Doppelposten übernommen
Ex-Citibankchef hilft New Yorker Börse aus Führungskrise

Der weltgrößte Aktienmarkt hat nach dem Rücktritt von Richard Grasso überraschend John Reed zum Übergangschef berufen.

tmo/WSJ/Bloomberg NEW YORK. Vier Tage nach dem erzwungenen Rücktritt von Richard „Dick“ Grasso hat die New Yorker Börse einen neuen Chef gefunden: John Reed, einst Co-Chef der weltgrößten Bank, Citigroup, übernimmt ab 30. September den Doppelposten des Chairman und Chief Executive Officer – er wird Vorstands- und Aufsichtsratschef in einem.

Reed sieht sich laut der Nachrichtenagentur Bloomberg nur als Übergangschef. Er wolle „eher Monate als Jahre“ an der Spitze der New Yorker Börse (NYSE) stehen, wird er zitiert. Reeds Ernennung ist ein Überraschungscoup für den weltgrößten Aktienmarkt, der die Wall Street weltberühmt machte. Seit Mittwochabend stand die NYSE kopflos da, nachdem die Geschäftsführung den bisherigen Chef Grasso zum Rücktritt gezwungen hatte. Vorausgegangen war ein Empörungssturm über Grassos üppige Entlohnung. Er hatte kürzlich ein Gehaltspaket von 139,5 Mill. Dollar kassiert.

Reed leitete von 1984 bis 1998 den New Yorker Finanzriesen Citibank und fädelte die Fusion mit Sandy Weills Travelers Group zum weltgrößten Finanzdienstleister ein. Nach zwei Jahren als Co-Chef an der Spitze der Citigroup zog sich Reed zurück. Er verlor einen Machtkampf gegen seinen Rivalen Weill.

„Johns exzellente Management-Erfahrung, sein herausragender Hintergrund in Corporate Governance und seine Vertrautheit mit den verschiedenen Marktteilnehmern an der NYSE machen ihn zur idealen Wahl“, sagte der Leiter des NYSE-Suchkomitees, Laurence Fink. Dieser Gruppe gehören auch die Ex-Außenministerin Madeleine Albright, Credit-Suisse-Co-Chef John Mack und der kalifornische Anwalt Larry Sonsini an. Die NYSE-Führung muss noch klären, ob die Ämter des Chairman und Chief Executive Officer künftig getrennt werden sollen.

Die geplante Reform der internen Führungsstruktur (Corporate Governance) werde in enger Abstimmung mit der US-Finanzaufsicht SEC erfolgen, kündigte die NYSE an. SEC-Chef William Donaldson, hatte die gegenwärtige Struktur zuvor scharf kritisiert und mit harscher Kritik an Ex-Chef Grasso zu dessen erzwungenem Rücktritt beigetragen. Donaldson, der selbst die NYSE bis 1995 leitete, forderte diese auf, bald ihren Bericht zur internen Führungsstruktur abzuliefern.

Der Corporate-Governance-Ausschuss der Börse will seine Vorschläge Anfang Oktober vorlegen. Das kündigte der leitende Direktor Carl McCall an, der dem Gremium gemeinsam mit dem einstigen Stabschef von US-Präsident Bill Clinton, Leon Panetta, vorsteht.

Der Ausschuss hat einige der schärfsten Kritiker Grassos eingeladen, ihre Meinung darzulegen. Dazu gehören die Leiter der beiden größten öffentlichen US-Pensionsfonds, Kaliforniens oberster Finanzverwalter Phil Angelides und New Yorks Schatzmeister Alan Hevesi. Beide hatten am Dienstag Grassos Rücktritt gefordert und sein Schicksal damit besiegelt.

Einen weit reichenden Reformvorschlag hat laut Wall Street Journal der Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Henry Paulson, gemacht. Danach würde das Board geteilt: Vertreter von Wall-Street-Firmen und NYSE-gelisteten Unternehmen gehörten nur noch einem Beratungsgremium an. Sie stellen bisher die Mehrheit der 25 Board-Mitglieder. Am nächsten Mittwoch treffen sich erneut die unabhängigen Börsenmakler und Banken, denen die NYSE gehört. Sie wollen die Reformpläne diskutieren.

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