Der Optimist

Die Weltwirtschaft hat die beste Zeit vor sich

Die Aktienmärkte verloren innerhalb einer Woche 2,5 Billionen Dollar an Wert - und viele Investoren und Politiker offenbar den Verstand. Ein Plädoyer für Zuversicht.
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Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

DüsseldorfIn der Idiotie des modernen Börsenkapitalismus verdichten sich Flüchtigkeiten und Befürchtungen aller Art zu einer Wirklichkeit neuen Typs. Doch das rote Flackerlicht, das von den Handelsplätzen in New York, London und Frankfurt zu uns herüberleuchtet, ist ein Irrlicht. Die Weltwirtschaft steht nicht am Abgrund, sondern hat - trotz aller Probleme in Amerika und bei uns - die beste Zeit erst noch vor sich. Sechs gute Gründe zur Zuversicht.

1. Die Weltwirtschaft wächst.

Mit der Globalisierung ist die Welt in ein Zeitalter großer Wachstumsschübe eingetreten. In absoluten Zahlen ist der weltweite Ausstoß an Gütern und Dienstleistungen in den zehn Jahren seit 2000 doppelt so stark gewachsen wie in der Dekade zuvor. Die Direktinvestitionen in neue Fabriken erreichten 2010 fast das Vor-Lehman-Niveau. Trotz schwächelnder Konjunktur rechnet der Internationale Währungsfonds mit einem globalen Wachstum von 4,4 Prozent für 2011. Hauptprofiteur werden die Aktiengesellschaften sein, die von der Angstbörse dieser Tage nach unten geprügelt wurden.

2. Die Ungleichgewichte schwinden.

Der relative Abstieg der USA wird begleitet vom märchenhaften Aufstieg der Länder, die wir früher die Dritte Welt nannten. Unter den zwölf größten Wirtschaftsmächten befinden sich mit China, Indien und Russland drei, die im 20. Jahrhundert noch mit Hungersnöten und Massenarmut kämpften. Der Aufstieg immer neuer Nationen treibt das Wachstum aller Nationen - insbesondere jener Firmen, die sich auf das Geschäft mit Export und Import verstehen.

3. Corporate America ist stark.

Nach Jahrzehnten der Niedrigsteuerpolitik und der extensiven Kriegsführung im Irak, in Afghanistan und Pakistan steht der US-Staat schwächlich da. Corporate America aber, der Unternehmenssektor, zeigt sich stabil. Die Gewinne übertreffen - trotz Staatsschuldenkrise - einmal mehr die der Euro-Zone. Ausländische Investoren pumpten im Jahr 2010 rund 228 Milliarden Dollar in die USA - mehr als doppelt so viel wie nach China. Auch die Innovationskraft Amerikas ist ungebrochen. US-Technologieriesen wie Google, Microsoft, Apple und Facebook definieren die Standards der Internetgesellschaft.

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21 Kommentare zu "Der Optimist: Die Weltwirtschaft hat die beste Zeit vor sich"

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  • Also ich habe noch in der Schule gelernt, daß der Konsum von LSD schlimme Folgen haben kann. Scheint sich zu bestätigen

