Dirk Müller im Interview „Der Euro ist die falsche Währung“

Griechenland wird aus dem Euro austreten. Davon ist Dirk Müller, bekannt als „Mister Dax“, überzeugt. Im Interview erklärt er, warum die meisten Länder mit dem Euro überfordert sind und wie es mit der Währung weitergeht.
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Dirk Müller, der ehemalige Börsenmakler wurde bekannt als "Mister Dax". Heute schreibt er Bücher, hält Seminare und tritt in Talkshows auf. Quelle: Bert Bostelmanm für Handelsblatt

Dirk Müller, der ehemalige Börsenmakler wurde bekannt als "Mister Dax". Heute schreibt er Bücher, hält Seminare und tritt in Talkshows auf.

(Foto: Bert Bostelmanm für Handelsblatt)

Herr Müller, nach der Wahl in Griechenland geht es an den Börsen aufwärts. Warum sind die Investoren erleichtert?

In der vergangenen Woche wurde so viel Panik geschürt. Man hätte meinen können, dass am Sonntag die Welt untergeht. Deshalb hat das Wahlergebnis heute kurzfristig für Erleichterung an den Märkten gesorgt. Allerdings kehrt jetzt schon wieder Ernüchterung ein. Und das ist auch kein Wunder.

 

Was ändert sich durch die Wahl?

Gar nichts. Wir haben die gleichen unfähigen Politiker wie vorher. Und es nicht mal sicher, ob die überhaupt eine Koalition bilden können. Und selbst wenn - an den Problemen des Landes ändert sich dadurch nichts. Die Situation in Griechenland ist inzwischen so verfahren. Die Wirtschaft ist total im Keller. Die Finanzlage ist viel dramatischer, als noch vor zwei Monaten zu befürchten war.

 

Wird Griechenland im Euro bleiben?

Griechenland wird austreten. Aus wirtschaftlicher Sicht bleibt gar nichts anders übrig. Das wissen auch die Verantwortlichen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob Merkel so glücklich über den Ausgang der Wahl ist. Vielleicht wäre sie glücklicher gewesen mit einem Wahlsieg der Linken und dem unmittelbaren Austritt aus dem Euro. Dann hätte man sagen können: Wir haben es endlich hinter uns. Stattdessen geht das Geeiere jetzt noch ein paar Wochen und Monate weiter. Am Ende kommt sowieso der Austritt.

Warum sind Sie da so sicher?

Griechenland ist mit der falschen Währung gesegnet. Mit dem Euro können die Griechen niemals auf eigenen Füßen stehen - egal, was sie machen. Wir können ihnen noch fünfmal die Schulden erlassen, ohne dass sich etwas ändert. Die Währung, mit der die Griechen jetzt bezahlen, ist viel höher, als die Volkswirtschaft verkraften kann. Stellen wir uns vor, wir hätten in Deutschland eine Währung, die von heute auf morgen um 100 Prozent aufwerten würde – unser Export würde zusammenbrechen. Genau das ist in Griechenland passiert.

 

Und das wäre mit der Drachme besser?

Griechenland muss entweder seine Leistungsfähigkeit an die Währung anpassen. Dazu müssten  die Preise und Löhne flächendeckend um die Hälfte sinken – was unmöglich durchsetzbar ist. Oder die Griechen müssen ihre Währung an die Leistungsfähigkeit anpassen. Das heißt: Sie müssen raus aus dem Euro und eine eigene Währung einführen. Diese würde – gemessen an der Leistungsfähigkeit – um 60 Prozent abwerten. Aber zumindest hätte Griechenland dann auf lange Sicht wieder eine Perspektive, international wettbewerbsfähig zu werden.

 

Wie es mit dem Euro weitergeht
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91 Kommentare zu "Dirk Müller im Interview: „Der Euro ist die falsche Währung“"

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  • Beruht die Schuldenkrise nicht auf einem Systemfehler?
    Denn die Staatengemeinschaft leiht den Banken doch Geld für extrem wenig Zinsen, die es dann wieder für unterschiedlich hohe Zinsen an die einzelnen Staaten verleihen.
    Jemand sagte mal, es gäbe zuviel Geld in der Welt; die Banken wüssten nicht mehr wohin damit. Darum könnten sie spekulieren oder es zum Teil in "sicheren" Ländern wie Deutschland anlegen, in denen sie nicht mal mehr Zinsen dafür bekommen.
    Warum kann eine Staatengemeinschaft nicht ihren Mitgliedern Geld zu moderaten Zinssätzen leihen? Und die Banken nehmen das Geld ihrer Sparer (geringe Guthabenszinsen) und verleihen es den Unternehmen (zu den üblichen hohen Zinsen) ???

  • Reflektionen zum Propheten:
    Anscheinend hat dem Herrn sein Wissen über Börsen, Wirtschaft und Finanzen noch nicht zu ausreichend Gewinn verholfen, dass er mit reißerisch aufgemachtem abgedroschenem Geschwätz sein Brot verdienen muss und dazu noch das HB für Werbung zu seinen Gunsten brauch, um seine Bücher an den Mann zu bringen.
    Seine Weisheiten zur "aktuellen Lage" speziell zu Beginn seiner Predigerlaufbahn scheinen mir kaum besser als die des Affen beim Börsenspiel.
    Vielleicht hat er auch, wie viele andere, in eine gewisse Richtung spekuliert...

