Dax-Ausblick
Viele Ängste und wenig Hoffnung bei Anlegern

An den Aktienmärkten stehen den Anlegern weitere turbulente Tage bevor. Aus Sicht von Analysten werden die Kurse weltweit weiter fallen. Im Falle einer Rezession könnte der Dax sogar unter 5 000 Punkte fallen.

FRANKFURT. Das US-Rettungspaket für die angeschlagene Finanzbranche, auf das sich nun Demokraten und Republikaner weitgehend geeinigt haben, "ist nur ein kleines Sicherheitsnetz für die Märkte", sagt Markus Wallner, Analyst bei der Commerzbank. Es nehme zwar ein wenig Druck von den Kursen. Ob das ausreiche, sei aber fraglich.

"Die schiere Dimension des Bankenproblems ist noch viel größer als vor gerade einmal zwei Wochen die schlimmsten Vorahnungen hätten vermuten lassen", sagt Weberbank-Analyst Oliver Borgis. Hiobsbotschaften von den US-Banken wie etwa die Schließung von Washington Mutual, der größten US-Sparkasse mit dem Charakter einer Bausparkasse, schüren neue Ängste. "Diese negative Überraschungen wiegen schwerer als jeder mögliche Erfolg, dem man dem groß angelegten Notfallprogramm der US-Regierung nur wünschen kann", sagt Borgis.

Die Analysten der Landesbank Berlin befürchten, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) diese Woche weiter in "Richtung Jahrestiefststände" fallen könnte. Von seinem Tiefstand bei 5 812 Punkten ist der Dax nicht mehr weit entfernt.

Zunehmend befürchten Analysten, dass die Krise der Finanzbranche auf die Realwirtschaft übergreifen und die Unternehmensgewinne belasten könnte. Darauf deuten auch die in der vergangenen Woche veröffentlichten Konjunkturdaten hin. Die Einkaufsmanagerindizes fielen fast ausnahmslos schwach aus. Auch die Geschäftsklimaindizes für Frankreich und Italien sowie der Ifo-Index enttäuschten die Erwartungen. Das wichtigste deutsche Stimmungsbarometer fiel von 94,8 auf 92,9 Punkte, den tiefsten Stand seit drei Jahren.

"Wir gehen davon aus, dass es im weiteren Jahresverlauf zu neuen Gewinnrevisionen bei europäischen und deutschen Unternehmen kommen wird", sagen die Experten der DZ Bank. Noch seien die Unternehmen zwar günstig bewertet. Im Falle einer schweren Rezession in Deutschland könne der Dax aber bis auf 4 500 Punkte fallen. Nach Einschätzung von Commerzbank-Mann Wallner werden die Gewinne der Dax-Konzerne 2009 Jahr im Schnitt um 25 Prozent niedriger ausfallen als derzeit erwartet. "Eigentlich gibt es im Moment nur einen Grund, warum es wieder aufwärts gehen sollte: Flaut die Konjunktur weiter ab, und die Inflationsrate bleibt im Rahmen, sieht die EZB möglicherweise doch Spielraum für eine Zinssenkung", sagt er.

Die Zahl der Optimisten unter den Analysten wird zwar kleiner, aber es gibt sie immer noch. "Chancen auf eine allmähliche Stabilisierung an den Aktienmärkten sind trotz weiterhin bestehender Risiken gegeben", sagt Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba. Er ist der Meinung, dass sich Aktien gemessen an der negativenNachrichtenlage derzeit sogar "recht wacker schlagen". Vieles hänge aber vom Erfolg des US-Rettungspaktes ab. "In diesem von Unsicherheit und Nervosität geprägten Umfeld sind bei Anlegern vor allem starke Nerven und ein langer Atem gefragt", sagt er.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%