Deutsche Börse AG
Im Bann des Fusionsfiebers

"Beim Betrachten der Baustelle kann leicht der Eindruck entstehen, dass in den vergangenen Wochen viel Altes entfernt wurde, aber noch nicht wirklich viel Neues entstanden ist", philosophiert die Börse in einem Brief an Kunden. Gemeint ist das Parkett, das zurzeit renoviert wird. Das Bild passt aber auch auf den Konzern.

Entfernt wurden Vorstandschef Werner Seifert und Rudolf Ferscha, Chef der Terminbörse Eurex, außerdem fast der gesamte Aufsichtsrat samt Aufsichtsratschef Rolf Breuer. Passiert ist sonst nichts. Das von Seifert begründete Geschäftsmodell funktioniert, der Konzern schreibt, vor allem dank Eurex, phänomenale Gewinne. Davon wird jetzt mehr ausgeschüttet als früher. Die Fusion mit der Pariser Euronext aber ist gescheitert, ein Zusammenschluss mit Zürich oder Mailand noch weit entfernt. Es gibt ein paar neue Marktsegmente und Produkte, aber nicht den großen Wurf.

Francioni versteht es, sich mächtige Bundesgenossen zu sichern. Beim Neujahrsempfang 2006 war der hessische Ministerpräsident Roland Koch Gastredner. Er warnte davor, bei einer Fusion mit Euronext zu viel Frankfurter Terrain preiszugeben, und forderte die Banken auf, Anteile an der Börse zu kaufen. Beides ganz im Sinne Francionis. Für den Neujahrsempfang 2007 hat Angela Merkel zugesagt. Mal sehen, was sie verspricht und wie CDU-Wirtschaftsexperte und Börsen-Aufsichtsrat Friedrich Merz das findet.

Für die Börsen-Aktionäre, mit Ausnahme der Hedgefonds, die jetzt nur schwer aus der Aktie herauskommen, ist es vermutlich sogar gut, dass es keinen Zusammenschluss mit Euronext geben wird. Fusionsabenteuer können teuer werden. Klar, wenn die Börse mit Alma Ata kooperiert, landet Börsenchef Reto Francioni nicht auf Seite eins des "Wall Street Journal". Aber auch kasachische Aktien können Geschäft bringen. Und wenn die New Yorker Börse (Nyse) die Euronext und die US-Computerbörse Nasdaq die Londoner Börse LSE schluckt, ist Frankfurt der einzige große europäische Marktplatz, auf den die wegen ihrer rigiden Regeln gefürchtete amerikanische Börsenaufsicht SEC keinen Zugriff hat. Das könnte Frankfurt für ausländische Unternehmen attraktiver machen.

Noch sind die transatlantischen Börsenbündnisse aber nicht in trockenen Tüchern. Die Euronext-Aktionäre und die der Nyse haben den Zusammenschluss (der faktisch eine Übernahme von Euronext durch die Nyse ist) befürwortet. Auch das Management beider Börsen ist dafür. Jetzt steht nur noch die Zustimmung der Aufsichtsbehörden aus. Viel rauer als in Paris ist das Klima in London. LSE-Chefin Clara Furse will nicht, dass ihre Börse komplett von den Amerikanern geschluckt wird. Die Nasdaq legte deshalb ein feindliches Übernahmeangebot für die LSE vor. Wenn gut ein Fünftel der LSE-Eigner das Angebot annimmt, die Frist läuft bis zum 11. Januar, hätten die Amerikaner gesiegt und könnten die mit Abstand größte Börse der Welt bauen. Viele Aktionäre setzen aber darauf, dass die Nasdaq noch mal nachlegen muss. Der LSE-Börsenkurs liegt bereits wieder über den von der Nasdaq gebotenen 1243 Pence je Aktie.

Der Ausgang des Spiels ist also noch offen. Am Ende, spekulieren ganz verwegene Börsenbeobachter, könnte Francioni Clara Furse doch noch galant als Weißer Ritter zur Hilfe eilen.

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