Der Erfolg von BHP Billiton beruht auf dem China-Boom – und der Sparsamkeit
Analyse: Jeden Cent zweimal umgedreht

Es mutet eigenartig an, wenn ein Unternehmen einen Rekordgewinn meldet und der Aktienkurs sinkt, weil das Ergebnis „nur“ um 200 Millionen Dollar über den Erwartungen der Analysten liegt. So erging es im September dem globalen Rohstoffkonzern BHP Billiton, als er den höchsten Gewinn in der Geschichte Australiens bekannt gab: 8,6 Mrd. australische Dollar (rund 5,4 Mrd. Euro).

HB MELBOURNE. Ein weiterer Auslöser der Trotzreaktion: Die Anleger hatten es BHP-Chef Chip Goodyear verübelt, dass er trotz voller Kasse mit der Dividende knauserte.

Doch gerade der notorisch vorsichtige Umgang mit Kapital ist ein Grund dafür, dass BHP, seit 2001 mit der britischen Billiton fusioniert, seine Position als weltgrößtes diversifiziertes Rohstoffhaus stetig festigt. Trotz hoher Liquidität dreht die Zentrale in Melbourne jeden Cent zweimal um, ehe sie ihn ausgibt, etwa für Übernahmen. So verhandelten die Australier jüngst monatelang um WMC Resources, den letzten freien Rohstoffkonzern Australiens von substanzieller Größe.

Im Übernahmekampf gegen die Schweizer Xstrata zahlte BHP am Ende 7,2 Milliarden US-Dollar. Das war zwar viel Geld, aber eine sinnvolle Investition. Denn so schuf sich BHP auf einen Schlag ein Standbein in einem der laut Experten größten Zukunftsmärkte der globalen Rohstoffindustrie: Uran. WMC sitzt in Südaustralien auf etwa 25 Prozent der weltweit bekannten Reserven des nuklearen Brennstoffs.

Damit reichert der Gemischtwarenladen unter den Rohstoffunternehmen sein Sortiment weiter an. Ob Aluminium, Kohle, Kupfer, Mangan, Eisenerz, Nickel, Silber oder Titan – überall hat BHP bereits global führende Positionen. Zudem hält der Konzern wesentliche Beteiligungen in den Bereichen Erdöl, Flüssiggas und Diamanten.

Böse Zungen führen seinen Erfolg darauf zurück, dass er seit drei Management-Generationen von Ausländern geführt wird. Ganz Unrecht haben sie nicht: Mitte der neunziger Jahre – noch unter australischer Führung – gab es eine Reihe fataler Fehlinvestitionen. Milliardenteure Projekte mussten abgeschrieben werden, Köpfe rollten. Heute wacht der Amerikaner Chip Goodyear über 36 000 Angestellte in 100 Betrieben in 25 Ländern.

Doch der Vergleich mit damals ist unfair. Denn zurzeit genießt BHP die größte Rohstoffhausse seit hundert Jahren. Die Nachfrage aus China führt dazu, dass die Australier jedes Gramm Eisenerz verkauft haben, ehe es aus dem Boden geschaufelt ist. China ist der größte Abnehmer – Tendenz steigend. Das „China-Syndrom“ ist einer der Hauptgründe dafür, dass der Aktienkurs seit zwei Jahren kometenhaft gestiegen ist.

Zum Teil deutliche Kursschwankungen in jüngster Zeit zeigen aber, wie unsicher viele Anleger gleichzeitig geworden sind. Ist BHP Billiton zu abhängig von der Entwicklung in China? Die Antwort ist ein klares Nein. Die breite Produktpalette und die Präsenz in vielen Märkten außerhalb Chinas machen BHP nahezu krisensicher.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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