Daytrader
Die Glücksritter des digitalen Zeitalters

Sie sind Zocker der Moderne: Sogenannte Daytrader versuchen innerhalb von kurzen Zeitspannen die Kursschwankungen im Tagesverlauf auszunutzen. Ein kurzer Überblick über die Szene.
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FrankfurtSie lieben den schnellen Deal und das prickelnde Risiko. Manche Daytrader halten ihre Positionen nur Minuten, manche nur Sekunden. Andere sind ein paar Stunden dabei, nur in seltenen Fällen stoßen Daytrader ihre Papiere erst nach mehreren Tagen ab. „Die jetzigen Finanzmarktturbulenzen sind zum Geldverdienen genial“, sagt ein etwa 45-jähriger Trader, der wie die meisten Kollegen seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Die hohe Volatilität der Märkte kommt ihm gelegen, denn beim Daytrading geht es darum, Kursschwankungen im Tagesverlauf auszunutzen. Ob die Kurse dabei nach oben oder nach unten gehen, spielt keine Rolle. Wichtiger ist, dass es klare Trends gibt. Wenn die Märkte wie derzeit direkt auf Nachrichten von Notenbanken oder aus der Politik reagieren, ist der moderne Glücksritter ganz in seinem Element.

Acht Monitore hat er vor sich, die Kursverläufe und die Nachrichtenagenturen immer im Blick. „Egal, wie der Markt ist, es geht immer was“, sagt der Daytrader, der seine Investments nach der Nachrichtenlage ausrichtet. Andere seiner Kollegen orientieren sich ausschließlich an charttechnischen Signalen.

Der Kreis der Daytrader ist klein, die Vielfalt der Anlagestile groß. Nur 200 bis 300 professionelle Daytrader gebe es in Deutschland, berichtet der Mittvierziger. „Und im Grunde macht jeder was anderes. Jeder hat sein eigenes Konzept.“ Ob Aktien, Währungen, Rohstoffe, ob Futures, Optionsscheine oder andere Zertifikate: Gehandelt wird bei Daytradern alles, was der Markt hergibt.

Nicht selten geht das auch schief. „Es gibt viele Glücksritter, die den Ausstieg nicht mehr finden.“ Gerade das Geschäft mit Optionsscheinen sei hoch riskant. Tatsächlich winken hier hohe Gewinne von mehreren Hundert Prozent – dafür können Zocker aber auch alles verlieren.

Ende der 90er-Jahre hat der Mittvierziger mit einem japanischen Optionsschein binnen drei Tagen 270 000 Mark verloren. „Ich kenne niemanden, der mit Optionsscheinen über längere Zeit Geld verdient hätte. Da werden jetzt wieder etliche einen Totalverlust erleiden. In Gesprächen mit Händlern höre ich, dass es in den vergangenen Tagen schon einige Kollegen zerrissen hat.“

Er selbst habe früher viel Glück gehabt. „Ich bin auch All-in gegangen mit geliehenem Geld.“ Der Begriff All-in kommt aus dem Pokerspiel und bedeutet, sein gesamtes Geld einzusetzen. Heute setze er nicht mehr alles auf eine Karte, sagt der Daytrader, und schon gar nicht auf die riskanteste. „Ich handele fast ausschließlich Aktien, Zertifikate nur zur Absicherung. Wenn man eine Politik der kleinen Schritte pflegt, sich diszipliniert und nicht zu gierig ist, dann ist es ganz einfach, erfolgreich zu sein.“ Positionen über zwei, drei Tage geht der Trader derzeit nicht ein. „Es weiß ja niemand, was am nächsten Tag kommt. Da kann dir ganz schnell alles um die Ohren fliegen.“


Kommentare zu " Daytrader: Die Glücksritter des digitalen Zeitalters"

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  • Daytrader, die Aktien kaufen? Das ist wie Fahrradfahren gegen Formel-1,
    zumindest auf deutschen "Rennkursen", sprich Banken.
    Die Gebühren sind viel zu hoch.
    Der richtige Daytrader handelt Futures, andere CFDs, andere wie ich handeln Forex und Indizes.
    Das einzige, was zählt, ist eine Kurs-"Änderung".
    Am besten ist es, wenn sie in einem Trend mit einer großen Änderung endet, wie heute, 15.8., EURUSD, DJIA, EURJPY, GPDUSD, EURGBP.

    Den "Glücksritter" muß ich jedoch energisch zurückweisen.
    +300% Equity in 3 Monaten, bis zu 8% pro Tag, in August 43 Trades, davon 9 mit Verlust, Profitfaktor > 3.

    PS: was ist ein "professioneller Daytrader" nach diesem Beitrag?

  • mein Stil...Aktien und ab und mal was mit Hebel zur Absicherung

  • besser an der börse "zocken", als kleine kinder von bank-manangern entführen und ermorden, und anschließend im gefängnis schmerzensgeld einzuklagen.

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