Deutschen halten sich zurück
Internationale Konzerne im Aktien-Kaufrausch

Rund um den Globus steht für zahlreiche Unternehmen derzeit der Rückkauf eigener Aktien im Fokus. Mehr als 3 000 Konzerne gaben zuletzt mehrere Hundert Milliarden Euro für derlei Programm aus. Aufallend zurückhaltend zeigen sich jedoch deutsche Unternehmen.
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DÜSSELDORF. Weltweit erwerben nach Handelsblatt-Berechnungen derzeit rund 3 000 Unternehmen eigene Aktien im Wert von knapp 400 Mrd. Euro. Vor einem Jahr summierten sich Rückkäufe und Ankündigungen auf weniger als 200 Mrd. Euro. Der Trend geht durch alle Branchen, ausgenommen sind nur die Banken, die ihr Eigenkapital erhöhen müssen. Allein die deutschen Unternehmen halten ihr Geld zusammen. Lediglich die Münchener Rück will bis zur Hauptversammlng im Frühjahr 2011 bis zu 15 Mio. eigene Aktien im Wert von maximal einer Mrd. Euro vom Markt nehmen. Seit Mai hat der Versicherer 350 Mio. ausgegeben. Die Deutsche Telekom versprach, zwischen August und Dezember 2010 für 400 Mio. Euro Aktien zu kaufen. Der Startschuss steht noch aus.

Dabei schwimmen gerade die deutschen Konzerne noch viel mehr im Geld als ihre amerikansichen Pendants. Nirgendwo sonst auf der Welt steigen die Firmengewinne so stark wie hierzulande. Die starke Nachfrage aus Schwellenländern macht sich vor allem beim Export-Vizeweltmeister bemerkbar. Allein im zweiten Quartal 2010 strichen die 30 Dax-Konzerne netto 17 Mrd. Euro ein, mehr als im gesamten Vorjahr. Ein Drittel der Firmen knüpft sogar schon wieder an die Rekordgewinne von 2007 an. VW etwa hält 24 Mrd. Euro Barreserven, Daimler 17 Mrd. Euro und Siemens 13 Mrd. Euro - sie stehen damit auf den ersten drei Plätzen in der Eurozone. Insgesamt summieren sich die Cashbestände der 24 Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne im Dax auf 123 Mrd. Euro. Auch das ist Rekord.

Grund für die Zurückhaltung bei Aktienrückkäufen ist die Einschätzung, dass die Zeit dafür nach der überwundenen Krise noch nicht reif ist. Das ergab eine Umfrage unter den größten Aktienrückkäufern in der Vergangenheit. Hinzu kommen strategische Überlegungen. Viele Vorstände schätzen die Bedeutung eines hohen Eigenkapitals heute höher ein als vor der Krise.

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