Deutsche-Bank-Tochter Registrar hilft
Wie Konzerne sich Mehrheiten „kaufen“

Wenn heute der Automobilkonzern Daimler-Chrysler mit seiner Hauptversammlung die Hochphase der diesjährigen Aktionärstreffen einläutet, dürften Zufallsmehrheiten wegen geringer Beteiligung der Vergangenheit angehören.

HB DÜSSELDORF. Denn nach Informationen des Handelsblatts bedienen sich in diesem Jahr so viele Dax-30-Konzerne wie noch nie professioneller Dienstleister, die ihnen Aktionäre „besorgen“. Mindestens die Hälfte der Konzerne – nach Aussagen aus Bankenkreisen neben Daimler auch BASF, Bayer, Continental, Eon, Tui und die Deutsche Börse – sichern sich so kalkulierbare Mehrheiten. Bereits im vergangenen Jahr stoppten die Unternehmen den langjährigen Trend der sinkenden Aktionärspräsenz. Erstmals seit 2002 war bei den Dax-Unternehmen mit 49 Prozent fast die Hälfte des stimmberechtigten Kapitals vertreten. Diesmal bemühen sich die Firmen noch mehr. Sie setzen dabei auf die Tochter der Deutschen Bank, Registrar Services. Die Gesellschaft bespricht mit den Vorständen die Tagesordnung und geht dann gezielt auf Aktionäre zu, um sie zur Teilnahme und Stimmabgabe zu animieren.

Die betroffenen Unternehmen selbst schweigen sich über solche Hilfe aus. „Dazu nehmen wir grundsätzlich nicht Stellung“, sagte am Dienstag ein Sprecher von Daimler-Chrysler im Vorfeld der Hauptversammlung. Registrar verweist auf die Verschwiegenheitspflicht gegenüber seinen Kunden. „In dem Maße, wie sich die Deutschland-AG auflöst, nimmt unser Einfluss zu“, sagt Registrar-Geschäftsführer Thomas Licharz.

Früher machten die vielen Überkreuz-Beteiligungen der Unternehmen Mehrheiten kalkulierbar. Die Firmen brauchten nur dafür zu sorgen, dass eine Hand voll Großaktionäre anwesend war. Das machte Gegenwehr praktisch unmöglich.

Doch inzwischen sind die Aktien der meisten Konzerne breit gestreut, familiengeführte Unternehmen wie Henkel und Metro die Ausnahme. Überlassen die Vorstände heutzutage die Abstimmungen dem Zufall, genügen häufig bereits 20 Prozent des gesamten Kapitals, um Entscheidungen durchzudrücken. Das ermöglicht Minderheitsaktionären großen Einfluss auf die Unternehmenspolitik.

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