Die Rückkehr der Zocker

Als hätte es die Finanzkrise nie gegeben

Sie galten als „Vernichtungswaffen“ und „Teufelszeug“ – CDOs oder CLOs. Strukturierte Wertpapiere, die die Welt beinahe in den Abgrund getrieben hätten. Nur vier Jahre nach der Lehman-Pleite sind sie wieder gefragt.
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Derivate-Händler in Chicago. Es geht wieder was. Quelle: ap

Derivate-Händler in Chicago. Es geht wieder was.

(Foto: ap)

New York, DüsseldorfWie gut - oder besser: wie schlecht - das Gedächtnis der Investoren ist, lässt sich in den USA bestaunen. Dort, wo die große Krise dieses Jahrtausends ihren Anfang nahm. Man möchte fast meinen, die Investoren hätten nichts gelernt aus den Fehlern der Vergangenheit, aber der Reihe nach. Bevor die große Krise im Jahr 2007 losbrach, hatten Banken in großem Stile Immobilien-Kredite an Kleinsparer vergeben. Das Problem dabei war, die meisten Schuldner konnten sich das eigene Häuschen eigentlich gar nicht leisten. Den Banken war das egal. Sie witterten das große Geschäft.

Die Kredite wiederum wurden zu Tausenden gebündelt und zu Derivaten, zu abgeleiteten Wertpapieren zusammengepackt. Verbrieft, wie es die Profis nannten. Und dann verkauft, vorzugsweise an institutionelle Investoren. An andere Banken oder Versicherer. Die Ratingagenturen vergaben ihr Gütesiegel AAA, weil das Risiko der verbrieften Papiere angeblich keines gewesen sei. Schließlich hatten die Derivate-Bastler der Banken eine Vielzahl einzelner Hypotheken zusammengepackt. Viele Einzelteile minderten das Risiko des Ganzen, so die Theorie. Und wenn dann tatsächlich mal der ein oder andere Kredit platzte - halb so wild.

Tatsächlich platzten eine ganze Reihe von Krediten, als der Boom auf dem Immobilienmarkt in den USA endete und die Preise kräftig fielen. Aus den Papieren mit Gütesiegel wurden über Nacht Ramschanleihen, die niemand mehr haben wollte. Toxische Papiere, die die Bilanzen riesiger Finanzkonzerne verseuchten. So wie die der einst stolzen Investmentbank Lehman Brothers, die am 15. September 2008 zusammenbrach.

Seither gelten dergleichen Wertpapiere, Collateralized Debt Obligations (CDO) beispielsweise und die mit ihnen verwandten Collateralized Loan Obligations (CLO), als Teufelsszeug. Warren Buffett, der weltbekannte Investor aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska nannte die Wertpapiere gar Massenvernichtungswaffen.

Der miese Ruf dieser Derivate scheint die Investoren allerdings nicht länger zu scheren. Nachdem in den vergangenen Jahren niemand die Papiere haben wollte, sieht die Sache mittlerweile ganz anders aus. Auf der Jagd nach Rendite rücken die Kreditverbriefungen bei Investoren wieder verstärkt in den Fokus.

Üppige Renditechancen
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26 Kommentare zu "Die Rückkehr der Zocker: Als hätte es die Finanzkrise nie gegeben"

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  • Derivate sind an sich nicht neu. Sie nahmen nur überhand, seit zuviel Liqidität die Märkte überschwemmt, Greenspan und Bernanke sei's gedankt. Und daran wird sich wenig ändern, Kontrolle hin oder her, solange diesr Zustand anhält.

  • es gibt ja derivate mit nur 2 BILLIARDEN Dollar, wo das zocken Standart,und der Gau vorprogramiert ist. wie schön.

  • Lieber otto67890. Dein Anlagepech tut mir Leid.

    (1) Die Telekomaktien haben mit diesen lustigen Abkürzungen (CDO usw.) Nix/Null am Hut. Der deutsche Staat hat Dir und vielen anderen die Telekom ziemlich teuer verkauft (Als schlcheter Trost: Damals hat die BRD dadurch fast einen ausgeglichen Haushalt geschafft. Noch ein schlechter Trost: Du bist nicht der einzige der in der DotCom Blase Geld verpulvert hat)

    (2) Dir "Deka Chance" Fonds ist so einen Funds-of-Funds Wundertüte (vor allem Aktien), wo alles mögliche Drin sein kann. Solche Fonds-of-Fondsstrukturen sind einfach nur sehr teuer (Überlege mal, in jeder Ebene wird eine Fee abgegriffen). Selbst dieses "Diversifikation"-argument, was damals höchstwahrscheinlich der Anlageberater anführte, ist i.d.R. vollkommener Quatsch.


    Nunja "Tipps".
    - Wahrscheinlich sind Aktien nichts mehr für dein Nervenkostüm. Irgendwann hat man ja auch die Schauze voll vom Thrill. Also "Renten" (später mehr)
    - Vermeide unnötige Gebühren. Nun da bleiben nur ETFs (Die sind alle schön OGAW, d.h. besichert)
    - Liquidität. Sprich du musst das Zeug ohne große Aufgabeaufschläge (oder Bid-Ask Spanne) verkaufen können (Checke ob Börsenhandel stattfindet und Eigenhandel Quotes stellt).

