Die Offenbarung der Banker: „Der Kick der Macht“

Die Offenbarung der Banker
„Der Kick der Macht“

Der Dramatiker Andres Veiel sprach für sein neustes Theaterstück mit 25 Bankern. Es entstand ein Protokoll über Zynismus, Gier und Eitelkeit. Im Interview erzählt er über illegale Deals und das Versagen der Politik.
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Herr Veiel, sind Banker schlechtere Menschen als andere?
Es geht mir nicht um eine nach oben offene Skala der Schlechtigkeit. Ich möchte Strukturen und Verantwortlichkeiten deutlich machen.

In Ihrem Theaterstück “Das Himbeerreich“, das aktuell an zwei Bühnen aufgeführt wird, erscheinen Investmentbanker als gierige, deformierte Spieler, die wenig aus der Finanzkrise gelernt haben.
Das ist die These, die seit Jahren kolportiert wird. Man muss genauer hinsehen. Die Gier ist nur ein Motiv für ihr Handeln. Wer mit Gehalt und Boni mehrere Millionen Euro verdient, denkt nicht nur ans Geld. Niemand braucht eine dritte Yacht.

Was treibt diese Menschen an?
Es geht um den Kick der Macht, viel Geld bewegen zu können. Je nach Aufgabenbereich können das dann mal hunderttausend Euro sein, mal eine halbe Milliarde. Es geht um ein körperliches Glücksgefühl, im Flow zu sein. Neben diesem emotionalen Element brauchen sie aber auch einen nüchternen Blick. Sie müssen unter großem Stress die Ruhe bewahren, weil kleine Fehler in den Abgrund führen können.

Welche Rolle spielt der Status?
Für viele zählt auch der Kundenkontakt. Was mache ich abends? Komme ich mit prominenten Kunden in einen Nachtclub, in den ich sonst nicht hineinkomme? Viele Banker entwickeln da eine empathische Intelligenz.

Was ist das Wesen des Bankers?
Es gibt nicht den Banker an sich. Individuen und Partialinteressen sind sehr unterschiedlich. Ein Vorstand möchte etwa einen guten Job machen, sein größtes Interesse ist die Entwicklung der Bank. Viele Banker haben die Finanzkrise vorausgesehen. Angestellte aus dem Privat- oder Firmenkundengeschäft kritisieren, dass unlautere Deals im Investmentbanking den Ruf des eigenen Hauses auf lange Sicht ruiniert haben. Etwa mit Wetten gegen die eigenen Kunden.

Kommentare zu " Die Offenbarung der Banker: „Der Kick der Macht“"

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  • @ fritzle
    Den Krieg verliert der, der hingeht und solange wir noch nicht zur Zwangsarbeit verdonnert werden, ist auch die Demokratie noch nicht tot. Es kann jeder noch für sich entscheiden.

  • Seit mittlerweile 5 Jahren droht die Weltwirtschaft gegen die Wand zu fahren, als Folge der Finanzkrise. Im Paradies Deutschland fürchten Millionen täglich, ihren Job in der nächsten Abwärtswelle zu verlieren. Dabei wissen sie noch gar nicht, dass sie das große Fiasko erst im Rentenalter erleben werden. In den EU Südstaaten gehen ganze Generationen junger Menschen vor die Hunde - nicht nur Junge.

    Und die Forderung nach einer Aufklärung von Vorbereitung, Hergang und Rettung bleibt eine akademische Randerscheinung im Theater und auf Arte. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist die Medien unter Kontrolle zu haben - wie das ein gewisser Herr Berlusconi gerade wieder vorgeführt hat. Wer die "Grundversorgung" steuert und die handvoll Medienimperien auf seiner Seite weiss, hat gut Lachen.

    Das vereinfacht vieles. Unter anderem die Usurpation und Ausübung der totalen, demokratisch nicht zu legitimierenden Macht. Und da versteht sich die Politelite glänzend mit den Bankstern.

    Fragt sich nur ob die Demokratie zurückkommt oder einfach begrifflich umgelabelt wird. Auf die Demokratie gebe ich keinen Pfifferling mehr. Der point of no return ist überschritten. Warren Buffett hat wieder mal recht gehabt. "Es tobt der Krieg Reich gegen arm - und wir werden ihn gewinnen."

  • Wer für diesen Sauladen noch einen Finger krumm macht, dem ist nicht zu helfen. Die einzige Art heute glücklich zu leben ist HartzIV, Tauschleistungen, Gefälligkeitsdienste und ein hämisches Grinsen.

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