  • Ach Gott, Herr Steingart: Nichts gegen Ihren professionell vorgetragenen Optimismus, aber hier wird doch etwas zu blauäugig schöngeredet, oder? Besonders Ihre Ausführungen in Ziffer 5 sind von einer geradezu rührenden Naivität, die einem Chef-Redakteur einer namhaften Wirtschaftszeitung allerdings eher nicht so gut steht. Nach allen bisherigen Erfahrungen mit Prophezeihungen zum Euro und zur EU finde ich Ihre Prämissen geradezu lächerlich: Verstärkte politiche Integration? Es driftet ja wohl eher auseinander, und der Spaltpilz ist der von Ihnen fast sektenhaft verehrte Euro. Und die Transferunion, die, natürlich in "ökonomisch vertretbaren Grenzen", Wachstum schafft und Wohlstand für alle mehrt? Welche Droge muss man rauchen, um sich derartigen Tagträumen hinzugeben und: Gibt es die auch auf Krankenschein? Die Transfer-Union ist zunächst mal ein Bruch aller Versprechungen und Verträge und sie widerspricht ewindeutig dem politischen Willen der Mehrheit, zumindest in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern Europas. Und wer wirklich glaubt, er könne den europäischen Traum auf der Basis von Lug und Betrug verwirklichen, ist schlicht ein politischer Brandstifter. Dieser Transfer übersteigt bereits jetzt jedes vernünftige Maß und wird daher unseren Wohlstand vernichten, und zwar in großem Stil - spätestens bei Italien und Spanien ist der Ofen aus - wetten?! Lieber Herr Steingart: Wer immer noch die Gebetsmühle von der "Erfolgsgeschichte" des Euro dreht, ist entweder ein politischer Ignorant oder aber ein übler Demagoge, der die Regeln der Demokratie missachtet und den Bürgern ein bürokratisches Monster aufzwingen will, für das es nicht den Hauch einer Mehrheit gibt! Sorry, aber das musste mal gesagt werden.

  • Traurig, auch das Handelsblatt ist durch und durch korrupt und gleichgeschaltet wie auch die öffentlichen Rundfunkanstalten und die Presse. Es darf nicht gesagt werden, was Wirklichkeit ist, und das nun schon seit vielen Monaten...Freiheit und Demokratie ade, es wird Zeit meine Auswanderung voranzutreiben...

  • Entschuldigen Sie bitte, welche Drogen werden denn in der Chefredaktion gereicht. Von einem serösen Wirtschaftsblatt erwarte ich als Basis, dass sauber die ökonomischen Daten gemäß den verfügbaren Statisken der Weltbank, OECD,etc. zitiert werden und Grundkentnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge und politischer verfassungsmäßiger Randbedingungen beachtet werden, bevor solche Besinnungsaufsätze veröffentlicht werden

  • Wo ist denn der Optimismus?

    Mir kommt das alles sehr normal vor. Dabei denke ich, daß sich mein Einkommen alle 10 Jahre verdoppelt hat und sich mein Geld mit 4,5% verzinste.
    Doch wo bleiben die Produktionen? Textilindustrie? Uhren? Fotoapparate? Unterhaltungselektonik? Schiffsbau? Mich interessieren die Produktionen vor Ort und nicht sonstwo. Von Jahr zu Jahr werden weniger Jahresarbeitszeiten geleistet. Die Gesellschaft überaltert. Der Nachwuchs fehlt. Die Schulden steigen und steigen und jeden Tag werden die Voraussetzungen für neue Schulden geschaffen.

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/202/2/

  • Derzeit kann ich nicht alle Fakten (Behauptungen) nachprüfen. Ich gehe aber nach dem derzeitigen Wissenstand davon aus daß seine Fakten stimmig sind. I

    Das heißt aber nicht das diese Fakten für die Bundesrepublik Deutschland oder den Club der Verlierer (EU) zum Vorteil gereicht.

    Wir dürfen nicht vergessen daß wir trotz Aufnahme von neuen Mitgliedern in der EU (Malta, das freie Zypern, Polen, Rumänien, Bulgarien, Tschechei, Slowakei, Ungarn, Litauen, Lettland, Estland usw.) diese EU nicht wirtschaftlich, politisch oder Militärisch stärker geworden ist.

    Die Bedeutung der EU schwindet mit jedem Jahr.

    Der Weg der durch die EU eingeschlagen worden ist hat sich als Irrweg herausgestellt.

    Der Nutzen für die Bundesrepublik Deutschland hält sich in der EU in engen Grenzen, die Nachteile wachsen aber mit jedem Jahr.

    Die Zeit ist reif aus der EU auszutreten und wieder die eigenen Interessen zu verfolgen.

    „Der Club der Verlierer“ bleibt zwar ein wichtiger Handelspartner aber die Welt besteht nicht nur aus der EU. Das haben viele vergessen und die EU ist ein Klotz am Bein.

