Deutsche Börse kann die Spitzenposition der Stuttgarter Euwax im Optionsgeschäft nicht gefährden
Frankfurt bleibt mit Derivaten zurück

Der Deutschen Börse gelingt es kaum, im Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten Marktanteile zu gewinnen. Ein Jahr nach dem Start der Plattform Smart Trading in Frankfurt bleibt die Euwax in Stuttgart der bevorzugte Handelsplatz der Anleger.

FRANKFURT/M. Rainer Riess, der bei der Deutschen Börse zuständige Manager, hatte beim Start von Smart Trading die Marktführerschaft als Ziel genannt. „Wir verfolgen eine langfristige Strategie“, sagt er nun. Er räumt aber ein, dass die Marktanteile im umsatzstarken Geschäft mit Hebelprodukten noch ausbaufähig seien.

Optionsscheine und Zertifikate, mit denen Privatanleger auch bei kleinen Einsätzen am Derivategeschäft teilhaben können, sind hier zu Lande sehr beliebt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 168 Mrd. Euro damit umgesetzt, davon gut zwei Drittel außerbörslich, also direkt zwischen Emittent und Anleger. Damit gilt Deutschland als weltgrößter Markt. Die Börse Stuttgart hat das Potenzial früh erkannt. Schon 1999 startete sie mit der Euwax ein Segment, das sich auf derivative Produkte spezialisiert hat.

Bei Optionsscheinen und Hebelprodukten führt die Euwax auch heute um Längen. Von gut 14 Mrd. Euro, die 2004 bis Ende August damit umgesetzt wurden, wurden 91 Prozent in Stuttgart gehandelt. Weniger deutlich ist der Vorsprung bei Anlagezertifikaten. Hier kommt die Euwax im laufenden Jahr auf einen Marktanteil von gut 50 Prozent. Andreas Willius, Vorstand der Börse Stuttgart sieht den Wettbewerb gelassen. „Wir nehmen die Konkurrenz ernst“, sagt er aber, schließlich sei Smart Trading ein funktionierender Marktplatz.

Wie andere deutsche Regionalbörsen sucht Stuttgart eine Nischenstrategie, um neben der übermächtigen Deutschen Börse, die 97 Prozent des deutschen Aktienhandels auf sich vereint, zu bestehen. Mit der Konzentration auf Derivate für Privatanleger hat sie sich ein klares Profil verschafft.

Aber auch Riess sieht die Deutsche Börse auf gutem Weg, Marktanteile zu gewinnen. „Die Börse Frankfurt ist Qualitätsführer bei Anlage- und Hebelprodukten, diese Botschaft wollen wir den Privatanlegern noch besser kommunizieren“, sagt er. Die Marktteilnehmer bewerten das anders. „Die Deutsche Börse liefert keinen wirklichen Mehrwert, sie hat einfach das Konzept der Euwax kopiert“, sagt der Vertreter eines Emittenten, der nicht genannt werden will. Für andere Emittenten steht der Wettbewerb im Vordergrund. „Wir begrüßen, dass die Deutsche Börse sich in diesem Bereich profiliert“, sagt Stefan Armbruster, Derivateexperte der Deutschen Bank. „Das Rad ist in Frankfurt nicht neu erfunden worden, aber das durfte man auch nicht erwarten“, meint er.

Seite 1:

Frankfurt bleibt mit Derivaten zurück

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%