Die Zahl der Börsen wird schrumpfen
Keine einheitliche Europabörse absehbar

Noch stehen die Börsengänge der Handelsplätze Madrid und Mailand aus. Daher rechnen die Chefs der europäischen Aktienbörsen nicht mit der Schaffung eines fusionierten europäischen Börsenkonzerns.

HB FRANKFURT. Angesichts der noch ausstehenden Börsengänge der Handelsplätze Madrid und Mailand - das wären die Nummern fünf und sechs der Branche - zeigen sich die Börsenchefs abwartend. „Die Zahl der Börsen wird schrumpfen, aber es wird weiter eine ganze Reihe von ihnen geben“, sagte Jukka Ruuska, Präsident der skandinavischen Börse Hex Integrated Markets, am Mittwoch in Frankfurt auf dem Jahrestreffen der Europäischen Börsenvereinigung Fese.

Vor allem die kleineren Börsen betonen ihre lokale Bedeutung. „Es wird eine komplexe Struktur kleinerer, mittlerer und größerer Börsen mit allen Arten von Verbindung geben“, sagte Wieslaw Rozlucki, Chef der Börse Warschau. Kleine Börsen könnten zum Beispiel Handelssysteme großer Partner nutzen, statt eigene System zu betreiben, sagte er. Den lokalen Betreibern blieben dann immer noch wichtige Betätigungsfelder. „Zugang zu den Börsengangskandidaten und Marktaufsicht bleiben wichtige Aufgaben der Börsen vor Ort“, sagte er. In welcher Verbindung seine Börse sich in Zukunft wiederfinden wird, ließ er offen. „Wir werden wir sehen“, sagte er.

Jeder spricht mit jedem - Warten auf Mailand und Madrid

Dominiert wird der europäische Finanzmarkt von drei großen Handelsplatz-Betreibern: Der Deutschen Börse in Frankfurt, der Londoner Börse LSE und der Vierländerbörse Euronext. Seit vor vier Jahren die Fusion von LSE und Deutscher Börse scheiterte, ist es ruhiger geworden in der Branche. Allerdings hatte LSE-Chefin Clara Furse zuletzt erneut Bereitschaft für eine grenzüberschreitende Partnerschaft erkennen lassen, und auch Werner Seifert, Chef der Frankfurter Börse, redete auf der jüngsten Hauptversammlung der weiteren Konsolidierung das Wort. Hinter den Kulissen zumindest scheint daran gearbeitet zu werden. „Die Zahl der Entscheider ist klein, und wir sprechen regelmäßig miteinander“, sagte Massimo Capuano, Chef der Mailänder Börse und Fese-Präsident, und wiederholte damit die seit Jahren übliche Standard-Bemerkung europäischer Börsenmanager zu diesem Thema.

Experten erwarten von den Börsengängen der Handelsplätze Madrid und Mailand Bewegung für die Branche. Aber die Chefs beider Börsen konnten auf dem Fese-Meeting keine konkreten Daten nennen. „Bald, aber es gibt noch keinen Termin und nichts Neues. Außerdem müssten wir zunächst noch einmal unsere Aktionäre befragen“, sagte Antonio Zoido, Chef der Spanischen Börse. Capuana äußerte sich für die Borsa Italiana zurückhaltend: „Ich denke, es wird dieses Jahr nicht mehr geschehen.“

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