Die größten Verlustbringer 2008
Schmuddelkinder unter sich

In gut einem Monat jährt sich der Todestag des Neuen Marktes zum sechsten Mal. Das wäre nicht weiter berichtenswert, würden nicht die Anlegerschützer von der DSW alljährlich kurz vor dem Termin ihre Liste der 50 größten Kapitalvernichter am deutschen Aktienmarkt präsentieren.

FRANKFURT. Beinahe schon traditionell stammen etwa zwei Drittel der Genannten aus dem Segment, das einst "die größte Geldvernichtungsmaschine aller Zeiten in Deutschland" genannt wurde. Nun lässt sich nach den Ereignissen der vergangenen 20 Monate sicher trefflich darüber streiten, ob dieser unrühmliche Titel inzwischen nicht ähnlich einem Wanderpokal weitergegeben werden müsste. An Kreditverbriefer, Investmentbanker oder Hedge-Fonds-Manager beispielsweise. Wer die Liste der größten Kapitalvernichter des Jahres aber genauer studiert, wird feststellen, dass die Unternehmen vom einstigen Neuen Markt den Titel nicht kampflos abgeben wollen. Mit Tria IT und Travel24, Teleplan und Technotrans, Advanced Photonics, Adva Optical oder TV Loonland sind Namen dort vertreten, die im Tagesgeschäft kaum noch wahrgenommen werden. Nur einmal im Jahr tauchen sie aus der Versenkung auf, wenn die DSW ihre Liga der außergewöhnlichen Börsenverlierer zusammenstellt.

"Eigentlich könnte man ja denken, dass die Unternehmen, die nicht mit dem Neuen Markt untergegangen sind, über ein tragfähiges und erfolgreiches Geschäftsmodell verfügen müssen", sagt DSW-Geschäftsführer Ulrich Hocker. Falsch gedacht: Mit dem Münchener IT-Dienstleister Tria führt ein Unternehmen die Liste an, das schon vor zwei Jahren dort an erster Stelle stand. In der kombinierten Wertung aus Ein-, Drei- und Fünfjahres-Kursentwicklung ist der Abstand zum Zweitplatzierten, dem Online-Reisebüro Travel24, so groß, dass die Titelverteidigung sogar auch im kommenden Jahr möglich scheint.

Die alljährliche DSW-Auswertung ist für viele Investoren ein guter Anlass, sich längst vergessener oder verdrängter Börsengeschichten zu erinnern. Der Handy-Zulieferer Balda beispielsweise, der heute eher wegen seiner Touchscreen-Displays bekannt ist, rühmte einst die eigene Kreativität bei Handyschalen, mit denen heute beinahe klassisch anmutenden Geräten wie dem Nokia 3210 eine komplett neue Optik verpasst werden konnte. Heute finden sich Handy-schalen noch auf tschechischen Wochenmärkten nahe der deutschen Grenze - wenn überhaupt.

Beliebt ist auch das Frage-Antwort-Spielchen: Wie hieß das Unternehmen früher nochmal? Bei SHS Viveon ist das noch einfach. Die nannten sich bis Anfang 2006 SHS Informationssysteme. Etwas schwieriger wird es bei 313 Music JWP. Der Musik-Produzent, der so illustre Künstler wie Hansi Hinterseer, Heino und Mike Krüger vermarktet, hieß früher nach seinem Gründer Jack White Productions, woran noch immer das JWP im Namen erinnert.

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