Deutsche Börse
Neue Regeln wirbeln Dax-Indizes durcheinander

Die heftigen Turbulenzen bei Volkswagen-Aktien zwingen die Deutsche Börse zum Handeln: Um die eigenen Indizes berechenbarer zu machen, ändert das Unternehmen ab Dezember die Index-Regeln. Im Dax könnten sich daraus gleich zwei Änderungen ergeben.

FRANKFURT. Die neuen Indexregeln, die die Deutsche Börse gestern vorgestellt hat, könnten für etablierte Namen wie Continental, Epcos, IKB, Versatel, AMB Generali und eventuell schon bald auch Volkswagen das Aus in den deutschen Auswahlindizes bedeuten. Grund dafür sind die neuen Veränderungen am bisherigen Regelwerk, die speziell für Werte greift, deren Anteil an frei handelbaren Aktien (Free Float) sehr gering ist.

Wegen der großen Verwerfungen an den Märkten, für die Anfang Oktober vor allem der Automobil-Hersteller VW stand, hat die Deutsche Börse für die nächste Indexüberprüfung im Dezember ihr Regelwerk verändert. Statt bisher bei mindestens fünf Prozent muss nun der Anteil der frei handelbaren Aktien unter allen Papieren eines Unternehmens bei mindestens zehn Prozent liegen. "Durch das, was sich bei VW abgespielt hat, waren wir gezwungen, etwas zu tun", sagt Hartmut Graf, Leiter des Indexgeschäftes bei der Deutschen Börse. Er machte gleichzeitig klar, dass es diese Veränderungen nie so schnell gegeben hätte, wäre es nicht zu diesen Kursverwerfungen gekommen.

In der ersten Oktoberhälfte war der Kurs der VW-Aktie innerhalb weniger Tage von einem Niveau um 200 Euro kurzzeitig auf über 1 000 Euro gestiegen. Hintergrund war eine Meldung des Porsche-Konzerns, dass dieser über 40 Prozent direkt und rund 30 Prozent über Optionen hält. Da ein Anteil von 20 Prozent fest in Händen des Landes Niedersachsen liegt, war damit plötzlich klar, dass sich weniger als zehn Prozent der Aktien im freien Handel befänden, sobald Porsche seine Optionen einlösen sollte. Viele Spekulanten hatten vorher in Unkenntnis dieser Situation auf fallende Kurse gewettet hatten und mussten sich daraufhin mit Aktien an der Börse eindecken. Dort trafen sie jedoch auf einen fast leeren Markt, weshalb der VW-Kurs regelrecht explodierte. Auch die Deutsche Börse geriet anschließend in die Kritik, hätte sie doch nach Ansicht von Fondsmanagern ihr Regelwerk früher gegen solche Fälle absichern müssen.

Jetzt reagiert die Börse: Ab Dezember werden nun Unternehmen, bei denen der Anteil frei handelbarer Aktien unter zehn Prozent liegt, innerhalb von zwei Tagen aus dem jeweiligen Index genommen. Als Konsequenz daraus könnte es bei der nächsten Indexüberprüfung Anfang Dezember gleich zu zwei Veränderungen im Dax kommen. Der Automobil-Zulieferer Continental, der gerade von der Schaeffler-Gruppe übernommen wird, könnte nach Berechnungen von Christian Stocker von der Unicredit in München seinen Platz räumen müssen. Zudem steht auch der Immobilien-Finanzierer Hypo Real Estate vor dem Abstieg, für den allerdings noch das bisherige Regelwerk dazu reichen würde. Dafür würden nach jetzigem Stand der Kosmetik-Hersteller Beiersdorf und der Stahlproduzent Salzgitter nachrücken.

Insgesamt müssen sich viele Unternehmen durch neue Detailregeln an Veränderungen des bislang sehr schwammigen Free-Float-Begriffes gewonnen. Beispielsweise stehen Konzerne, die sich in einem Übernahmeprozess befinden, künftig besonders im Fokus. Kommt es hier zu Veränderungen des Aktienanteils um mehr als zehn Prozent, finden diese Daten innerhalb von zwei Handelstagen Einfluss auf den Streubesitz. Im Extremfall droht anschließend der Ausschluss aus dem Index.

Zudem werden langfristig gehaltene Anteile von Fonds künftig nicht mehr dem Free Float zugerechnet. Aktien von Investoren wie beispielsweise Private-Equity-Gesellschaften gelten demnach künftig als im Festbesitz und nicht mehr für den freien Handel verfügbar. Eine Besonderheit hat die neue Regel jedoch: Sie gilt erst für die Aktien, die in Zukunft erworben werden. Anteile wie die der beiden Hedge-Fonds TCI und Atticus an der Deutschen Börse, die diese in der Vergangenheit gekauft hatten, gelten weiter als frei handelbar.

Insofern stoßen manche Regeln bei Indexexperten auch eher auf Unverständnis: "Ich hätte ein einfacheres Regelwerk bevorzugt, schließlich gibt es auch jetzt keine hundertprozentige Sicherheit", sagt Lars Hamich vom Fondsanbieter Van Eck. Stattdessen laufe man nur dem Markt hinterher.

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