausblick
Schockwellen rollen weiter

Dubai hat mit seinen Zahlungsproblemen das Monster der Krise geweckt. Zwar erholte sich der Dax wieder, aber die Schockwellen werden wohl noch weiter über die Aktienmärkte rollen, vermuten Beobachter. Die Optimisten bleiben gelassen: die Fundamentaldaten seien gut, Anleger könnten Rücksetzer für einen Einstieg nutzen. Wie es weitergeht, hängt insgesamt eher von Konjunkturdaten ab – und hier kommt einiges auf die Anleger zu.
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HB FRANKFURT. Alle möglichen Szenarien hatten Skeptiker durchgespielt, um ihre Warnung vor Rückschlägen auf den Aktienmärkten zu untermauern: Die Wirtschaftserholung hält nicht mit den Hoffnungen mit, die Aktien sind schon zu weit gestiegen, den Finanzmärkten fehlt nach wie vor die Stabilität. Doch diesen Schock hatte niemand auf dem Radar: Das reiche Emirat Dubai rutscht in eine Schuldenkrise.

Panisch trennen sich Anleger von Investments, die auch nur irgendwie etwas mit dem Golf zu tun haben, und seien es Porsche-Aktien. An dem deutschen Sportwagen-Hersteller ist der Golfstaat Katar beteiligt. Aktionäre befürchteten nun, dass auch dieses Land in den Strudel gerissen werden könnte, dass die Araber in Folge ihre Aktienpakete verkaufen und den Kurs massiv unter Druck setzen.

Der Kurseinbruch vom Donnerstag mag sich zum Teil aus solchen Einzelentscheidungen erklären. Allerdings zeigen die Turbulenzen nach Ansicht vieler Beobachter auch, wie labil das internationale Finanzsystem und mit ihm das Vertrauen der Investoren nach wie vor ist. Alles nur Psychologie? Welche Fakten stehen hinter der Entwicklung?

Dubais Bitte um Zahlungsaufschub für zwei Staatskonzerne habe den Anlegern Risiken vor Augen geführt, meinen die Experten der Landesbank Berlin (LBB). Doch selbst eine schärfere Korrektur im Dax sehen sie eher als Sonderfall in einem ansonsten intakten Umfeld: "Die insgesamt aufgehellten Konjunkturperspektiven sowie die unverändert üppig vorhandene Liquidität dürften mittelfristig stützen. Unsere empfohlene Strategie, bei Kursschwäche Positionen am Aktienmarkt vorsichtig auszubauen, halten wir weiter aufrecht."

Zumindest kurzfristig, also über den Wochenbeginn hinaus, dürfte die Dubai-Krise den deutschen Aktienmarkt noch in Atem halten, meinen viele Analysten. Die Experten rechnen daher mit größeren Kursausschlägen. Der von den LBB-Experten empfohlenen Strategie dürften indes viele Investoren folgen, glauben viele Optimisten am Markt. Sie erwarten, dass einige Investoren Rücksetzer zum Einstieg nutzen. Daher sei sogar eine Erholung des Dax nicht auszuschließen.

Schon am Freitag zeichnete sich eine solche Möglichkeit ab. Zwar hatte der Dax an den letzten beiden Handelstagen der abgelaufenen Woche zeitweise fünf Prozent verloren. Im Wochenvergleich lag das Minus bei rund einem Prozent. Aber bereits am Nachmittag schaffte der deutsche Leitindex einen Sprung ins Plus.

Bleibt die Frage, inwieweit Dubai Systemprobleme offenbart hat. Manche Experten halten sogar einen neuerlichen weltweiten Crash der Finanzmärkte für möglich, zum Beispiel der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. An der Schuldenkrise des Golfstaats zeige sich, dass selbst an sich wohlhabende Staatsfonds gemessen an ihren gigantischen Vorhaben über zu wenig Eigenkapital verfügten, sagte er im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Noch wisse man nicht, wo dies sonst noch der Fall sei. „Dies wird erst im Laufe der Zeit offenkundig werden, und das könnte das Vertrauen an den Kapitalmärkten erneut in Mitleidenschaft ziehen“, sagte der Ökonom und fügte hinzu: „Dagegen hilft nur eine schnelle und strenge Regulierung der globalen Kapitalmärkte.“

Eine andere Frage ist, ob durch die Krise in der Golfregion die konjunkturellen Rahmendaten anders aussehen.

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