Die Chronik am Montag
Ruhe ist erste Märktepflicht

Alle Hoffnung richtet sich auf die Politik: Nach dem Chaos der vergangenen Woche zittern Börsianer rund um die Welt, ob die Rettungspläne der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrienationen die Märkte diesmal beruhigen. Eine Chronik vom Montag.

BERLIN/FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrienationen (G7) kündigten am Wochenende in Washington an, dass sie Zusammenbrüche systemrelevanter Banken verhindern werden und notfalls mit Staatsgeldern die Finanzbranche stützen. Auch die Bundesregierung organisiert ein nationales Milliardenpaket.

Berlin, kurz nach Mitternacht:

Im Bundeskanzleramt sitzen Kanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) mit den Staatssekretären Jens Weidmann und Jörg Asmussen zusammen. Sie einigen sich auf alle wesentlichen Punkte des Rettungspakets. Kurz vor zwei Uhr ist der Vorentwurf für das Finanzmarktstabilisierungsgesetz fertig. Merkel und die Minister verabschieden sich. Die Spitzenbeamten feilen noch eine weitere Stunde am Gesetzentwurf.

Sydney, 1.30 Uhr: (alle Zeiten in Mitteleuropäischer Sommerzeit)

Die Welt blickt auf Neuseeland und Australien. Dort beginnt der Handelstag. In Neuseeland geben die Kurse leicht nach. Erleichterung hingegen in Australien. Der Leitindex ASX-200 legt bei Eröffnung mehr als fünf Prozent zu und bricht wieder durch die psychologisch wichtige Marke von 4 000 Punkten. So starke Gewinne innerhalb von Minuten gab es in Sydney seit elf Jahren nicht mehr. Vor allem Banken gehören zu den frühen Gewinnern.

Hongkong, 4.30 Uhr:

Aufatmen auch in Asien. Die weltweiten Stützungsaktionen beflügeln die Börsen. Seoul, Singapur und Hongkong legen im frühen Handel teils kräftig zu, die Kurse in Taiwan und Shanghai geben allerdings weiter nach. Die Börse in Tokio bleibt wegen eines Feiertags geschlossen.

Berlin, 7.30 Uhr:

Auf die Staatssekretäre Jens Weidmann und Jörg Asmussen wartet der nächste Termin: Sie müssen den Rettungsplan mit den Staatssekretären der übrigen Ministerien abstimmen.

Frankfurt, 8.31 Uhr:

Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt an, gemeinsam mit anderen Notenbanken weitere Dollar-Milliarden in den Geldmarkt zu pumpen.

London, 8.35 Uhr:

Die angeschlagene Royal Bank of Scotland (RBS) kündigt einen Kapitalbedarf von 20 Mrd. Pfund an. RBS-Chef Fred Goodwin tritt von seinem Amt zurück. Die Großbank Barclays braucht nach eigenen Angaben eine Finanzspritze von 6,5 Mrd. Pfund. Allerdings will Barclays nicht auf das Geld der Steuerzahler zurückgreifen, sondern sich die Finanzspritze von anderen Investoren holen.

Washington, 8.40 Uhr:

Der Internationale Währungsfonds (IWF) versucht, den Marktteilnehmern Mut zu machen. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn spekuliert darauf, dass der Höhepunkt der Finanzkrise möglicherweise bereits überschritten ist. „Dank der beschlossenen Maßnahmen liegt das Schlimmste vielleicht schon hinter uns“, sagt Strauss-Kahn.

Seite 1:

Ruhe ist erste Märktepflicht

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%