Dax zieht um – Neubau in Eschborn
Eine Börse zwischen Teppichgeschäft und Wurstbude

Frankfurt ade, hallo Eschborn: In einem schmucklosen Gewerbegebiet hat die Deutsche Börse den Grundstein für ihre neue Zentrale gelegt. Ministerpäsident Roland Koch, der selber lange in Eschborn arbeitete, ist voll des Lobes für den neuen Standort. Doch vielen Mitarbeitern ist nicht zum Feiern zumute.

ESCHBORN. Wo geht es denn hier bitte zum Neubau der Deutschen Börse? "Das ist in der Mergenthalerallee. Sie gehen immer geradeaus bis zur Wurstbude, die ist kaum zu übersehen", sagt der freundliche Passant. Und in der Tat, an dem Orient-Teppich-Laden, dem Sonnenstudio und einigen Bürogebäuden vorbei, taucht schließlich ein silberglänzender Wagen auf mit einem großen blauen Schild, auf dem in gelben Lettern steht: "Best Worscht in Town". Wenige Meter weiter tummelt sich eine Horde Anzugträger. S-Klassen, Porsche, ein schwarzer Aston Martin ein weißer Bugatti fahren vor. Hier ist es richtig.

Über 150 Politiker, Unternehmer und Mitarbeiter sind heute zur Grundsteinlegung der neuen Konzernzentrale der Deutschen Börse in Eschborn gekommen. Die 20 000-Einwohner-Stadt liegt vor den Toren Frankfurts. In einem Büro- und Gewerbegebiet zwischen Autohäusern und Tankstellen errichtet die Deutsche Börse einen 90 Meter hohen Kubus aus Glas und Beton. Das 20-stöckige Hochhaus soll bis 2010 entstehen, rund 2000 Mitarbeiter sollen dann dort arbeiten.

Was treibt die Börse in diesen schmucklosen Ort? Börsenchef Reto Francioni steht mächtig unter Druck. Die Hedge-Fonds TCI und Atticus, die mit zusammen 19 Prozent an der Deutschen Börse beteiligt sind, drängen auf immer weitere Kostensenkungen. Francioni ordnete den Umzug nach Eschborn an, denn dort muss das Unternehmen weniger Steuern zahlen als in Frankfurt. Viele Mitarbeiter ärgern sich über den neuen Standort, die Aktionäre können sich aber über eine jährliche Ersparnis im hohen zweistelligen Millionenbereich freuen. Bereits jetzt sitzen 1000 Mitarbeiter in einem angemieteten Gebäude in Eschborn.

Sicherheitsleute und Polizisten mit Spürhunden sind rund um das Festzelt postiert. Kamerateams und Fotografen scharen sich um Börsenchef Francioni und seinen prominenten Gast, den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. "Der Neubau macht uns in vielerlei Hinsicht effizienter. Energieeffizienz ist da nur ein Aspekt", sagt Francioni und meint natürlich die Steuererleichterungen. "Wir sind nicht die ersten, die es hierhin verschlagen hat", betont Francioni und erzählt von Roland Kochs Vater, ein Anwalt, der seine Kanzlei 1965 von Frankfurt nach Eschborn verlegte. "Und erfolgreich weiterführte", ergänzt der Börsenchef schnell. Das ist schließlich auch sein Ziel, auch wenn die Hedgefonds immer neue Anlässe zum Nörgeln finden.

Auch Roland Koch arbeitete vor seiner politischen Karriere als Rechtsanwalt in Eschborn. Koch versucht den Zuhörern weiszumachen, dass Eschborn und der historische Handelssaal in der Frankfurter Innenstadt doch gar nicht so weit entfernt seien. "Das ist eine geringere Entfernung als die 1. und 88. Straße in Manhattan", sagt Koch.

Die neue Zentrale in Eschborn wird die Deutsche Börse nur anmieten. "Ein Investor baut nur, wenn der Mieter eine langfristige Zusage abgibt", sagt Koch. "Der Neubau ist also ein Zeichen dafür, dass Sie nun hier bleiben und hier wachsen wollen." Ein Gast witzelt leise: "Es geht also als nächstes nicht nach Weißrussland."

Die meisten Gäste verabschieden sich nach dem offiziellen Teil im Festzelt, das Baugelände hinter dem Zelt schauen sie sich gar nicht erst an. Außer einer Wiese, einigen Kränen und Bauwagen gibt es auch noch nicht viel zu sehen. Einige Mitarbeiter stehen bei einem Glas Sekt noch zusammen. Die neuen Fahrtzeiten sind das Thema Nummer eins. "Ich brauche jetzt morgens doppelt so lange wie früher", sagt ein Börsianer. Dann holt er sich nach etwas vom Buffet. Auch hier zeigt sich der Spardrang: Es gibt Kartoffelsalat mit Würstchen. Immerhin sind es Frankfurter.

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