Derivate-Handel
Banken streiten mit Stuttgarter Börse

Die zweitgrößte deutsche Börse in Stuttgart sieht sich wachsender Kritik an ihrem für 2007 geplanten neuen Marktmodell ausgesetzt. Einzelne der 29 Banken, die dort ihre verbrieften Derivate handeln lassen, sind so unzufrieden, dass sie bereits über einen Rückzug aus Stuttgart sprechen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Auf einem Treffen in Frankfurt am 31. Oktober wollen sie nach Aussagen aus Finanzkreisen ihr Vorgehen koordinieren und die gemeinsame Haltung zwei Tage später auf einer Sitzung des zuständigen Börsenausschusses vortragen.

Im Kern geht es darum, dass die führende deutsche Börse für verbriefte Derivate diesen Handel in Zukunft nur noch von ihrer Schwesterfirma Euwax AG betreuen lassen will. Der Börsenverein als Träger der Börse Stuttgart hält an der hochprofitablen Euwax rund 75 Prozent. Bislang war auch der Makler Baader im Derivatehandel der Börse tätig. Dieser soll jetzt aber ausgeschlossen werden.

Baader droht seit längerem mit rechtlichen Schritten gegen die Pläne der Börse. Und auch viele Banken sehen durch den Verzicht auf einen zweiten Makler ihre Wahlmöglichkeit eingeschränkt. „Wenn ich mit der Euwax einmal nicht zufrieden wäre, könnte ich jetzt zur Konkurrenz gehen und meine Titel von denen betreuen lassen“, sagt ein hochrangiger Banker. Diese Möglichkeit würde ihm jetzt genommen.

Offiziell halten sich die kritischen Banken zurück. Ihr Sprachrohr ist der Präsident des Interessenverbandes Deutsches Derivate Institut (DDI), Dieter Lendle: „Wir sind für zwei Makler, weil das einfach sinnvoll ist“, sagt Lendle, der lange selbst Vorstand der Euwax war. Völlig geschlossen ist die Ablehnungsfront der Banken allerdings nicht. So hat die Commerzbank nach Aussagen eines Sprechers kein Problem mit dem Modell und will die Verträge diese Woche unterzeichnen. Die Börse Stuttgart verteidigt ihr neues Marktmodell, das neben der Reduzierung der Anzahl der Makler auch auf elektronische Kursfeststellung setzt, als notwendige Modernisierung. „Wir müssen unsere Qualität weiter entwickeln, sonst gehen wir im Wettbewerb unter“, sagte Börsenchef Christoph Mura dem Handelsblatt. Alles stehe jedoch noch unter dem Vorbehalt, dass der Börsenrat auf seiner Sitzung am 22. November dem Marktmodell zustimme. „Im Moment halten wir an der Entscheidung für einen Dienstleister fest.“

Die Börse Stuttgart, die für sich beanspruchen kann, den Boom bei den verbrieften Derivaten vor zehn Jahren mit ausgelöst zu haben, sieht sich wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Neben den außerbörslichen Handelssystemen, auf denen der größte Teil der Volumina gehandelt wird, bastelt auch die deutlich größere Deutsche Börse in Frankfurt gemeinsam mit der Schweizer Börse SWX an einem neuen Marktmodell. Sie setzt bislang im Parketthandel mehrere Börsenmakler ein.

Unter Experten ist strittig, ob es sich die kritischen Banken erlauben können, Stuttgart den Rücken zu kehren und nach Frankfurt zu gehen. „Die Anleger sind es gewohnt, ihre Zertifikate in Stuttgart zu handeln. Die Erfahrung zeigt, dass solche Gewohnheiten auch durch immensen Marketingaufwand kaum zu verändern sind“, sagt ein Analyst.

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