Deutsche Börse Frankfurt
Die Rückkehr des Parketts

Die Deutsche Börse eröffnet in der kommenden Woche ihren renovierten Handelssaal. Die Tische sind neu, die Anzeigetafel alt. Rund 70 Börsianer werden auf dem sanierten Parkett arbeiten – und wehren sich gegen den Vorwurf, zu reinen TV-Statisten zu verkommen.

FRANKFURT. Für ein paar Stunden wird es am Frankfurter Börsenparkett sein wie früher, wenn am 26. Februar der große, frisch renovierte Handelssaal wiedereröffnet wird. Zum Festakt morgens um 9 Uhr wird das sonst so gähnend leere Parkett mit beschlipsten Anzugträgern bevölkert sein, Vorstandschef Reto Francioni wird die alte Börsenglocke zu Handelsbeginn läuten, und vermutlich wird ein Spaßvogel den ersten Kurs des Tages wie zu Kaisers Zeiten laut in den Saal rufen. Die allgegenwärtigen TV-Leute werden es ihm danken.

Vor allem für die sieben regelmäßig vom Parkett berichtenden TV-Teams hat sich die Börse den viermonatigen Umbau gut neun Millionen Euro Kosten lassen. Eine „moderne Anmutung“, sagt Börsenmanager Rainer Riess, soll das Aushängeschild der Börse attraktiver machen. Dazu wurden die blutroten Theken, hinter denen die Händler stehen, und das Parkett aus den späten 80er Jahren herausgerissen. Fünf runde, raumschiffähnliche „Schranken“, so heißen die Theken im Börsenjargon, ersetzen das alte Interieur.

Ins rechte Licht rückt sich die Börse durch ein von der Decke hängendes Werbebanner in Form eines Kronleuchters. Die dort angebrachte Werbebotschaft wird wirkungsvoll von den Fernsehkameras eingefangen. Das Banner dreht sich in etwas mehr als einer Minute lediglich einmal. Zeit genug, um beim klassischen Aufsager der TV-Reporter vom Parkett seine Botschaft abzuladen. Jeden Tag vor der Tagesschau soll der Nation gezeigt werden, dass Frankfurt die führende Börse Deutschlands ist. Der lange den Regionalbörsen überlassene Privatkunde wird so umworben.

Es gehört allerdings nicht viel Mut zu der Prognose, dass die gut 70 Börsianer innerhalb der fünf wirklich „spacig“ wirkenden Schranken nach dem Festakt zur Wiedereröffnung schnell wieder unter sich sind. Schließlich sitzen ihre Kunden heute in den Handelsräumen der großen Banken und schicken ihre Order per Datenleitung. Über 90 Prozent des deutschen Aktienhandels werden mittlerweile über das rein elektronische Handelssystem Xetra abgewickelt.

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