    Renten-ETFs:
    - Sovereign/Government: Vergiss es! Minizinsen. Da kannst du die Kohle aufs Tagegeld legen. Schwachsinnig.
    - Corporates/Financial: Neee lass mal. Branche unter sehr hoher regulatorischer Unsicherheit. Zu viel Thrill.
    - Corporates (Allgemein): Risikoaufschläge in letzter Zeit stark gesunken. Obwohl Daten zu Europäische Corporates schlechtes Wetter verheißen. Du würdest dich jetzt zu teuer einkaufen, und wenn du Pech hast einen Hit abkriegen (Corps haben immer Vola). Beobachten.
    - Inflation-Indexed: Hört sich immer toll an. Aber auch hier wärst du zu spät. Abwarten.
    - Covered Bonds: Das sind Pfandbrief-Indizies. Vola ist nicht so hoch (Aber Bondpreis-Regel gilt). Ich denke 5-jährige wären für dich gut

  • Oh hoo jemand der das Fachvokabular kann ... Kennen wir uns?

    Ja... der Sovereign-CDO "ESM". Aber der ist ja auch sooo total "risikolos", wie Kommunalkredite, Pfandbriefe, usw. Und warum? Weils ein Politiker gesagt hat - Und dann muss es ja wahr sein. Also Null Prozent Risikogewichtung ;) ... null prozent kupon yipiiieee... Ich sage nur Financial Repression.

  • Nee kleiner Spass.

    Das HB hantiert hier sehr oberflächig, und wirft faktische jede Form der Verbriefung (d.h. jede Kapitalstruktur außer von Firmen) in einen Topf. Ich kenne niemanden, der ernsthaft von sich behauptet die Risiken aller Verbriefungsarten die es gibt zu beurteilen (Das setzt irgendwie voraus, dass man sich auskennt).

    Es gibt locker ein Dutzend (wichtiger/zahlungswirksame) Merkmale (mit weiteren Merkmalsausprägungen) mit denen alleine die Kapitalstruktur von Verbriefungen differenziert werden kann (muss). Unterschiedliche Assets? Noch viel mehr! Daher fällt mir auch zu den pauschalen Stammtischgepolter des Handelsblatt nichts mehr ein. Das HB hat einfach mal einen Artikel für die Oberschenkelklopfer in diesem Land herausgehauen.

    Es ist wahr. Überall wo ein Cashflow rauskommt, kann verbrieft werden. Und es wurde auch ziemlich gemacht in Hochzeiten der 2000er Jahre. Da wird mir selbst auch manchmal ganz schwindelig. Aber nicht alles hat sich als "Teufelszeug" erwiesen (Und damit meine ich: Es ist empirisch nachweisbar). Und auch nicht alles hat verkorkste Anreizstrukturen (Worauf einige Kommentare hier ansprechen. Ja man kann das zumindestens analytisch untersuchen. Neben: Das ist viel anspruchsvoller als eine empirische Untersuchung). Pauschal Aussagen alle Verbiefungen seien "toll" ist genauso falsch wie alle Verbriefungen seien "schlecht".


    @Tibi
    macht es hier Sinn "Loans" zu erwähnen? Da können Sie hier mit einer Wand reden.



  • ... ich kann das ... es kommt immer nur drauf an ob es jemand hören will ...

  • Hallo liebe Forenteilnehmer.
    Ich bin 51 Jahre alt - verheiratet - 2 Kinder - Altenpfleger.
    Mein Bruttoverdienst 2132€.

    Ich habe bis heute mit Telecomaktien 1120€ Verlust zu Buche
    stehen -
    mein Fond Deka Chance weist ein Minus von 602€ aus.

    Alles seit 2006 Herbst - da war ich bei einem Anlageberater der hiesigen Sparkasse.
    So, wenn ich jetzt von einige Forenschreibern lese, wie CDF-CDO's etc. funktieonieren - od. sollten, da stellt sich für mich die Frage:
    Ist der 'Deutsche Michel' nicht in der Zwischenzeit etwas schlauer geworden? Oder einfach viel vorsichtiger!
    Ich möchte gerne Eure Meinung hören.......
    Gruß - ein deutscher unterdurchschnittlicher Verdiener - aber sehr fleißig arbeitender -mein 'Rücken' ist mein Beweis....

  • "Gehen Sie tatsächlich davon aus, daß die USA keinerlei Aktiva besitzt."

    Und, was wollen Sie damit sagen? Lehman hatte auch eine Menge Aktiva...

  • Des Rätsels Lösung: Die Fed kauft jeden Monat für 40 Milliarden $ absolut wertlose Papierschnipsel auf

    Das ist natürlich völliger Blödsinn was Sie da von sich geben.

    Gehen Sie tatsächlich davon aus, daß die USA keinerlei Aktiva besitzt.
    Und wie können Sie sich zumuten zu überblicken ob die USA Pleite also
    wertlos ist.

    Das können Sie nicht, bilden Sie sich das mal gar nicht erst ein.

    Das ist nicht nett, aber es muß sein.

  • Den Kopf bot der Versicher AIG

    Das war dann nicht nur ein Banken-sondern gleichfalls ein
    Versicherungsproblem.
    Als die Haftungen auf die AIG reinprasselten gings
    ja erst richtig zur Sache.
    Die Briefe müssen einfach im Risiko der Ausgeber und der Käufer bleiben.
    Ich muß keine Hausbank mir auswählen die solche Geschäfte forcieren.
    Zumeist waren ja die Käufer Landesbanken hierzulande.
    Die haben ja nichtmal eine breite Einlagenbasis,
    sondern halt den Steuerzahler hinter sich.
    Eine Landesbank darf man nicht durch die Kontrolle lassen, gerade diese müssen scharf kontrolliert werden oder besser weg damit, wenn nicht
    Bilanzsumme begrenzen.

    Die Papiere müssen nicht das Problem sein, der Umgang,
    es ist immer der Umgang

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