Die Teheraner Börse will sich ausländischen Investoren öffnen
Mammons zweite Chance

Der Lack ist ab. Das 13-stöckige Gebäude der Teheraner Börse im Süden der iranischen Hauptstadt wirkt von außen stark renovierungsbedürftig. Der Schriftzug „Börse Teheran“ beginnt bereits, sich von der verwitterten beigen Fassade abzulösen. Doch das tut der gelösten Stimmung im Handelsraum keinen Abbruch.

TEHERAN. Ein Mullah studiert zufrieden die Kurstafel. In den letzten drei Jahren habe er einen Gewinn von 150 Prozent erzielt, gibt er zu Protokoll. Mit Aktien, wohlgemerkt. Denn der Erwerb von Aktien sei eine „produktive Investition“. Sein Engagement werde also durch den Islam, der Spekulation verbietet, nicht behindert. Tabu sei aber der Handel mit Rohstoffen, da dies nicht als produktive Investition gelte.

Auf dem Börsenparkett gibt es viele zufriedene Gesichter. Die Aktienkurse haben sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, und auch in diesem Jahr ging es aufwärts. Doch bei aller Zuversicht ist die Aktienbörse noch ein kleiner Markt, der vom Staat dominiert wird und dem vor allem eines fehlt: ausländisches Kapital.

Das soll sich nun – langsam – ändern. Behrooz Isna, der neu ernannte Chef der Internationalen Abteilung der Teheraner Börse, kennt die Mängel des iranischen Kapitalmarktes. Er hat in Kanada Finanzwissenschaften studiert und will ausländische Anleger nach Teheran locken. Zudem will er iranische Firmen an den größeren Börsenplätzen der Region notieren lassen. Dafür müsse er sich ganz schön ins Zeug legen, meint er. Bei der Zentralbank setzt er sich für eine Lockerung der Devisenvorschriften ein, und die Parlamentarier muss er von der Notwendigkeit überzeugen, neue Fondsmodelle zuzulassen.

Doch das reiche nicht aus. Derzeit scheuen ausländische Investoren vor einem Engagement in Teheran zurück, weil ihnen sowohl die Liquidität als auch die Transparenz nicht genügen. Die Gesetze schützten zudem ausländische Investoren nur ungenügend. Es ist laut Isna fraglich, ob die im Entwurf bereits vorliegenden Gesetze Abhilfe schaffen können. Denn ausländische Investoren sollen laut Novelle die erworbenen Titel frühestens nach drei Monaten abstoßen dürfen, und sie müssen ihr Geld mindestens zwei Jahre lang im Iran lassen. Die Börse prüfe derzeit auch die Einführung neuer Finanzprodukte, sagt Isna, etwa Wandelanleihen. Um die Zahl der Aktionäre zu erhöhen, eröffnet die Teheraner Börse Zweigniederlassungen in den größeren Städten des Landes, zum Beispiel in Mashad, Tabriz, Shiraz und Isfahan. Künftig sollen ferner die Kurse online abrufbar sein, und die Markttransparenz soll verbessert werden.

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