  • ich glaub das ist zu kurz gedacht. europa ist grundsätzlich ein markt und eine region, da kann man griechenland nicht mehr rausnehmen. eher sollte man die daumenschrauben anziehen und die ezb salden regelmäßig durch wertpapiere ausgleichen und mit den schuldnerländern bilateral ein kreditabkommen schließen (gegen restru-vereinbarungen). fällig bei nichteinhaltung. tendenziell den euro durch private geldpolitik flankieren oder ersetzen, korbwährung auf grundlage privater währungen mit euro als standard / korb-einheit.

  • Genau richtig. Leider scheint keine politische Kraft eine echte Alternative zum jetzigen ziellosen Durchwursteln zu bieten. Das Volk wird wohl kaum direkt gefragt werden, es könnte ja so enden wie beim Münchner Flughafenausbau. Alle fahren auf den Abgrund, aber keiner traut sich als erster zu bremsen...

  • Hallo aber jetzt bitte keine Politiker beleidigen, ich wurde schon bestrafft weil über einen Politiker "Klugscheißer" gesagt hab, nach § 185.
    Deswegen bin ich augewandert, ins freie Land.

  • Unsere Politiker wollen Zeit gewinnen mit ihren Tippelschritten - wir sollen uns an eine Transferunion gewöhnen. Ich hatte das Euro-Projekt von Anfang an in Verdacht, daß die Politiker damit nur weiter die Verantwortung für ihre unbezahlbaren Wählergeschenke vernebeln wollen. Die Finanzmärkte sind unruhig, weil plötzlich keine Gesetze und Regeln mehr gelten. Sie wollen eine Transferunion, weil dann die Party 2 - 3 Jahre weiter geht, in denen saftige Bonis verdient werden können, und, wenn Europa dann im Schuldenchaos zusammenbricht, sitzen diese Leute in Singapur oder den Emiraten und lachen sich kaputt. Wenn wir eine Transferunion bekommen, wollen die Wähler in jedem Land die Rente mit 60 und kostenlose Kindergärten und Unis und und und, weil ja "die anderen" bezahlen. Soeben fährt Hollande mit seinen Beschlüssen Frankreich endgültig gegen die Wand,und die anderen Länder sollen das bezahlen. Unglaublich! Warum unsere Politikerkaste das Land verkauft, bleibt mir unbegreiflich.

  • "Würden Sie an Merkels oder Schäubles Stellen das machen wollen?"
    Ja.
    Ebenso würde ich mein Auto anhalten, wenn es auf einen Abgrund zufährt, und umkehren.

  • zu Leinsdorf:

    Danke für diese klaren und deutichen Worte.Ich kann mich da nur anschließen!

  • @ barnie
    Respekt vor ihrer geballten Ladung an Einzelsachverhalten, die jeder für sich Einblick bietet in die Korruption unserer Eliten. Dennoch habe ich mit Verschwörungstheorien meine Probleme, wenn es um die "Eurokrise" geht, die ja im Kern eine Finanz- und Bankenkrise ist. Und in der sich das totale Scheitern des Finanzkapitalismus spiegelt. Dieses Geflecht von Beziehungen und unappetitlichen Machenschaften einzelner, ist erschreckend. Dennoch, das meiste hat nichts mit der Problematik einer neoliberalen Hegemonie zu tun, die in Deutschland, der europäischen Kommission sowie in Teilen der EZB ihre abstrusen Urständ feiert. So schlimm es als Deutscher ist, feststellen zu müssen, dass Deutschland die Speerspitze dieser lächerlichen Wirtschaftsideologie bildet und Europa, wenn nicht die ganze Welt in den Abgrund zu reißen droht, weil die Entscheider in Politik und Wissenschaft nicht bereit sind, die einfachsten ökonomischen Regeln anzuwenden. Sie tun so, als könnte ein Wirtschaftsmodell, das auf ruinösen Wettbewerb durch Kostendumping ausgelegt ist, der ganzen Welt als Allheilmittel "verkauft" werden. Der hierbei an den Tag gelegte Starrsinn bei den Politikern und Mainstream-Ökonomen ist erschreckend. Dabei gibt es unzählige Beispiele des Scheiterns dieser ideologischen Veranntheit. Wenn sich hier keine starke Gegenposition aufbaut, wird Europas Währungsunion nicht überleben. Es droht durch den Fiskalpakt das Ende einer vernunftbegabten Wirtschaftswissenschaft und die Aufkündigung jeder sozialen Verantwortung. Dagegen zu kämpfen lohnt sich, darin stimme ich ihnen absolut zu.

  • @thorben -
    wen würden Sie denn gerne hören, bitte mal einen nennen : ich bin ganz neugierig (bitte keinen aus der Polit-Elite - die kenne ich alle schon und die ergebnisse leider auch)

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