Deutz
Der italienische Freund

Dass Vorstand und Aufsichtsrat einer Gesellschaft ihren Aktionären empfehlen, das Übernahmeangebot ihres Großaktionärs abzulehnen, kommt nicht alle Tage vor. Beim Kölner Motorenspezialisten Deutz ist dies so.

KÖLN. Der italienische Landmaschinen-Konzern Same-Deutz-Fahr hat Genussrechte und Wandelschuldverschreibungen in Aktien umgewandelt und dadurch seinen Anteil an Deutz von 28 auf 36 Prozent erhöht. Das Aktienrecht zwingt Same zu einem Übernahmeangebot an die freien Aktionäre. Doch der Großaktionär aus Treviglio will keine Mehrheit an Deutz, und der Kölner Vorstand will keinen Mehrheitsaktionär. Um also die freien Aktionäre vom Verkauf ihrer Deutz-Aktien abzuhalten, bot Same ihnen einen Preis unter dem Börsenkurs.

Deutz ist einer der wenigen konzernunabhängigen Motorenbauer. Das ist seine Stärke, die Großaktionär und Management erhalten wollen. Das Kölner Traditionsunternehmen baut kompakte Dieselmotoren, die in Baumaschinen, Pumpen, Landmaschinen und LKW eingesetzt werden, und größere Motoren vor allem zur dezentralen Stromerzeugung aus allen Arten von Gas.

Konzernchef Gordon Riske hat seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 den lange Zeit vor dem Kollaps stehenden Motorenbauer nicht nur weitgehend saniert, sondern auch konsequent auf diese Position des unabhängigen Anbieters ausgerichtet. Seine Strategie, Großkunden über Beteiligungen ans Unternehmen zu binden, aber die Abhängigkeit zu vermeiden, hat bei Volvo und Same-Deutz-Fahr funktioniert.

Der schwedische Konzern ist als größter Kunde mit 6,8 Prozent an Deutz beteiligt. Beide haben einen neuen Motor entwickelt, den Deutz bauen und Volvo in seine leichten LKW einbauen wird. Dafür hat Deutz in Köln eine neue Montagehalle gebaut und 2005 die Produktion gestartet. In der Endstufe des Ausbaus soll Volvo ab 2008 jährlich rund 25 000 Motoren erhalten.

Noch enger ist die Kooperation zwischen Deutz und Same-Deutz-Fahr. Die Italiener wollen bis 2007 die eigene Motorenfertigung vollständig aufgeben und Motoren nur noch von Deutz beziehen. Beide Gesellschaften arbeiten schon lange zusammen. 1995 hatte Same-Deutz-Fahr die Landmaschinensparte der damaligen Klöckner Humboldt Deutz übernommen, um von 2003 an die Beteiligung schrittweise auf jetzt 36 Prozent auszubauen. Mit den beiden Großaktionären erzielt Deutz rund 30 Prozent vom Umsatz.

Neben der Absicherung der Motorenlieferungen erreicht Same-Deutz-Fahr durch die Aufstockung der Beteiligung auch ein Ende der Übernahme-Spekulationen. In den vergangenen Wochen waren wiederholt Gerüchte aufgekommen, es gebe Interessenten für das wieder erstarkte Kölner Unternehmen. Allerdings hatten MAN, die häufig genannt worden waren, schnell abgewinkt mit der Begründung, es gebe zu viele Überschneidungen im Programm. Stattdessen dürfte Deutz für Investoren attraktiv werden, die an kleineren Paketen interessiert sind. Der Investmentfonds Fidelity hält bereits eine Beteiligung von gut fünf Prozent. Denn Deutz ist weiter auf dem Weg zur Gesundung. Die Zeit der hohen Sanierungsaufwendungen dürfte vorbei sein, die Eigenkapitalquote liegt über 20 Prozent, und für 2007 steht seit langer Zeit wieder die Zahlung einer Dividende auf dem Programm.

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