Die Chinesen denken anders
Chinesisch für Börsianer

Die Chinesen sind äußerst geschäftstüchtig. Deswegen hat wohl auch das Gebäude der Shanghaier Börse die Form von alten chinesischen Münzen, die in der Mitte durch einen Schlitz in der Form eines Rechtecks geprägt sind. Das an sich gute Omen wirkt sich in diesen Tagen jedoch nicht auf den Börsenhandel aus.

Im Gegenteil: Zurzeit herrscht gähnende Leere im größten Handelssaals Asiens, in dem 1 600 Handelsplätze eingerichtet sind. Gerade einmal 30 Händler waren im Durchschnitt in den jüngsten Tagen hier zu sehen und die auch noch zum Teil schlafend. Das Geschäft läuft einfach zu schlecht. Die Börse denkt deshalb darüber nach, einen Teil des Raumes für Computerserver abzuzweigen. Bis es so weit ist, wird aber noch regelmäßig ein Militär den Raum auf- und ab patrouillieren und über die dösenden Händler wachen.

Die Chinesen denken anders als die meisten Westeuropäer. Sie lieben das Wettspiel – auch an der Börse. In guten Zeiten werden Aktien in Minutenschnelle ge- und auch wieder verkauft. Vielleicht spiegelt sich die etwas andere Denke auch an den Kurstafeln der Shanghaier Börse wider. Während andernorts rote Zahlen Kursverluste symbolisieren, ist das in China ganz anders. Aktien, die zulegen, werden an der Kurstafel rot gekennzeichnet. Die Verlierer erhalten eine grüne Farbe. Diese Farbe liegt uns Westeuropäern schon näher. Denn grün steht für Hoffnung, die man nicht so schnell aufgeben sollte. Auch an der Börse.

Die Chinesen lieben es offenbar etwas aggressiver als die Deutschen. Während hier zu Lande Bulle und Bär für das Auf und Ab an der Börse stehen, kennen die Chinesen nur den Bullen, sprich den Kursanstieg. Zumindest herrscht dieser Eindruck, wenn man in die Shanghaier Börse geht, denn dort gibt es nur den Bullen. Das Kennzeichen für Kraft und Stärke ähnelt dort auch nur rudimentär dem Bullen, wie wir ihn kennen. In seiner marmornen Darstellung hat er mehr von einem Jaguar, der auf dem Sprung ist. Anstatt eines Bären hat die Börse eine riesige Schale aufgestellt, in die die Chinesen Münzen werfen. Vielleicht ist das Geld ja für die Verlierer an der Börse gedacht, die dadurch ein Almosen bekommen sollen.

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