Dividenden
Konzerne überschütten Aktionäre mit Milliarden

Die Gewinne der Unternehmen sinken. Trotzdem wollen deutsche Konzerne im kommenden Jahr üppige Dividenden zahlen. Um ihre Aktionäre bei Laune zu halten, greifen die Dax-Unternehmen so tief in die Tasche wie nie. Sie wollen fast den gesamten Nettogewinn ausschütten. Nur wenige Anteilseigner dürften leer ausgehen.
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HB FRANKFURT. Trotz sinkender Konzerngewinne schütten die deutschen Großunternehmen 2010 üppige Dividenden aus. Nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt werden die 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne im Frühjahr 20,3 Mrd. Euro an ihre Aktionäre überweisen. Das sind nur zwei Mrd. Euro weniger als im Vorjahr.

Damit schütten die Unternehmen 71 Prozent der Nettogewinne aus, die sie im Saldo im laufenden Geschäftsjahr einstreichen. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2007 hatten die Firmen 55 Mrd. Euro verdient, wovon sie nur 45 Prozent weitergaben. Auch in Relation zu den Aktienkursen stechen die Dividenden hervor: Anleger erzielen mit den Dax-Titeln eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,73 Prozent. Das sind 20 Prozent mehr, als deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bieten.

Die Firmenvorstände schlagen der Hauptversammlung zwar erst in den kommenden Monaten vor, wie viel sie für das abgelaufene Geschäftsjahr ausschütten wollen. Auswertungen der Quartalsbilanzen, Vorstandsaussagen, Mittelzuflüsse, Nettoerlöse und feste Ausschüttungsquoten ermöglichen aber schon jetzt zuverlässige Prognosen. "Bei vielen Unternehmen ist der Versuch erkennbar, auch in schwierigen Zeiten kontinuierliche Dividenden zu zahlen", sagt Steffen Neumann von der LBBW. Die Ertragssituation würde niedrigere Ausschüttungen rechtfertigen. In der Minikrise nach der Jahrtausendwende beispielsweise hatten die Konzerne ihre Dividende angesichts sinkender Gewinne radikal auf weniger als zehn Mrd. Euro zusammengestrichen.

So waren die Aktionäre der Deutschen Telekom 2003 und 2004 sogar leer ausgegangen. Diesmal dürften sie wie im Vorjahr 78 Cent je Aktie erhalten. Das macht bei einem aktuellen Kurs von 9,75 Euro eine Dividendenrendite von gut acht Prozent. Der üppige Barmittelüberschuss in den ersten neun Monaten zerstreute Spekulationen über eine Kürzung. Die Telekom schüttet mit 3,4 Mrd. Euro so viel aus wie kein anderer deutscher Konzern - und damit mehr, als sie unter dem Strich verdient.

Die Telekom verdeutlicht, dass es ein zweischneidiges Schwert ist, Aktien an der Höhe ihrer Dividende zu bewerten. Denn bei gleicher Ausschüttung steigt die Rendite nur deshalb Jahr für Jahr auf immer neue Rekorde, weil der Aktienkurs immer tiefer fällt. "Würde die Telekom weniger ausschütten, nähme der Konzern der Aktie ein wesentliches Argument, das für sie spricht", sagt Neumann.

Gemessen am Nettogewinn hätte die Telekom ihre Dividende schon lange kürzen müssen. Jahr für Jahr schütten die Bonner mehr aus, als sie unter dem Strich verdienen. Die Telekom rechtfertigt ihre reiche Gabe mit dem üppigen Cash-Flow, also den ständigen Mittelzuflüssen. Damit aber definiert sich der Ex-Monopolist im Prinzip als bloße Cash-Maschine, die die Mittelzuflüsse beim Anleger besser als im Konzern aufgehoben sieht.

Doch auch andere Firmen geben mehr weiter, als sie verdienen. So plant beim Stahlhersteller Thyssen-Krupp der Vorstand trotz eines Milliardenverlusts und des schlechtesten Geschäftsjahres der Firmengeschichte eine Dividende von 30 Cent je Aktie.

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  • Die Dividendenerendite darf (beri seriöser Firmenführung) das einzige Kriterium sein, um den Aktienkurs zu finden,
    und zwar nicht die einmalige Dividende, sondern der Schnitt über viele Jahre.
    Denn er ist die Rendite der Aktie, die am Schluss, bei Firmenpleite, immer 0 wert sein wird.
    Sicher kann man mit Glück vorher verkaufen, aber für jeden, der einen Spekulationsgewinn einstreicht, gibt es auch jemanden, der ihn verliert.
    Und wegen diesen Unterschieds zur Anleihe, bei der man von Rückzahlung ausgeht, sollte die Aktie auch mehr Dividendenrendite anwerfen, als eine Anleihe.

    Die aktuellen börsenkurse sind von einer richtigen bewertung aber noch meilenweit weg.

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