    Welchen Nutzen haben wir davon daß wir „Deutsche Steuergelder“ nach Polen überweisen damit diese für Unternehmen die Steuern senken.

    Was haben wir davon mit „Deutschen Steuergeldern (über die EU)“ die Türkei zu unterstützen damit dieses Land „fitt für Europa“ wird.

    usw.

  • Ich sage ja, der Mann hat recht, es läuft seit der Griechenlandkrise im Mai letzten Jahres auf eine Vertiefung der politischen Union hinaus (Fiskalunion, Transferunion, United States of Europe – nennen sie es wie sie wollen). Der Weg dorthin muß ja nicht immer aktiv sein, es genügt die passive Haltung mit der sämtliche Parteien und das politische Personal der Sache zusehen und nichts unternehmen, um es aufzuhalten.

  • Also Herr Steingart, als Sie noch beim SPIEGEL arbeiteten, waren Ihre Beiträge durchaus fachlich fundiert und kritisch, ganz im Gegensatz zu heute.

    Populismus pur, aber vor allem Lobbyismus und, das sollte gerade Ihnen zu denken, keine Fakten, nur unrealistische Träumereien. Sie schlagen sich weit unter Wert.
    Sehen Sie die Realität nicht mehr?

    Sind denn die Banken beim Handelsblatt so stark, dass Sie keinen Wert mehr auf kritischen Journalismus legen?

  • ....so schlimm es auch ist, die Art des Kommunismus wird siegen. Kein Reichtum..keine Gier..keine Gier..kein Krieg..kein Krieg..mehr Finanzmittel..Gleichheit für alle..

  • Verzeihen Sie Herr Steingart, was Sie hier schreiben ist erbärmlich,weil es der Versuch ist jeden Blick auf die Realität zu verstellen. Dass die Reichen aller Länder reich sind ist kein Trost, sondern ein Desaster, aus dem sich die Krise nährt. Ihre Träumereien verhindern natürlich realistische Taten. Ist Ihnen entgangen, dass die Arbeitsgesetze, die Unternehmens- und Spitzensteuersätze, die Arbeitslosenzuschüsse, die Sozialausgaben und Renten überall geschleift wurden und werden. Dadurch ist ein unproduktiver zerstörende Reichtum in den Händen weniger entstanden, der Tag ein Tag aus seine Rendite in den abenteuerlichsten Spekulationen sucht und die Arbeitnehmer erwirtschaften müssen. Das funktioniert seit Jahren aber nur, indem man ihre Rechte und Löhne kürzt. Und so werden bei Gewinnen Menschen in Hatz IV geschickt oder im Niedriglohnsektor um ihren letzten Cent gebracht. Ihre Lobhudelei ist zynisch und elendig dumm. Clevere Wirtschaftsjournalisten lernen von Bankenchefs blind auf die Risikomodelle ihrer Experten zu vertrauen, investierten um ein Beispiel zu nennen im amerikanischen Häusermarkt. Dabei halten sie sich für gefährliche Wölfe und doch nur dumme Schafe. Wie schreibt Constantin Seibt im Schweizer Tagesanzeiger: Ökonomie ist keine Wissenschaft, sie ist eine Kunst. Wer hinsieht, weiß: Es gibt keine Situation ohne Alternativen. Und damit beginnt jede Politik. Es ist Zeit, die selbstverschuldete ökonomische Unmündigkeit hinter sich zu lassen. Und drittens dürfen Linke und Liberale nicht mehr eine Krise verschwenden – so wie die Bankenkrise. Kein Land hat es geschafft, seine Finanzindustrie in den Griff zu bekommen. Und aus ihr das langweilige, solide Geschäft zu machen, dass es über Jahrzehnte hinweg war. Und schließlich sollte man die alten Konservativen ein wenig stärken. Schon, um zu zeigen, dass es einst eine kluge, respektable Rechte gab." Das ergibt einen Sinn, nicht Ihre hier vorgeführte stupid-fatale Beschwichtigungsstrategie.

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