Deutschland bleibt Schlusslicht
Börsengänge kommen in Fahrt

Immerhin 17 Unternehmen haben seit Jahresbeginn in London den Gang an die Börse gewagt, sieben waren es an der Wall Street. In Japan startet am 24. Juni mit dem Hersteller von Tintenstrahldruckern Seiko Epson die größte Erstplatzierung in diesem Jahr, und in Italien plant der kommunale Versorger Hera eine Großemission.

FRANKFURT/M. Nach einer langen Durststrecke scheint der internationale Markt für Börsengänge wieder anzuspringen, mit einer Ausnahme – Deutschland. Keinen einzigen Börsengang gab es seit Jahresanfang, und auch in den nächsten Wochen sieht es trübe aus. Der Schweizer Porno-Produzent Erotic Media war mit einer Mini-Emission von nur 3 Mill. Euro im November 2002 der letzte Börsengang hier zu Lande.

Mehr als eine Liste von Kandidaten, die früher oder später an die Börse gehen könnten, existiert derzeit in Deutschland nicht. Zu den Namen, die Emissionsberater und Investmentbanker immer wieder nennen, gehören der Brillenhersteller Rodenstock und der Produzent von Geldausgabeautomaten Wincor Nixdorf. Auch die Baufirma Bauer aus Schrobenhausen steht auf der Liste, und aus Österreich kommt der Name des Fahrrad- und Motorradbauers KTM. Details oder gar einen festen Termin gibt es aber in keinem Fall.

„Niemand will der Erste sein“, heißt es unter Emissionsberatern. „Gerade die erste Platzierung steht unter erheblichem Erfolgsdruck“, sagt Stefan Sessler von der ING-BHF Bank. „Ein Scheitern wäre für den Markt ganz schlimm, das wissen die großen Player genau“, sagt Sessler. Hinzu kommt ein weiteres – speziell deutsches – Problem: Die privaten Anleger sind seit den herben Verlusten, die sie mit Neuemissionen am Neuen Markt einfuhren, extrem zurückhaltend. Hinzu kommt die schwache Wirtschaftslage, in der private Anleger nur wenig Lust auf spekulative Investments haben.

Experten rechnen derzeit damit, dass rund 90 % des Emissionsvolumens von institutionellen Anlegern übernommen werden müssten. In der Boomphase der Jahre 1999 und 2000 betrug der Anteil der Privatanleger noch bis zu 50 %. Emissionsberater fordern deshalb, dass die Unternehmen bereits vor der Bekanntgabe ihrer Börsenpläne mit Präsentationen bei Großinvestoren ausloten, wie groß deren Interesse an der Aktie ist.

Einen milliardenschweren Börsengang mit deutscher Beteiligung gibt es allerdings doch. Am 9. Juli will die Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) 25 % ihrer österreichischen Tochter Bank Austria an die Börse bringen.

Anders als in Deutschland ist weltweit nach dem Ende des Irak-Krieges ein Anspringen der Konjunktur für Börsengänge zu beobachten. In Japan soll die Platzierung von Seiko Epson beispielsweise bis zu 810 Mill. Euro einspielen. Die Emission profitiert vom Aufschwung der Technologiewerte in Japan und den USA.

Angesichts der Stärke der Tech-Werte verwundert es nicht, dass an der Wall Street die prominenteste Internetsuchmaschine Google als heißer Kandidat für einen Börsengang gehandelt wird. Schon heute sprechen Investmentbanker dort von der „mit Abstand interessantesten Platzierung des Jahres.“

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