Deutsche Unternehmen uneins
Telekom und SAP stehen hinter US-Notierung

Während manche deutschen Firmen ihre US-Börsennotierung zurückziehen wollen, ziehen Vertreter von Deutscher Telekom und SAP eine positive Bilanz. Der Telekomanbieter und der Softwarekonzern werten ihre Aktiennotierungen in USA als Erfolg im Bemühen um US-Investoren.

tmo NEW YORK. „Für uns hat sich der Börsengang in New York gelohnt", sagt Friederike Edelmann, Investor-Relations-Managerin von SAP. Die Erstnotierung an der New York Stock Exchange (NYSE) im Jahr 1998 habe das Interesse von US-Anlegern und Researchhäusern geweckt. Heute halten Edelmann zufolge institutionelle US-Investoren mehr SAP-Aktien als deutsche Anlagefirmen. Nils Paellmann, Investor-Relations-Experte der Deutschen Telekom, hob die Rolle der US-Aktiengattung ADR (American Depositary Receipts) als Akquisitionswährung beim Kauf des US-Mobilfunkanbieters Voicestream hervor. „Ohne ADR wäre diese Übernahme unmöglich gewesen“, sagte Paellmann bei einer Veranstaltung der Deutschen Bank in der New Yorker Columbia-Universität.

Andere deutsche Unternehmen klagen über teure Berichtspflichten in USA durch das berüchtigte Sarbanes-Oxley-Gesetz und über hohe Hürden, die einen Rückzug von der US-Börsennotierung („Delisting“) erschweren. „Wir möchten uns zurückziehen, dürfen dies aber nicht“, sagte Stefan Wortmann, Sprecher des Graphitherstellers SGL Carbon, „daran ändert auch die geplante Lockerung der Delisting-Regeln nichts“. Neben SGL Carbon beklagt auch der Münchener Technologiekonzern Siemens die engen Regeln, unter denen die US-Finanzaufsicht SEC eine einmal erteilte US-Registrierung von Wertpapieren zurücknimmt.

Die amerikanische Finanzaufsicht SEC hat Ende Dezember 2005 einen Entwurf vorgelegt, der diese Regeln ein wenig lockert. Doch unverändert gilt: Wer seine Aktien an einer US-Börse notieren lässt und sich damit den Offenlegungspflichten der SEC unterwirft, kommt nur schwer davon wieder los. Unternehmen wie SGL Carbon und Siemens wollen beispielsweise die hohen Kosten nicht tragen, die das Sarbanes-Oxley-Gesetz mit seinen umfangreichen Berichts- und Offenlegungspflichten allen US-börsennotierten Firmen auferlegt.

„Die geplante Lockerung geht in die richtige Richtung, aber nicht weit genug“, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), der vor wenigen Wochen in New York gegenüber dem Chef der Leitbörse NYSE und Vertretern des US-Finanzministeriums die Forderungen der deutschen Firmen unterstützte. Auch das Deutsche Aktieninstitut, eine Lobby börsennotierter Firmen, und eine Gruppe von 17 europäischen Industrieverbänden kritisierte den SEC-Vorschlag als unzureichend.

Investor-Relations-Experte Paellmann bezifferte die Mehrkosten durch Sarbanes-Oxley als „Multi-Millionen-Dollar-Projekt“ für die Deutsche Telekom. Dem gegenüber stehe jedoch die Attraktivität einer US-Börsennotierung für amerikanische Investoren, die sich positiv auf die Telekom-Aktie ausgewirkt habe. „Die Frage eines Rückzugs von der New Yorker Börse stellt sich für uns gar nicht“, sagte Paellmann.

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