Dax stürzt um mehr als hundert Punkte
An den Börsen geht das Inflationsgespenst um

Sorgen über die Zinsentwicklung haben die Börsen gestern weltweit abrutschen lassen. Die schlechte Stimmung hat ihren Ursprung in den USA.

rp/som/tor/ost NEW YORK/DÜSSELDORF. Vor allem in den USA wachsen die Befürchtungen, dass die Notenbank auf Grund einer stark steigenden Inflation die Zinsen noch stärker anhebt als ohnehin schon erwartet. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel um mehr als zwei Prozent und damit so stark wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Der Euro sackte zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten.

Ursache für die starke Verunsicherung an den Aktien- und Devisenmärkten sind die jüngsten Inflationsdaten aus den USA und Äußerungen von Vertretern der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB). Der stellvertretende Fed-Chef Roger Ferguson sagte, dass die US-Notenbank das Tempo ihrer Zinserhöhungen verschärfen könne, falls die Inflationsgefahr wachse. Bislang hat die Fed die Leitzinsen in den USA in elf Schritten von jeweils 0,25 Prozentpunkten auf zuletzt 3,75 Prozent angehoben.

Anlass für die wachsenden Zinssorgen sind drastisch gestiegene Preise: So legten die amerikanischen Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 4,7 Prozent und die der Hersteller um 6,9 Prozent zu. Die Erzeugerpreise erhöhten sich so stark wie seit 15 Jahren nicht mehr. Sorge bereitet Ökonomen und Analysten insbesondere, dass die Preise auch unter Ausklammerung der explosionsartig gestiegenen Energiepreise stärker zulegen. Rohöl verteuerte sich seit Jahresbeginn um 45 Prozent. Dies nährt die Furcht vor Zweitrundeneffekten, also höheren Preisen für andere Güter und vor aufkommendem Lohndruck.

In ihrem gestern veröffentlichten Konjunkturbericht warnte die Fed, dass viele Firmen davon ausgehen, dass sich die hohen Preise für Energie und Baustoffe in der Wirt-schaft dauerhaft festsetzen. Die Lohnzuwächse seien zwar noch moderat, einige Regionen der USA hätten jedoch einen wachsenden Lohndruck insbesondere bei Dienstleistungen festgestellt.

Auch in Europa wächst die Sorge über einen Anstieg der Inflation. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing sagte, die Risiken für die Preisstabilität in der Euro-Zone seien gestiegen. Im September legte die Inflationsrate in der Euro-Zone von 2,2 auf 2,6 Prozent zu. Allein die Energiepreise schnellten um 15 Prozent nach oben. „Wir betrachten das als sehr ernst“, sagte Issing in einem Zeitungsinterview und bekräftigte das Versprechen der Zentralbank zu „großer“ Wachsamkeit.

Am Geldmarkt erwarten die Akteure inzwischen mehrheitlich einen ersten Zinsschritt der EZB im März 2006. Nach Einschätzung der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wird die EZB im kommenden Jahr ihren Leitzins um 50 Punkte auf dann 2,5 Prozent erhöhen. Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank in London, veranschlagt die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB bereits im Dezember ihren Leitzins erhöht, sogar auf „etwas höher als 50 Prozent“.

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